vier sind dann mal welt

Weltreise mit Kindern

Das neue Jahr ist ja schon einen Monat alt, und nun ja, es ist Winter. Kaum hat man die Nachttischlampe ausgeknipst und den Vorhang aufgezogen, um in ein durchwölktes Grau zu glotzen, knipst man das Licht auch schon wieder an, weil das Grau zu schwarz mutiert. Doch manchmal passiert ein sehr seltenes Phänomen im Norden Deutschlands, und als Hamburger traut man seinen Augen kaum, denn man sieht Licht!  Und so was wie Farbe. Der Himmel wirkt wie ausgetauscht und ist blau angepinselt. Irgend etwas blendet. Ah, da war doch was. Das Ding heißt Sonne. Also nichts wie raus aus der Stadt und ran ans Meer! Und wo kann man diese lichten Moment besser erleben als an der Nordsee! St. Peter Ording war schon immer unser Lieblingsziel am Wochenende, bevor wir die Datsche an der Ostsee hatten. Zumal die noch im Winterschlaf vor sich hindrömelt.

Und was ist im Winter und im Schneegriesel besser, als sich der Kultur ehinzugeben? Und der Geburt eines neues Gebäudes? Genau. Deshalb radelte ich kurz nach dem Jahreswechsel in die Elbphilharmonie und durfte dabei zusehen, wie die Tänzer von Sasha Walz das Gebäude zum Leben erweckten. Sie betanzten fast alle Räume, und man selbst, als Zuschauer, folgte ihnen fasziniert. Es war ein unvergesslicher Abend. Vor allem das Stück von John Cage, 4’33. (Wer es nicht kennt – am besten mal googeln. Ich gebe zu, ich kannte es – nicht). Großartiger Abend!

 

dreh-elphi-foyer-totaleZuerst das Vergnügen, dann die Arbeit. Man kann es ja mal umdrehen…Obwohl in diesem Fall die Arbeit auch eine reine Freude war, denn ich durfte mit Menschen drehen, die für die Musik leben, und Menschen, die für etwas brennen, die sich mit Leidenschaft reinstürzen in eine Sache, lassen bei mir die Assoziation mit dem Wort „Arbeit“ gar nicht erst zu. Für den NDR drehe ich in einer Langzeitbeobachtung junge Musiker der „Young ClassX“, die im MJO (dem „Mendelssohn Jugend Orchester“ ) spielen und, obwohl (oder vielleicht auch gerade weil ?) sie oft aus sozial schwierigen, und Musik-fernen Familien stammen, geben sie alles für diese Momente des Übens, Probens und der Konzerte. Sowohl der Unterricht als auch die Instrumente sind gesponsert, und es ist eine wahre Freude zu beobachten, welch starken Einfluss die Musik auf diese jungen Menschen hat. Nicht zuletzt dank des Orchesterleiters Clemens Malich, der seine Truppe mit liebevoller Strenge mitreißend führt.

Und somit war das MJO das erste Jugendorchester, das in der Elbphilharmonie gespielt hat. Das Ergebnis kann man am 6. März in der „nordreportage“ sehen.  Noch einmal zum Thema „Arbeit“ und „Leidenschaft“: Als wir kurz vor dem Konzert nach dem Soundcheck unsere Technik (Kameras, Mikros, Stative etc.) die Ränge hochschleppten, um unsere Postionen zu beziehen, sagte ein Zuschauer laut zu seiner Frau: „Was für ein Job!“ Das war, da sind wir uns einig, nicht positiv gemeint. Ralf, mein Kameramann, meinte nur: „Genau. Was für ein Job. Großartig. Großartig, das hier so nah miterleben zu dürfen!“ (Ok, großartig ist es tatsächlich oft, aber natürlich nicht immer, aber in dem Fall stimmte es). Da schleppe ich gerne mal ein Stativ, wenn ich solche Menschen begleiten darf und hinter die Kulissen blicken, zum Beispiel in die Garderoben…

elphi-garderobeMit den Mädels war ich dann auch noch in der Elphi, bei – ha, geht doch – strahlendem Wetter, und sie fanden’s toll. Antonia geht als nächstes mit ihrer Klasse ebenfalls dorthin und doch, ich gebe zu, wir sind Fans.

