vier sind mal welt

WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

NZ Taglan Küste closer

…ist grün. Grasgrün, froschgrün, grellgrün, gelbgrün, zartgrün, blaugrün, tannengrün….Und die Neuseeländer sind schwarz. Wo man auch hinblickt, Neuseeländer tragen schwarz, egal wo, egal wann. Schwarz geht immer und man fällt nicht auf. Selbst die Flugzeuge von Air New Zealand tragen einen schwarzen Farn als Symbol. Auf dem 26-stündigen Flug nach Auckland hatten wir ausreichend Zeit zum Beobachten. Neuseeland liegt auf der anderen Seite der Erde, bohrte man ein Loch, käme man direkt in hier heraus. In Neuseeland. – Auf der anderen Seite der Erde ist es zwölf Stunden später, das heißt, wenn zu Hause gefrühstückt oder gerade gearbeitet wird, knipst man hier schon bald das Licht aus. Auf der anderen Seite der Erde wandert der Schatten von rechts nach links und nicht von links nach rechts, und hier ist alles etwas extremer: Das Licht (der letzte Landstrich vor der Antarktis), die Pflanzen (die meisten von ihnen gibt es nur hier, in diesem andersartigen Hobbitland), die Sprache (Neuseeländer scheinen beim Sprechen immer zu lächeln, denn ein „ea“ im Englischen sprechen sie wie ein breites e oder i aus, sagen also „heeeeed“ und meinen nicht etwa „heat“ sondern „head“ oder  sie sagen „wiiiiither“ und meinen „weather“ und sagen immer wieder: „Thanks, my dear!“ und „Sorry, I am so sorry!“ und „Thank you, darling, tank you very much!“ ), und  – die Sprache, denn Neuseeländer benutzen gerne das „f“ -Wort  („fuck“ fällt relativ häufig und kommt  aus tiefstem Herzen), Frauen tragen gerne auch im Sommer Kniestrümpfe, und sie laufen gerne barfuß (um die Erde zu fühlen). Due meisten legen wenig Wert auf Autos, Möbel, sanitäre Anlagen und generell: Status. Die Häuser sind größtenteils aus Holz, einfach, dafür in wunderschöner Lage, denn was zählt, ist nicht die imposante Einrichtung, sondern das Leben in der Natur. Wir wohnen hier fast ausschließlich privat, in „baches“ (ausgesprochen bätsches), in Holzhäusern am Strand. (Zwei mir wildfremde Männer und ich…auch mal eine Erfahrung. Aber völlig in Ordnung, denn die Jungs kochen und waschen ab, und ich bereite die Drehs vor, und manchmal, da ich auch gerne koche, stehe ich auch am Herd – lauft…

Wir tauchen ein in das Leben von Neuseeländern, das sich doch sehr unterscheidet von dem Leben in Deutschland. Bei der fast einmonatigen Drehreise für „360° GEO“ lerne ich ein neues Neuseeland kennen, auch einige Schattenseiten, die mir auf unserer Weltreise vor fast drei Jahren verborgen blieben. Das ändert nichts daran, dass dieses Land eines der faszinierenden Länger ist, die ich bereisen durfte und darf. Auch wenn die Neuseeländer, die wir während des Drehs kennenlernen, Low Budget und Camper-Touristen nicht so gerne mögen (um es freundlich auszudrücken). Weil es immer mehr werden. Weil diese Touristen weder für die besonderen Tiere noch für die Erlebnisse in der Natur zahlen und stattdessen ihren Abfall dalassen – diese Klagen hören wir von den meisten unserer Protagonisten. Und weil sie in ihren Augen ans andere Ende der Welt kommen, um möglichst viel intakte Natur zu erleben, aber möglichst wenig im Land ausgeben zu wollen und dabei einen sehr großen umwelt-schädigen Fußabdruck hinterlassen. Jedoch – dieses Delemma der Neuseeländer ist nicht Thema meines Films (hierzu noch eine Kurzinfo für Technikfreaks: in 4K und als einer der ersten bei Arte in „Ultra HD“ und S-Lock gedreht, d.h. extrem hochauflösend auf der einen, und extrem farbreduziert  auf der anderen Seite, um hinterher in der Colourcorektion alles aufdrehen zu können, was geht- hoffe ich. Auf eine Speicherkarte passt auf jeden Fall gerade mal eine Stunde Drehmaterial – und paff, sind 125 GB voll, kaum hat man eine Szene nebst Atmer/Atmo gedreht – Speicherkarte voll). Die „Stars“ sind für uns noch die Tiere: die Königsalbatrosse, die Pinguine und die Delfine. Mit Letzteren werden wir in fünf Tagen zusammen schwimmen, um ihnen ganz nah zu kommen und sie besser filmen zu können.

