vier sind mal welt

WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

Albanien Vjosa LichtstrahlAlbanien. Dorthin sollte die Drehreise für Arte Re gehen. Denn dort, in Albanien, fließt der letzte wilde Fluss Europas, die Vjosa. Und an diesem Fluss soll ein Staudamm gebaut werden, der dieses Naturphänomen zerstören würde. Kurzes Nachdenken. Albanien. Hm. Gehört zu den Balkanstaaten. Irgendwo bei Serbien. Um ehrlich zu sein: Von Albanien kannte ich bisher Folgendes: a) den schrägen Reiseführer namens „Molwanien“, b) eine Szene in einem US-Film, indem ein unbedeutendes Land namens Albanien für einen Witz herhalten musste, d) die Mafia und e) die Blutrache. Zusammengefasst ein ziemlich trübes und nichtssagendes Bild. Irgendwann saßen wir im Flieger nach Tirana. Eigentlich. Doch der Flug hatte Verspätung und unser Anschlussflug war längst in der Luft. Also hockten wir, Matthias, Sebastian und ich auf dem Flughafen von Istanbul herum, unser Gepäck war wo auch immer. Niemand sprach mit uns. Stunden später wurden uns Tickets rübergereicht für einen Weiterflug am nächsten Morgen. Wortlos. Jemand schob uns in eine weitere Warteschlange. Dort deutete man uns, sich zu setzen. Und zu warten. Irgendwann wurden unsere Namen aufgerufen. Um uns dann, erneut wortlos, in einen Lieferwagen zu verfrachten. Und so wurden wir durch Istanbul kutschiert. Wortlos durch die Nacht. Irgendwann hielt der Lieferwagen und der Fahrer öffnete die Tür. Anscheinend sollten wir hier die Nacht verbringen. Inzwischen war es 22Uhr. Um 2 .30Uhr sollten wir wieder geweckt werden. Zur Rückfahrt zum Flughafen. Und irgendwann am Vormittag Ankunft in Tirana. Was wir uns alle Drei in dem Moment gewünscht hatten, war, das jemand mit uns spricht, uns nicht wie Vieh behandelt. Wir fühlten uns jämmerlich und müde und wussten, gleich nach der Ankunft ginge es im Mietwagen weiter, zwei Stunden Richtung Norden, nach Shokdar in Albanien. in wo? Ja, genau, in einem Land, über das ich mittlerweile wusste, dass es dort mehr als 200.000 Bunker gibt, die wie kleine Pilze aussehen, dass die Menschen dort bis vor dreißig Jahren gelebt haben wie die Bevölkerung Nordkoreas heute, unter einer Diktatur und völlig abgeschottet von der Welt und dass Albanien noch immer zu einem der ärmsten Länder Europas zählt.

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Und dann waren wir endlich da. Und erlebten, egal wo auch immer wir hinkamen, extrem entspannte Menschen. Neugierig, offen, kontaktfreudig und vor allem: total gelassen. Gut gelaunt. Irgendwie in sich ruhend. Egal, ob wir bei ihnen zu Hause waren, das wir nicht verlassen durften ohne Mahlzeit, denn der Gast ist König in Albanien und soll glücklich und zufrieden gehen, auf den Straßen (mit zum Teil zwei Meter tiefen Schlaglöchern, Felsbrocken, Schafen, Ziegen und Maultieren oder, sobald es sich um eine Art Autobahn handelte, Fahrradfahrern, die einem entgegenkamen, Treckern ohne Licht oder Fußgänger). Gehupt wurde nie, stattdessen wurde gewunken. Unsere Strecke führte uns vom Norden Albaniens über ein kleines Dorf als nächsten Drehort in den äußerten Süden, bis an die griechische Grenze, wo wir Wissenschaftler aus Europa drehten, die von französischen Guides in Kajaks über den Fluss geführt wurden. Ich sollte den Camion von Aurelien, meinem Protagonisten fahren, parallel am Fluss entlang, die Strecke ging durchs Gebirge und über schmale Brücken und leider habe ich beim Überqueren eine der Brücken touchiert und eine Schramme in sein voiture gefahren. Als ich ihm zähneknirschend und kleinlaut davon berichtete, war sein Kommentar: „Na und? Ist doch nur ein Auto. Kein Problem!“ Franzosen eben! Was mich dann doch ein bisschen stutzig machte am nächsten Tag: Eigentlich sollte ich den Camion noch ein Stück weiter flussaufwärts fahren, doch am nächsten Tag hatte Aurelien plötzlich eine andere Lösung gefunden…

Die Landschaft, durch die die Vjosa fließt, ist genauso wild wie der Fluss selbst. Schneebedeckte Berge, grüne Felsen, Bergdörfer, Wildpferde und Straßen (Wege) aus Geröll. Wir landeten in einem Bergdorf 7km vor der griechischen Grenze, in dem es ein kleines privates Hotel gab. Due Übernachtung für acht Euro. Dafür Plastikschlappen vorm Bett für jeden Gast, Seife und ein Autoschwamm zum Schrubben und sehr viel Herzlichkeit der Gastgeber.

Albanien abends an der Vjosa

Nach dem Abendessen, das aus Spaghetti à la Albanisch bestand, landeten wir noch in der Dorfkneipe, wo Raki aus Zwei-Liter Plastikflaschen ausgeschenkt wurde. Aber was für Raki! Mild und fruchtig und lecker. Nach dem dritten Glas unterhielten wir uns mit der gesamten Kneipe. Mein Gesprächspartner erzählte mir, dass seine Eltern in einem Foltergefängnis umgekommen seien und er nicht wüsste, wo sie beerdigt seien. Wahrscheinlich, wie so viele Albaner, die damals Gegner von Hoxha waren, in einem Massengrab.