elphi-madelsUnd weil wir nicht genug Hafencity haben konnten, waren wir dann auch noch am Braakehafen und im Lohsepark. Hamburg erinnert plötzlich an Berlin – an dieser Stelle zumindest. Es wird gebaut, überall, und direkt am Wasser. Und ich, die ich eine Hassliebe zu dieser Stadt habe, kann in dem Moment nur nicken. Doch, gut. Weiter so. Könnte was werden. Und Wohnungen werden ja immer gebraucht, solange sie nicht durchweg 16€ kalt pro qm kosten…

braakehafeb-2Zum Schluss, um irgendwie noch den Bogen zu Buch und Welt und Reise zu bekommen…noch eine news zum Buch: Es gibt demnächst Lesungen in Berlin (am 4.3.) und in Hambuuuurch. Jene in meiner Heimatstadt dauert noch ein wenig, dafür wird sie auch etwas größer sein und mit Essen und allem pi pa po. Und dann noch zwei Buchtipps: Ein Buch, das ich gerade gelesen habe und fan-tas-tisch fand, weil es die Probleme unserer Generation (naja, die Protagonisten im Buch sind etwas jünger, verliere ihre Jobs und haben Angst, im Prekariat zu landen…ich konnte mich durchaus wieder erkennen, vor allem bei der männlichen Figur), vor allem auch, weil die Handlung dieses Buches in Eimsbüttel spielt, also unserem Stadtteil , in der auch Kristine Bilkau, die Autorin liebt, und es heißt: „Die Glücklichen„. Das andere Buch sollte vielleicht Dagobert, äh, Donald mal lesen, es handelt von New York und seiner Entstehung (von Edward Rutherford): „Im Rausch der Freiheit„. Ein faszinierendes Mehr-Generationen-Portrait! Ausreichend Seiten, um aus den dunklen Wintertagen in ferne Leben und Welten abzutauchen – falls man sich nicht gerade der Musik bei einem Konzert in Hamburgs neuem Wahrzeichen hingibt und vorher schnell noch die von Hand geblasenen Lämpchen zählt. Und wenn dann doch mal wieder die Sonne rauskommt, gibt es ja noch das Meer links und rechts. Also, Winter, geht doch, wir schaffen dich schon.

 

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Es geht doch nichts über eine gute Nachbarschaft. Auch unter Büchern. „Frühstück mit Giraffen“direkt neben Helmut Schmidt und Anne Frank. Von meiner Freundin am Flughafen Hamburg entdeckt und ein paar Tage später von mir selbst an einem anderen buch-am-flughafenFlughafen – und gleich bildlich festgehalten. Ich befand mich auf dem Weg/Flug zu einem einstündigen Interview nach München mit Bayern3. „Mensch Theile!“, heißt die Sendung, mit einer sympathische Moderatorin, einem netten Team und einem, hoffentlich, guten Gespräch; kurz, mir hat es großen Spaß gemacht! Nur die erste Frage hatte mich etwas kalt erwischt…Hier der link zum Interview, wer mal reinhören will: http://www.ardmediathek.de/radio/Mensch-Otto-Mensch-Theile-BAYERN/Bettina-Pohlmann-51-Weltreise-mit-der-/Bayern-3/Audio-Podcast?bcastId=5925162&documentId=39214130

Vorher gab es noch eine Lesung mit Frühstück und vielen Menschen in der Buchhandlung Michaels in Reinfeld. Schöne Idee, eine Lesung mit einem Frühstück zu verbinden. (Das mag eventuell am Buchtitel liegen…). Was mich vor allem beeindruckte, waren die vielen Giraffen, die vor, hinter und neben meinen Büchern hervorschauten, nicht nur in der Buchhandlung selbst, sondern auch das Schaufenster bestückten. Für das Erinnerungsfoto bekam ich die größte gleich in die Hand gedrückt und hätte sie am liebsten mit nach Hause genommen.