NZ Team 2Wir – das sind Oliver (Kameramann), Dirk (Tonmann) und ich. Wir haben Menschen im Fokus, die sich um bedrohte Tierarten kümmern: um die vorm Aussterben bedrohten Maui-und Hector Delfine, die kleinsten Delfine der Welt, um die Gelbaugenpinguine, die seltensten Pinguinart der Welt, und um die größten Vögel der Erde: die Königsalbatrosse. Einer unserer Protagonisten ist DER Surfer Neuseelands, der auf der Nordinsel in Raglan lebt, Daniel Kereopa, ein Maori, der sich sehr für die Delfine und den Schutz der Natur einsetzt.

NZ Daniel KereopaHiltrun Ratz und Rosaly Goldsworthy auf der Südinsel kämpfen um jeden einzelnen Gelbaugenpinguin, der ebenfalls bedroht ist und als auszusterben droht. Das tun sie in ihrer Freizeit, 20 Stunden in der Woche, denn für viele Neuseeländer der Schutz der Natur die schönste Freizeitbeschäftigung, die sie sich vorstellen können. Dafür werden sie mit Ausblicken in  wilde Landschaft und auf Robben oder die seltenen Neuseeländischen Seelöwen belohnt. (Und wir beim Drehen auch…).

Seit acht Tagen sind wir in Neuseeland und stellen nicht nur aufgrund der Zeitverschiebung fest, dass wir am anderen Ende der Erde sind, nicht nur die Tiere und die Landschaft sind anders, auch die Verabredungen werden – je nach Region – sehr unterschiedlich gehandhabt. Im Surferparadies Raglan auf der Nordinsel heißt es, wenn jemand zum Dreh sehr viel später kommt oder Mails nach zwei Wochen beantwortet: „It’s Raglan-time – just relax.“ Ok. We try. Und erstaunlicherweise – wenn meine Protagonisten dann erscheinen, egal ob Maoris oder Weiße, reden sie mit großem Witz, Wärme und Ernst. Und begeistern uns. Ich muss mich in Geduld üben. „Just take a coffee and enjoy the beautiful sun today!“ Neuseeland lädt einen jeden Tag aufs Neue dazu ein, und langsam lernen wir dazu, zumindest unter Auto ist schon Neuseeland-like staubig und naturnah…(hier noch ein paar Bilder von der ersten Drehwoche und Mini Videos von meinen „Tierprotagonisten“: dem größten Vogel der Erde, dem faszinierenden Königs-Albatros, der eine Flügelspannweite von bis zu 4 (!) Metern hat, sowie dem kleinsten Delfin der Welt, dem Hector Delfin und den vom Aussterben bedrohten und sehr schüchternen Gelbaugenpinguinen, die abends nachdem sie sich satt gefressen haben, an Land watscheln…

