vier sind dann mal welt

Weltreise mit Kindern

Cassis
Es gibt Orte in der Provence, die sehen aus  wie aus einem Wimmelbuch, wie gemalt, und, im Falle von Cassis, fast schon ein bisschen zu hübsch, ein bisschen zu aufgerüscht, ein kleines bisschen zu Côte d’Azur. Und dennoch: très charmant. Solange wir dort nicht unseren gesamten Urlaub verbringen. Es macht Spaß, bei einem Apéro, die passend zur Kulisse aufgehübschten Menschen zu beobachten, die an einem vorbei flanieren, und es ist faszinierend, in die Calanques zu schippern, vorbei an den gigantischen Felsen.

DreiCalanquesMit unseren Hausnachbarn wollten wir zwischenzeitlich in Marseille einer Regatta vom Boot aus beiwohnen, deren Start wegen zu wenig Wind jedoch verschoben wurde. Also haben wir nur den Vorbereitungen auf dem Wasser beobachtet, ohne das eigentliche Rennen. Antonia und Helen nutzten die Zeit für ein kleines Nickerchen, während wir uns angeregt mit Blandine und Gérard (unseren Nachbarn) unterhielten und nebenbei immer wieder die Silhouette von Marseille bewunderten. Alles in allem eine nette Bootstour. Wobei wir von den Nachbarn erfuhren, dass viele Touristen, aber auch Franzosen die Reise nach Südfrankreich dieses Jahr storniert hätten, weil es eine Terrorwahnung für Marseille gab. Am Hafen und in den vielen anderen Vierteln standen an jeder Ecke schwer bewaffnete Polizisten, die aussahen, als befänden sie sich im Krieg. Ein Bild, an das man sich nicht gewöhnen kann.

Marseille Museum

Marseille PanierIm Panier, unserem Lieblingsviertel von Marseille, zerplatzte neben dem Cafe, in dem wir saßen, plötzlich ein Luftballon. Ein junger Mann erschrak  und hüpfte zur Seite, er hob die Hände vors Gesicht, um dann erleichtert auszuatmen. Und sich anschließend noch einmal suchend umzuschauen, ob wirklich alles ok sei. Die Anspannung innerhalb der Stadt ist überall spürbar. Und dennoch fällt uns wieder auf, wie jedesmal, wenn wir in diesem südlichsten Landstrich Frankreichs, der Provence sind, wie gut gelaunt und entspannt die Menschen hier sind. Egal wo wir hinkommen, ob in die Boulangerie, auf einen Markt, oder an die Kasse im Supermarkt, Antonia und Helen bekommen etwas geschenkt oder etwas zum kosten, und wir alle einen netten Spruch und ein Lachen. Egal ob in der Großstadt Marseille oder in einem der kleinen Dörfer. In einem riesigen Supermarkt, dem zweitgrößten Europas (!), suchte ich einen Sancerre Wein. Verlor bei der Anzahl der Regale aber etwas den Überblick (allein das Regal für Champagner war 30 Meter lang). Ein Ehepaar fragte, welchen Wein ich suchen würde und tippte etwas in sein Handy, um die Region für Sancerre ausfindig zu machen. Dann suchten wir alle zusammen. Würden aber nicht fündig. Ich bedankte mich und gab auf. Tanz pis! Pas grave. Als wir später an Kasse 34 von 50 Kassen standen, kam das Ehepaar auf uns zugetankt. Mit einer Flasche rotem Sancerre, den weißen hatten sie nicht gefunden. Eines von vielen Erlebnissen mit Südfranzosen. Blandine, unsere Nachbarin, die selbst aus Rouen kommt und nie wieder zurück will, wie sie sagt, meinte, es läge am Klima und am Licht hier. An den Düften. An der Natur. Eben an allem, was Menschen wohl glücklich und zufrieden macht. Zufrieden macht uns hier nicht nur der tägliche tiefblaue Himmel und das sanfte Licht, sondern auch das Essen und die vielen Märkte. Wie überall in dieser Gegend, ist es jedoch kein Geschrei und Gerufe (die Franzosen sind eher stiller Natur, wie uns aufgefallen ist, egal ob im Restaurant, in der Bucht oder eben auf einem großen Markt, es wird leise gesprochen, viel gestikuliert, aber – leise. Wie laut ist es dagegen bei uns, wie laut sind wir oft selbst als Familie,  das fällt uns hier extrem auf ). In Apt auf dem Markt haben wir uns zum Schutz vor der Sonne erst einmal Hüte gekauft, wir haben uns durch 98 Tarnendes probiert und 24 gekauft (so ungefähr), dazu scharfe Salami, Balsamico aus Waldbeeren, Roséweine, natürlich diverse Käse, die wir – bien sur – allesamt vorher durchprobiert haben, Seifen aus Marseille aus 72 prozentiger Olivenöl, und Olivenöl selbst, das hier eine Spezialität ist und süchtig macht.Genau wie der Honig – wahlweise mit Lavendel oder Rosmarin, aus dem Wald, mit Mandarinen oder Orangen oder eben pur, wir haben uns durchgetestet und dem jungen, sympathischen Bienenzüchter und Honigproduzenten diverse Gläser abgekauft. Die Franzosen lieben gutes Essen, la bonne bouffe, und wir – auch.