Und nun also Advent. Zweige und Engel zu Hause, Staunen im Weihnachtsmärchen, Kerzenlicht und Kekse!  Immer wieder Kekse. Knabbern – und backen natürlich! Und dazu das Weihnachtsoratorium in voller Lautstärke. Alle Jahre wieder – herrlich! Zusammen mit Freunden haben wir traditionell wie jedes Jahr die ersten Kekse Anfang Dezember produziert und neue Verzierungen ausprobiert. Mittlerweile sind wir bei der vierten Produktionsstufe und neuen Varianten…

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Heute habe ich mich mal abwechslungshalber an Pralinen versucht, und falls sie genießbar sind, werde ich die Produktion fortsetzen. Und dann gehört seit einem Jahr zum Advent unser Freund Kai Pannen, seines Zeichens Illustrator und Autor, der so tolle Kinderbücher hervorbringt wie „Du spinnst wohl“. Jeden Tag im Dezember bis Heiligabend lesen wir ein Kapitel aus dem Leben von Spinne Karl-Heinz und Fliege Bisy, die als Weihnachtsbraten enden soll. Aber, natürlich kommt alles ganz anders… Antonia und Helen, aber auch Frank und ich freuen uns jeden Abend auf das neue Kapitel! Und halten uns natürlich strikt daran: Jeden tag bis Weihnachten EIN Kapitel! Und jetzt – lesen wir wieder darin…Wer neugierig geworden ist:  https://www.youtube.com/watch?v=0zCapBlTod8

Allen noch eine schöne Adventszeit, und – falls Ihr noch ein Geschenk für Eure Liebsten/Kollegen/Nachbarn braucht: Also, es gibt da dieses Buch über eine Familie, die eine Weltreise gemacht hat, irgendwas mit „Frühstück“ und „Giraffen“ oder so…:-)

 

 

 

Seit etwas über einem Monat ist „Frühstück mit Giraffen“ nun in den Läden, es gibt immer wieder neue Rezensionen: http://svenjasbookchallenge.blogspot.de/2016/10/rezension-fruhstuck-mit-giraffen.html, und ich bin noch nicht so richtig dazu gekommen zu spionieren, ob mein Buch vielleicht irgendwo auf einem eigenen kleinen Stapel liegt (ha, bei „Heymann“, da hab ich es tatsächlich auf einem Stapel gesehen…und Freunde an anderen Orten und Beweisfotos gemacht). „Frühstück mit Giraffen“ hat mittlerweile seine ersten Auftritte hinter sich. Nach einer Lesung in Teterow ging es zur Buchmesse nach Frankfurt. Und dort stand es dann. Mein Buch. Unglaublich.

buchmesse-blanvaletIch kam allerdings kaum dazu, den Anblick zu genießen, denn ein Termin folgte auf den nächsten. Fototermine, ein Minifilm wurde gedreht („Bitte erklären Sie uns doch innerhalb einer Minute den Inhalt Ihres Buches!“ und da nicht geschnitten wurde und das Ganze „ein Take“ sein sollte, dachte ich sofort an Loriot und den Lottogewinner Erwin Lindemann und, äh, verhaspelte mich natürlich sofort…), es gab Interviews und Bloggertreffen, gefolgt von Empfängen und Einladungen zum Essen. Es war anstrengend, es war schön, es war ein Rausch.Zum Glück kamen dann noch Frank und die Mädchen, und so konnten wir zwischendurch gemeinsam andere Stände und Hallen besuchen und ein bisschen Familie leben.

Bei all dem Trubel hatte ich zunächst die riesige Anzeigetafel bei Random House komplett übersehen… Und dann kam der nächste Auftritt für das Buch. Eigentlich. Denn leider vergass der Moderator, dieses zu erwähnen, geschweige denn, hochzuhalten. Das Buch fand einfach nicht statt. Dafür ich mit aufgetürmten Haaren…Konkreter: Ich flog nach Mainz ins Studio vom „heute journal“, das tatsächlich die Ausmaße eines Fußballstadions hat, und saß kurz darauf mit eben jener Betonfrisur nervös auf dem Sofa, denn der Talk war live, heißt, gesagt ist gesagt und kann nicht mehr rausgeschnitten werden.