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Blog 8 AbendManchmal gibt es Drehorte, die einen so packen, dass man immer wieder innehalten muss, um die Natur um sich herum aufzunehmen. Für „Arte Re“ drehten wir den zweiten Teil in den Schweizer Alpen, zum Teil auf 3000 Meter Höhe bei minus zehn Grad, die sich manchmal anfühlten wie minus dreißig (laut Aussage der Bergretter WAREN es minus dreißig Grad). Doch die Temperatur wird unwichtig bei dem Anblick der schneebedeckten Berge – es sei denn, man hat die falschen Schuhe dabei (mein Kameramann hatte sich noch schnell Ersatzschuhe besorgt, weil seine dreizehn Jahre alten Schneeschuhe noch auf dem Flug in zwei Teile auseinander gefallen waren). Wir haben mehrfach die Sonne über den Bergen auf-und untergehen sehen und sind ganz ohne Touristen auf dem tief verschneiten und offiziell gesperrten 3000 Meter hohen Peak Walk im Nebel durch weißen Pulverschnee gestapft, einer Brücke, die zwei Gipfel miteinander verbindet, und dann brach plötzlich die Sonne aus den dichten Wolken und der Mont Blanc und das Matterhorn tauchten auf, bis kurz darauf alle Berggipfel in der Sonne lagen. Da wird man selbst zum Zwerg und lässt kurz die Kamera sinken, weil man bewundernd staunt. Blog 10 Brücke SupertotaleBlog 8 BrückeEs war aber nicht nur die fantastische Natur und eineinhalb Meter Neuschnee, die schneebedeckten Häuser und Tannen im Tal und die Adventslichter (Kerzen!) in den Fenstern, die uns staunen ließen, es waren vor allem die Menschen. Wir haben im Kanton Graubünden ein Paar näher kennen gelernt, intensive und tränenreiche Abende gehabt, weil sie aufgrund eines Murgangs (Bergsturzes) ihr Haus und somit einen Teil ihrer Heimat verloren haben und uns in ihr Leben gelassen haben. Und wurden von ihren Nachbarn der umliegenden Dörfer, die aussehen, als sei die Zeit stehengeblieben, zum „Advents-Fensteröffnen“ mit Kerzen, Krippe und Puntsch eingeladen. Am zweiten Drehort in der Nähe von Gstaad gab es zwar keinen Murgang, aber für andere Herausforderungen, denn der viele Schnee hatte die Lawinengefahr um ein Vielfaches erhöht. Einer unserer Protagonisten, ein französischer „James Bond“ alias Sebastien, Sicherheits-und Pistenchef des Skigebietes, nahm uns mit zur Lawinensprengung per Helikopter (und hielt in der einen Hand netterweise die Go Pro -Kamera, während er mit der anderen die 5-Kilo Bomben abwarf…), außerdem musste er (und somit auch wir!) auf das gläserne Dach des Restaurants in 3000Meter Höhe und durch eineinhalb Meter Schnee stapfen, um den Dachrand von den meterlangen Eiszapfen zu befreien, damit diese nicht auf die Seilbahn krachen (er war immerhin angeseilt, aber mir wurde ganz anders, zumal wir, das Team, eh etwas kurzatmig waren, da oben). Wir haben anfangs noch auf dem Dach, danach dann lieber von innen gefilmt…

Wer mag – hier weitere Bilder vom Dreh und – von den fantastischen Alpen. (Der Film wird voraussichtlich Ende Januar bei ARTE Re: gesendet).

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Nach der Rückkehr entdeckten die Mädchen und ich heute unser Buch in unserer Eimsbütteler Bücherhalle – und freuten uns! (Ok, gebe zu, hab die Leute vor Ort ein bisschen bestochen, indem ich immer wieder nach „Frühstück mit Giraffen“ gefragt habe, das wir gerne ausleihen wollen…- ok, stimmt nicht).

Blog BUch

Und nun heißt es: Geschenke einpacken, Baum aufstellen und schmücken, Fond für die Gans zubereiten und Weihnachtsoratorium schmettern. Leider ohne die vom Schnee bedeckten Tannen und ohne die Berge vor knallblauem Himmel, aber: Wir sind ja auch nicht in der Schweiz, sondern in Hamburg…Frohe Weihnachten und ein hoffentlich friedliches, freudiges und famoses neues Jahr!

Blog 11 Weihnachtsmarkt

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