Apt marchéEs war ein herrlicher, en perfekter Tag, und dann haben wir noch in einer Gasse in einem gerade aufgemachten Restaurant gespeist. Die ganze Familie war im Einsatz, inclusive der Söhne, alle waren aufgeregt, das Essen vorzüglich, es gab die ganze Palette an provencalischen Spezialitäten, und ich habe der Mutter schnell noch drei bunte selbst gebrannte Schalen abgekauft für zu Hause, als Erinnerung an diesen Tag.

Es fällt auf jeden Fall positiv auf, diese gute Laune, und wir werden sie zu Hause sicher ab und zu vermissen. (Vielleicht liegt es auch einfach nur am Rosé. Oder am Pastis. Oder an beidem. Tant pis, was zählt, ist das Ergebnis…). Marseille jedenfalls gefiel uns erneut sehr. Eine lebendige Stadt mit verdammt rauem Charme.

Marseille Panier 2

Marseille Panier 3Helen hat es mittlerweile erfolgreich geschafft, sich bis zum Pool unserer Nachbarn vorzuarbeiten. Indem sie sich, während Blandine ihre Runden im hauseigenen Nass schwamm, eine Plastikwanne geholt hat, ihre Fußspitzen reingehalten und sehnsüchtig rübergeschaut hat. Solange, bis Blandine sie und Antonia bat, rüberzukommen und sich in ihrem Pool abzukühlen. Und nicht nur das: sie kramte auch noch einen riesen Delfin aus dem Schuppen, blies ihn auf und warf anschließend einige Ringe ins Wasser, nach denen die Mädchen tauchen konnten. Das Verhältnis Deutschland-Frankreich ist also enger geworden. Auch ihr Hund und ihre kleine Katze kommen jetzt immer zu uns, zur großen Freude der Mädchen! Man rückt also zusammen, auch bei Tisch. Die Nachbarn luden uns zum Essen ein, genauer: zu einem Apéro-Diner. Bestehend aus einer Begrüßung mit Kir und Geplauder. Anschließend werden Blätterteigteilchen mit Olivenpaste (Tarpenade) gereicht. Man nimmt Platz und dann wurde aufgetischt: rote Beete Mousse mit Ziegenkäse, kalte Gemüsesuppe, Pizza mit Sardellen, Pizza mit Tomaten, ein Brot mit Oliven und Schafskäse gefüllt, Honigmelone, Gemüse, danach eine Käseplatte, danach ein Dessert. Und zu jedem Gang ein neues Getränk. Da der Abend so nett war und der Wein so gut (Blandine: „Das macht doch glücklich, oder? MIt Freunden zusammen zu sitzen und gut zu essen!“) – da haben wir also unseren Nachbarn spontan und gleich beim Abschied eine Gegeneinladung ausgesprochen. Um es kurz zu machen: es war prima. Franzosen sind schließlich auch nur Menschen, sogar in kulinarischer Hinsicht und Neuem gegenüber durchaus aufgeschlossen.  Zudem sind unsere Nachbarn nicht nur nett, sondern auch offen und entspannt. Trotzdem hatte ich einen gewissen Ehrgeiz, der darin bestand, unsere deutsche Kochart halbwegs ehrwürdig zu vertreten. Einige der Speisen kannten unsere Nachbarn also nicht und haben sie trotzdem gegessen. Es war erneut ein sehr netter Abend.