Als aber der Moderator nicht nur meinen Namen, sondern auch den des Kollegen, der den netten, kleinen Einspieler über uns gemacht hatte, erfolgreich zweimal falsch ausgesprochen hatte – wurde ich etwas ruhiger. Soviel bleibt auf jeden Fall festzuhalten: Die Frisur saß. Dank Plätteisen und Haarspray….https://www.zdf.de/nachrichten/zdf-mittagsmagazin/talk-mit-bettina-pohlmann-102.html

Danach wollten wir nur noch eins: Durchlüften. Und wo kann man das besser als auf Sylt? Die Insel gehörte immer – neben Paris und New York – zu meinen Lieblingsorten. (Ok, und der Provence und Neuseeland und…). Neben all den Sehnsuchtsorten gibt es noch Orte, an die man sich wahrscheinlich im Sterben zurück sehnt. Weil man dort so glücklich war, weil man sein halbes Leben oder ganz intensive Momente dort verbracht hat, weil man sentimental wird und plötzlich eine ganz besondere Stimmung aufkommt. Sylt ist so ein Ort. sylt-5Die Insel habe ich seit meiner Jugend mehrmals pro Jahr besucht. Zum Auftanken und Durchlüften. An Ostern und über Silvester und im Sommer, aber noch öfter im Herbst oder Winter. Sei es im Hannomak oder Zelt, oder zusammen mit meiner Freundin, in einem preiswerten Gästezimmer einer kleinen Pension, in denen zum Frühstück Eier in selbst gehäkelten Hasenohren angeboten wurden. Später kochte ich selbst – zusammen mit Freunden im Apartment in List. Oder – noch später – fuhr ich zum Arbeiten hin, für einen Dreh für „mare TV“. Meine Freundin hat dann sogar auf Sylt geheiratet. Und wir uns geschworen, wenn wir ganz alt sind und schrumpelig und trotzdem noch laufen können, gemeinsam auf Sylt am Strand Erinnerungen auszutauschen und vielleicht sogar noch Neues zu entdecken. Doch jetzt, vielleicht weil wir die Datsche an der Ostsee haben, war ich lange nicht mehr dort. – Schon die Anfahrt mit dem Autozug ist ein Erlebnis. Antonia und Helen waren neugierig, warum Frank und ich uns so sehr auf die Insel freuten. Vor allem ich rief immer wieder: „Gleich fahren wir auf den Zug und dann, irgendwann, sieht man links und rechts vom Zug aus das Meer! Ist das nicht toll?“ Ich glaube, unsere Mädchen waren ein ganz klein wenig irritiert von dieser etwas irren Vorfreude. Aber dann, sobald wir uns Sylt näherten, blaute der Himmel plötzlich, die Wolkendecke riss auf, es roch nach Meer und Dünengras, wir sahen aufgetürmte Wellen mit shaumigen Kronen, und der Wind ließ unseren neuen Drachen tanzen. Und die Mädchen – tanzten auch.

Ich liebe die Einsamkeit am Ellenbogen, und Antonia nahm die Geräusche des Meeres auf und staunte immer nur, wie breit, wie wunderschön feinsandig der Strand ist und Helen lachte und rannte Reichtung Meer. Wir haben so viele fantastische Orte auf der Welt gesehen – Sylt sehen wir jetzt mit anderen Augen. Mit einer gewissen Bewunderung. Vor so viel Schönheit. Für uns ist Sylt eine echte Ausnahmeerscheinung unter den Inseln und erinnert uns die Hamptons. Und nein, ich schreibe dies nicht für die Tourismusbehörde. :-) Es hat gut getan, auf der Insel zu sein. Und wir wollen jetzt wieder öfter hinfahren, im Herbst und gern auch im Winter, um das Rauschen der Wellen zu hören, das Leuchten des Dünengrases zu sehen und diese fantastische Weite zu spüren. Denn das macht glücklich. Ich wusste es doch. So war es immer und so wird es immer sein.