In Kute, einem anderen kleinen Dorf an der Vjosa, das teilweise überspült werden würde, sollte der Staudamm gebaut werden, fand gerade eine Beerdigung statt, als wir dort eintrafen. Die schwarz gekleideten Frauen fassten mich immer wieder am Arm oder streichelten meine Wange. Vielleicht aus Solidarität unter Frauen, vielleicht, weil sie durch unseren anderen Protagonisten wussten, aus welchem Grund wir in Kute waren, um dort zu filmen. Irgendwann kannten wir das ganze Dorf und sie uns.

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Während der Dreharbeiten wurden wir immer wieder eingeladen, zu Speisen, die ganze Tische füllten, uns wurde zugelacht und zugewunken und uns „Jo Diga“ zugerufen, was „Kein Damm“ heißt und wie „Yo, Digger!“ klingt – und irgendwie passend. Mirupafshim und falleminderit Albanien!

Albanien Totale Vjosa

Albanien abends vjosa 2

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Blog SchnittNeuseeland meets Berlin. Im Schneideraum sind mein Cutter und ich dabei, aus mehr als 20 Stunden Drehmaterial, aus Albatrossen, Pinguinen, Delfinen, aus Drohnenflügen und Begegnungen mit Maoris und Surfweltmeistern,  einen fast einstündigen Film zu schneiden. Da das gesamte Material in 4K und Ultra HD mit 50p aufgenommen wurde, also in sehr sehr hoher Auflösung, dauert jedes Rendern ein ganz klein bisschen länger. (für Technikfreaks:  im üblichen Fernsehformat dreht man bisher in HD und mehr als 25p, Bilder pro Sekunde, werden nicht ausgestrahlt, in unserem Fall sähe man auf einer Kinoleinwand jedes Staubpartikelchen auf einer Wimper, theoretisch…). Praktisch heißt das: unglaubliche Datenmengen zu verarbeiten und die Rechner zum glühen zu bringen. Aber: es klappt erstaunlich gut, es wird tatsächlich ein Film. Tagsüber wühlen wir uns durch das Material, am Abend treffe ich Freunde und zwischendurch  auf Kultur. Zwei Highlights:  „Rückkehr nach Reims“ in der Schaubühne, mit Nina Hoss in der Hauptrolle, die Adaption des gleichnamigen Buches, für das man alle seine Hirnzellen einschalten muss, zumal das Stück in englischer Sprache ist, aber für die schwierigsten Passagen, in denen es um die politischer Linke, die Arbeiterklasse und die Wandlung der Linken zum Konservativismus geht, gibt es dankenswerterweise Kopfhörer mit Übersetzung.

Blog SchaubühneManchmal sagen Bilder jedoch mehr als Worte. Jene von Irving Penn zum Beispiel, die derzeit in einer Ausstellung im C/O zu sehen sind und die einen auffordern, zweimal hinzugucken. Und eine neue Erkenntnis aus jedem Bild mitzunehmen. Hier eines der Portraits, das mich besonders beeindruckt hat: der japanische Modedesigner Issey Miyake, der für seine Kleidung Stoffe (und teilweise Papier) wie Kunstwerke verwendet.

Blog C:OBlog Berlin C:OEs gibt einen anderen Ort, der auf andere Weise faszinierend ist und der praktischerweise neben meinem Hotel liegt: Der „Verbrauchermarkt Ullrich“. Ein Supermarkt unter einer S-Bahn Linie am Bahnhof Zoo, der, nachdem man ihn betreten hat, zu einem anderen Planeten wird, zu einer nicht enden wollenden Halle menschlicher Existenzen. Wie in einem Film von Godard treffen hier Obdachlose, die ihre Pfandflaschen abgeben auf Gehetzte in Anzug und Kostüm, die sich noch schnell Sushi aus der Theke holen, auf Hipster mit Tatoos und Turnschuhen und alte Leute, die in einer dunkeln Ecke in Klatschzeitungen blättern, und einen Kaffee schlürfen. Abbilder der Realität, Collagen der Menschheit. Mittendrin Touristen aus aller Welt, die, mal mit, mal ohne Rollkoffer, Rucksack oder Reisetasche, sich mit dem Nötigsten versorgen genauso wie am Abend die Partygänger, die in allen Sprachen vor den riesigen Regalen mit Alkohol rege Diskussionen führen. Die Welt trifft sich in Berlin – und irgendwie auch hier, in diesem „Verbrauchermarkt“ unter der ratternden S-Bahn.

Blog Supermarkt Ulrich

Vorm Zubettgehen noch einen leichten Imbiss…

Blog Pommes SchrankeDa der Frühling nun endlich auch den Norden Deutschlands gefunden hat, war ich neulich mit den Mädels in meiner Heimat im Sachsenwald und dort nach langer Zeit mal wieder im Schmetterlingsgarten der Familie Bismarck in Friedrichsruh. Der Bismarck Tross ging auf meine Schule, bzw. fuhr im dicken Schlitten vor und besaß ein großes Geschick darin aufzufallen. Schillernd wie die Schmetterlinge in ihrem Garten – und sehr schön. Die Schmetterlinge.

Unserer Datsche nebst Strand haben wir ebenfalls einen ersten Besuch abgestattet. Es hat sich gelohnt, denn es war leer, es war sonnig, und wir haben wieder festgestellt, dass der Strandkorb die ultimative Erfindung für den Ostseeaufenthalt im Früh-Frühling ist. Und dass es Spaß macht, wenn man noch nicht baden kann, auf den Sandbänken Beachball zu spielen. Das nächste Mal sind dann auch die Algen weg gebaggert und das Wasser ist sicher drei Grad wärmer. Frühling – wir sind bereit!

Blog Boltenhagen Strand

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