Arles BoucherieArles KulisseDorf 1

Arles GasseDie Franzosen können aber nicht nur Charme und Essen, sie können auch Dörfer! Die gleich zum Dableiben einladen und zum sehnsüchtig auf  Immobilienanzeigen glotzen und kurz den fantastischen Gedanken zu spinGateauxnen: hier ab und zu leben dürfen?  Wann immer man will? – Um dann schnell zur Patisserie zu gehen und erstmal auf neue  Gedanken zu kommen…Frank und ich haben wieder festgestellt, dass under Herz für diese Gegend schlägt. Vor allem allerdings für jene zwischen Marseille und Toulon. Der Vorteil an dieser Gegend bei Aix und westlich von Marseille ist allerdings: an der Côte Bleue mit den Calanques, den kleinen Felsbuchten, in denen wir immer baden, sind wir bisher ausschließlich Franzosen begegnet. Und man erwartet bei der Stimmung dort fast, dass sich neben einem Alain Delon und Brigitte Bardot auf den Felsen sonnen. Eine Atmosphäre wie in einem alten französischen Film. Den „kleinen Nick“ mit seinen Eltern haben wir auch schon beobachtet…

Die Camargue noch etwas weiter westlich hingegen fasziniert durch das große Nichts, durch die weißen Pferde, die Flamingos und die fast wüstenartige, morbide Landschaft. Camarque FlamingosZum Leben etwas unwirtlich, aber die Weite tut gut. Die Stadt Arles hat ebenfalls viel von diesem morbiden Charme, und Van Gogh, der ehedem Ungeliebte, hat endlich eine FonArles Gasse mit Fotodation ihm zu Ehren bek
kommen;  wir blieben staunend vor jedem seiner Bilder stehen. Ein Ereignis, allein das. Arles ist aber auch Fotostadt und an vielen Häuserwänden sind Fotografien ausgestellt.

Eine Stadt, für die man Zeit braucht, eigentlich. Wir haben immerhin am Abend noch delicieux gegessen, in einem Restaurant, das uns eine Einheimische, eine Buchhändlerin, empfohlen hatte (bei der ich mir schnell noch ein provencalisches Kochbuch gekauft habe – wieder ein Stück Provence für zu Hause). Zu Hause warteten zum Glück schon die Katzen, deshalb ist es für die Mädchen immer ein großes Hallo, nach einer Tour wieder „nach Hause“, in unsere vorübergehende Unterkunft von Sophie und Olivier bei Marseille zurück zu kommen.

BuchtVon den Katzen müssen sich Antonia und Helen bald verabschieden, denn am Wochenende fahren wir über die Schweiz zurück und freuen uns schon sehr auf die Zeit bei unseren Freunden dort; Dich aber, chère Provence, nehmen wir in Gedanken mit, das Licht, die flirrende Hitze, die Düfte und die süchtig machenden Speisen, la bonne bouffe…

Bucht 1

Provence Bucht CalanquesEs gibt Gegenden in der Welt, die einem einfach keine Ruhe lassen, die einen packen und anfassen, eine Sehnsucht wecken und einen, mich zumindest, regelmäßig aufseufzen lassen, sobald man vor Ort die ersten Gerüche wahrnimmt, die Farben, die Geräusche.

Für mich – und mittlerweile auch für Frank – ist es die Provence.Provence Platz CucuronWir hatten uns recht spontan entschlossen, dem vorzeitigen Herbst Hamburgs zu entfliehen, den Wintermänteln und Regenjacken, und sind vor ein paar Tagen hierher gefahren. Glücklicherweise haben wir vorher per Internet eine französische Familie kennen gelernt, die kurzfristig beschlossen, ihr Heim ebenfalls zu verlassen, um ihrerseits in Urlaub zu fahren. Und so wohnen wir also in dem Haus von Sophie und Olivier nebst Kindern, die uns nicht nur ihr Haus, sondern auch  die Tischtennisplatte, den Grillplatz, die Betten und ihre Katze überlassen haben.