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lesungDer Herbst, der Herbst, der Herbst ist da, und somit eine gute Zeit, um… zu lesen! „Frühstück mit Giraffen ist auf dem Markt, und ich habe tatsächlich die ersten Buchstapel in den Läden entdeckt. Bevor nächste Woche die erste offizielle Lesung mit „Multimedia-Show“ ansteht (klingt gigantischer als es ist), hatte das Buch fruhstuck_mit_giraffen_20160929__frs8042_kim kleinen Freundeskreis seine Premiere bei einer Privatlesung. Ein schöner Abend dank allen, die dabei waren! Die ganze Familie war im Einsatz:  Antonia trug mit glockenklarer Stimme ihre Textpassagen vor und begeisterte. Frank schenkte Crément und Weine aus und begeisterte auch. Helen reichte beherzt die Gläser weiter oder griff am Tisch selbst zur Flasche – um den anderenoxhoft_lesung_20160926_dscf3784 einzuschenken. Eine Familien-Lesung, sozusagen. Nächste Woche wird’s dann ernst, dann geht’s (ganz alleine ohne Unterstützung der Liebsten) nach Teterow, und ich hoffe, mir versagt vor Aufregung nicht die Stimme. Das Buch ist seit drei Wochen auf dem Markt, und erfreulicherweise haben schon einige Medien darüber berichtet. Ich arbeite daran, auf unerwartete Fragen bei Live-Interviews nicht erschrocken zu schweigen oder zu stammeln oder darüber zu grübeln, was ich dazu denn eigentlich Schlaues sagen könnte. Gar nicht so leicht, vor allem, wenn man gewohnt ist, sonst auf der anderen Seite zu stehen und sein Gegenüber auszufragen. Der Moderator von SWR3 war aber so nett, zwischendurch immer wieder aufmunternd und herzlich zu lachen. Manche Medien druckten Auszüge aus dem Buch, vor allem in Österreich scheint das Thema „Weltreise“ gut anzukommen.

img_8526(Anmerk. Falls jemand aus Österreich mitliest: ich war als Kind immer zum Wandern in den österreichischen Bergen, und ich wäre absolut nicht abgeneigt, für eine Lesung (gern mit Kaiserschmarren oder Germknödeln…) nach Österreich zu kommen. Ich könnte im Gegenzug ein paar Franzbrötchen mitbringen, die ja dank Helen ihren kleinen Auftritt im Buch haben.  Das nur so nebenbei….Nach dem Interview ist vor dem Interview. „BILD-Travelbook“ hat ebenfalls über das Buch und unsere Reise berichtet: http://www.travelbook.de/welt/fruehstueck-mit-giraffen-auf-weltreise-mit-schulkind-801962.html

Auf der Frankfurter Buchmesse werde ich dann sicher Fotos von meinem Buch am Stand von Random House machen und mich wahrscheinlich kurz setzen, wenn ich es dort das erste Mal entdecke. Für die meisten Fachbesucher locken die meisten Neuerscheinungen nur ein müdes Lächeln hervor, ist schließlich eine Buchmesse, sogar die größte weltweit, aber dass da mal mein eigenes Buch stehen oder liegen würde, das fühlt sich immer noch ziemlich unwirklich an. Nach der Buchmesse heißt es dann: Haare föhnen und Rock glatt ziehen und einmal tief durchatmen für das breite Sofa vom ZDF-Mittagsmagazin. Wiederholen is nich, die Sendung ist live. Wie sagt ein Freund immer? Was einmal aus der Zahnpastatube rausgedrückt wurde, kriegt man da nicht mehr rein. Mon dieux. (Nein, den Termin beim ZDF verrate ich nicht…). Und dann habe ich einen Buchblog entdeckt, eine schön gemachte Seite; die Bloggerin hat „Frühstück mit Giraffen“ gelesen und darüber geschrieben: http://anke-liest.blogspot.de/2016/09/reisen-weltreise-unterwegs-in-der-welt.html

Zuletzt noch ein Buchtipp für einen Freund, den ich wiebuch-von-mathias wir halb erschrocken feststellten, seit mehr als 25 Jahren kenne. Der Fotograf Mathias Bothor, der um das gesamte Mittelmeer gereist ist. Vier Jahre lang hat er für einen neuen „mare“-Bildband nicht nur die Länder aus der Vogelperspektive, sondern vor allem die Menschen des Mittelmeeres fotografiert (s.u.). Wir waren alle Vier auf seiner Vernissage und uns packte wieder die Sehnsucht. Mathias und ich haben am Ende gegenseitig unsere Bücher signiert. Verrückte und schöne Welt.

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Und noch eine Info: Der Film Cook Islands- Welcome to paradise!“ für 360° GEO/Arte ist noch neun Tage in der Arte Mediathek zu sehen. Einmal Paradis und wieder zurück sozusagen…http://www.arte.tv/guide/de/064565-013-A/360-geo-reportage?country=DE

Jetzt übe ich erstmal weiter laut und deutlich vorzulesen so wie Antonia und, ach so: FALLS Euch das Buch gefällt, freue ich mich über Kritiken auf den üblichen Plattformen im Netz. Und natürlich auch sonst. – Danke!

 

 

Cassis
Es gibt Orte in der Provence, die sehen aus  wie aus einem Wimmelbuch, wie gemalt, und, im Falle von Cassis, fast schon ein bisschen zu hübsch, ein bisschen zu aufgerüscht, ein kleines bisschen zu Côte d’Azur. Und dennoch: très charmant. Solange wir dort nicht unseren gesamten Urlaub verbringen. Es macht Spaß, bei einem Apéro, die passend zur Kulisse aufgehübschten Menschen zu beobachten, die an einem vorbei flanieren, und es ist faszinierend, in die Calanques zu schippern, vorbei an den gigantischen Felsen.

DreiCalanquesMit unseren Hausnachbarn wollten wir zwischenzeitlich in Marseille einer Regatta vom Boot aus beiwohnen, deren Start wegen zu wenig Wind jedoch verschoben wurde. Also haben wir nur den Vorbereitungen auf dem Wasser beobachtet, ohne das eigentliche Rennen. Antonia und Helen nutzten die Zeit für ein kleines Nickerchen, während wir uns angeregt mit Blandine und Gérard (unseren Nachbarn) unterhielten und nebenbei immer wieder die Silhouette von Marseille bewunderten. Alles in allem eine nette Bootstour. Wobei wir von den Nachbarn erfuhren, dass viele Touristen, aber auch Franzosen die Reise nach Südfrankreich dieses Jahr storniert hätten, weil es eine Terrorwahnung für Marseille gab. Am Hafen und in den vielen anderen Vierteln standen an jeder Ecke schwer bewaffnete Polizisten, die aussahen, als befänden sie sich im Krieg. Ein Bild, an das man sich nicht gewöhnen kann.

Marseille Museum

Marseille PanierIm Panier, unserem Lieblingsviertel von Marseille, zerplatzte neben dem Cafe, in dem wir saßen, plötzlich ein Luftballon. Ein junger Mann erschrak  und hüpfte zur Seite, er hob die Hände vors Gesicht, um dann erleichtert auszuatmen. Und sich anschließend noch einmal suchend umzuschauen, ob wirklich alles ok sei. Die Anspannung innerhalb der Stadt ist überall spürbar. Und dennoch fällt uns wieder auf, wie jedesmal, wenn wir in diesem südlichsten Landstrich Frankreichs, der Provence sind, wie gut gelaunt und entspannt die Menschen hier sind. Egal wo wir hinkommen, ob in die Boulangerie, auf einen Markt, oder an die Kasse im Supermarkt, Antonia und Helen bekommen etwas geschenkt oder etwas zum kosten, und wir alle einen netten Spruch und ein Lachen. Egal ob in der Großstadt Marseille oder in einem der kleinen Dörfer. In einem riesigen Supermarkt, dem zweitgrößten Europas (!), suchte ich einen Sancerre Wein. Verlor bei der Anzahl der Regale aber etwas den Überblick (allein das Regal für Champagner war 30 Meter lang). Ein Ehepaar fragte, welchen Wein ich suchen würde und tippte etwas in sein Handy, um die Region für Sancerre ausfindig zu machen. Dann suchten wir alle zusammen. Würden aber nicht fündig. Ich bedankte mich und gab auf. Tanz pis! Pas grave. Als wir später an Kasse 34 von 50 Kassen standen, kam das Ehepaar auf uns zugetankt. Mit einer Flasche rotem Sancerre, den weißen hatten sie nicht gefunden. Eines von vielen Erlebnissen mit Südfranzosen. Blandine, unsere Nachbarin, die selbst aus Rouen kommt und nie wieder zurück will, wie sie sagt, meinte, es läge am Klima und am Licht hier. An den Düften. An der Natur. Eben an allem, was Menschen wohl glücklich und zufrieden macht. Zufrieden macht uns hier nicht nur der tägliche tiefblaue Himmel und das sanfte Licht, sondern auch das Essen und die vielen Märkte. Wie überall in dieser Gegend, ist es jedoch kein Geschrei und Gerufe (die Franzosen sind eher stiller Natur, wie uns aufgefallen ist, egal ob im Restaurant, in der Bucht oder eben auf einem großen Markt, es wird leise gesprochen, viel gestikuliert, aber – leise. Wie laut ist es dagegen bei uns, wie laut sind wir oft selbst als Familie,  das fällt uns hier extrem auf ). In Apt auf dem Markt haben wir uns zum Schutz vor der Sonne erst einmal Hüte gekauft, wir haben uns durch 98 Tarnendes probiert und 24 gekauft (so ungefähr), dazu scharfe Salami, Balsamico aus Waldbeeren, Roséweine, natürlich diverse Käse, die wir – bien sur – allesamt vorher durchprobiert haben, Seifen aus Marseille aus 72 prozentiger Olivenöl, und Olivenöl selbst, das hier eine Spezialität ist und süchtig macht.Genau wie der Honig – wahlweise mit Lavendel oder Rosmarin, aus dem Wald, mit Mandarinen oder Orangen oder eben pur, wir haben uns durchgetestet und dem jungen, sympathischen Bienenzüchter und Honigproduzenten diverse Gläser abgekauft. Die Franzosen lieben gutes Essen, la bonne bouffe, und wir – auch.

Apt marchéEs war ein herrlicher, en perfekter Tag, und dann haben wir noch in einer Gasse in einem gerade aufgemachten Restaurant gespeist. Die ganze Familie war im Einsatz, inclusive der Söhne, alle waren aufgeregt, das Essen vorzüglich, es gab die ganze Palette an provencalischen Spezialitäten, und ich habe der Mutter schnell noch drei bunte selbst gebrannte Schalen abgekauft für zu Hause, als Erinnerung an diesen Tag.

Es fällt auf jeden Fall positiv auf, diese gute Laune, und wir werden sie zu Hause sicher ab und zu vermissen. (Vielleicht liegt es auch einfach nur am Rosé. Oder am Pastis. Oder an beidem. Tant pis, was zählt, ist das Ergebnis…). Marseille jedenfalls gefiel uns erneut sehr. Eine lebendige Stadt mit verdammt rauem Charme.

Marseille Panier 2

Marseille Panier 3Helen hat es mittlerweile erfolgreich geschafft, sich bis zum Pool unserer Nachbarn vorzuarbeiten. Indem sie sich, während Blandine ihre Runden im hauseigenen Nass schwamm, eine Plastikwanne geholt hat, ihre Fußspitzen reingehalten und sehnsüchtig rübergeschaut hat. Solange, bis Blandine sie und Antonia bat, rüberzukommen und sich in ihrem Pool abzukühlen. Und nicht nur das: sie kramte auch noch einen riesen Delfin aus dem Schuppen, blies ihn auf und warf anschließend einige Ringe ins Wasser, nach denen die Mädchen tauchen konnten. Das Verhältnis Deutschland-Frankreich ist also enger geworden. Auch ihr Hund und ihre kleine Katze kommen jetzt immer zu uns, zur großen Freude der Mädchen! Man rückt also zusammen, auch bei Tisch. Die Nachbarn luden uns zum Essen ein, genauer: zu einem Apéro-Diner. Bestehend aus einer Begrüßung mit Kir und Geplauder. Anschließend werden Blätterteigteilchen mit Olivenpaste (Tarpenade) gereicht. Man nimmt Platz und dann wurde aufgetischt: rote Beete Mousse mit Ziegenkäse, kalte Gemüsesuppe, Pizza mit Sardellen, Pizza mit Tomaten, ein Brot mit Oliven und Schafskäse gefüllt, Honigmelone, Gemüse, danach eine Käseplatte, danach ein Dessert. Und zu jedem Gang ein neues Getränk. Da der Abend so nett war und der Wein so gut (Blandine: „Das macht doch glücklich, oder? MIt Freunden zusammen zu sitzen und gut zu essen!“) – da haben wir also unseren Nachbarn spontan und gleich beim Abschied eine Gegeneinladung ausgesprochen. Um es kurz zu machen: es war prima. Franzosen sind schließlich auch nur Menschen, sogar in kulinarischer Hinsicht und Neuem gegenüber durchaus aufgeschlossen.  Zudem sind unsere Nachbarn nicht nur nett, sondern auch offen und entspannt. Trotzdem hatte ich einen gewissen Ehrgeiz, der darin bestand, unsere deutsche Kochart halbwegs ehrwürdig zu vertreten. Einige der Speisen kannten unsere Nachbarn also nicht und haben sie trotzdem gegessen. Es war erneut ein sehr netter Abend.

Arles BoucherieArles KulisseDorf 1

Arles GasseDie Franzosen können aber nicht nur Charme und Essen, sie können auch Dörfer! Die gleich zum Dableiben einladen und zum sehnsüchtig auf  Immobilienanzeigen glotzen und kurz den fantastischen Gedanken zu spinGateauxnen: hier ab und zu leben dürfen?  Wann immer man will? – Um dann schnell zur Patisserie zu gehen und erstmal auf neue  Gedanken zu kommen…Frank und ich haben wieder festgestellt, dass under Herz für diese Gegend schlägt. Vor allem allerdings für jene zwischen Marseille und Toulon. Der Vorteil an dieser Gegend bei Aix und westlich von Marseille ist allerdings: an der Côte Bleue mit den Calanques, den kleinen Felsbuchten, in denen wir immer baden, sind wir bisher ausschließlich Franzosen begegnet. Und man erwartet bei der Stimmung dort fast, dass sich neben einem Alain Delon und Brigitte Bardot auf den Felsen sonnen. Eine Atmosphäre wie in einem alten französischen Film. Den „kleinen Nick“ mit seinen Eltern haben wir auch schon beobachtet…

Die Camargue noch etwas weiter westlich hingegen fasziniert durch das große Nichts, durch die weißen Pferde, die Flamingos und die fast wüstenartige, morbide Landschaft. Camarque FlamingosZum Leben etwas unwirtlich, aber die Weite tut gut. Die Stadt Arles hat ebenfalls viel von diesem morbiden Charme, und Van Gogh, der ehedem Ungeliebte, hat endlich eine FonArles Gasse mit Fotodation ihm zu Ehren bek
kommen;  wir blieben staunend vor jedem seiner Bilder stehen. Ein Ereignis, allein das. Arles ist aber auch Fotostadt und an vielen Häuserwänden sind Fotografien ausgestellt.

Eine Stadt, für die man Zeit braucht, eigentlich. Wir haben immerhin am Abend noch delicieux gegessen, in einem Restaurant, das uns eine Einheimische, eine Buchhändlerin, empfohlen hatte (bei der ich mir schnell noch ein provencalisches Kochbuch gekauft habe – wieder ein Stück Provence für zu Hause). Zu Hause warteten zum Glück schon die Katzen, deshalb ist es für die Mädchen immer ein großes Hallo, nach einer Tour wieder „nach Hause“, in unsere vorübergehende Unterkunft von Sophie und Olivier bei Marseille zurück zu kommen.

BuchtVon den Katzen müssen sich Antonia und Helen bald verabschieden, denn am Wochenende fahren wir über die Schweiz zurück und freuen uns schon sehr auf die Zeit bei unseren Freunden dort; Dich aber, chère Provence, nehmen wir in Gedanken mit, das Licht, die flirrende Hitze, die Düfte und die süchtig machenden Speisen, la bonne bouffe…

Bucht 1

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