Provence KatzeDie Mädchen freuen  sich vor allem über Letzteres, zumal auch der Nachbarshund ab und zu vorbeikommt und sich streicheln und bespielen lässt, während wir Eltern uns berauschen an den Farben und Gerüchen und unseren Mädchen immer wieder zurufen: „Seht Ihr, wie tiefblau der Himmel hier ist? Und die Zikaden. Hört Ihr die Zikaden?“ Ja, die Mädchen hören und sehen das auch, aber noch mehr lieben sie das Blau und Türkis des Wassers der Calanques, der Felsenbchten, die sich westlich und östlich von Marseille befinden. Und einfach magisch sind.

 

Provence BuchtNicht nur, weil sie zum Teil schwer erreichbar sind, ohne eine kleine Wanderung kommt man eben nicht die Felsen runter, sondern weil die Stimmung dort so sommerlich leicht ist wie in einem französischen Film. Frauen stehen im Wasser, quatschen und gestikulieren angeregt. Junge Männer dösen auf Felsen liegend in der Sonne. Andere, mit Strohhut und in weißem Hemd und Espadrilles, sitzen im Schatten und lesen Zeitung. Zwei Typen springen hoch oben, von anderen laut beklatscht, von den Felsen. Und Helen – schwimmt. Ganz alleine vom Ufer bis hin zum Tau eines entfernt geankerten Bootes, um sich daran kurz festzuhalten, von dort dann weiter zu einem Felsen im Meer, auf dem ihre große Schwester wartet. Sie hat es sich quasi diesen Sommer alleine, nur mit Unterstützung von Antonia in der Ostsee beigebracht, jedesmal wenn wir in der Datsche und an unserer Stammbucht waren, auch bei eiskaltem Wasser ist sie eisenhart durch die Priele von „Insel“ zu „Insel“ geschwommen. Und jetzt stolz. auf sich und groß und stark wie Pippi. Und wir sind es auch.

Provence Mädels FelsenProvence auf FelsenA und H in Berlin
Vor diesem Urlaub waren wir ein paar Tage in Berlin bei Freunden und wie immer war et jut in Bärlin! Hat großen Spaß gemacht und der Sommer war voll da. Helen schwamm das erste Mal ganz alleine in einem See. Während Antonia von Schauspielern mit „Hallo Kollegin!“ begrüßt wurde, weil sie für meinen GEO-Film über die Cook Islands den Auftrag hatte, zwei voice over zu sprechen.

Berlin StudioIch habe auch zwei „Rollen“ gesprochen, und es war eine schöne Erinnerung an die Hörfunkzeit als Reporterin und Nachrichtensprecherin bei NDR2. Antonia hat es prima gemacht und war genauso stolz wie Helen nach deren ersten Schwimmzügen im See. (Antonia hören – und den gesamten Film sehen – kann man übrigens am Sonntag, den 18. September um 13.00h auf Arte: 360° GEO „Cook Islands – Welcome to paradise„).  

Das sind Momente, die glücklich machen. An die man sich erinnert später. „Weißt Du noch, als Du  in Berlin das erste Mal ganz alleine im See geschwommen bist und in Südfrankreich im Meer, von Felsen zu Felsen?“ …Die Provence und Frankreich haben mich von Anbeginn fasziniert. Es ist nicht nur das Licht, die Luft, diese Düfte, die einen so satt machen und gleichzeitig gierig, dass man mehr davon haben will, der Lavendel, der Rosmarin, die Aprikosen, der Thymian, es ist vor allem das sündhaft gute Essen.

Provence FischgerichtProvence cafe gourmant

Wir haben hier erneut so gut (und günstig) gegessen, dass wir satt, zufrieden und träge am liebsten unterm Sternenhimmel zusammengesackt wären. (Der café gourmand, wie ihn nur die Franzosen zelebrieren, als Triumph, das Grande Finale eines fantastischen Mahles!). Anstatt aber irgendwo satt liegen zu bleiben, schleppten wir uns einen steilen Berg hoch, denn das Auto stand, wie in den Calanques üblich, oben, ganz oben, auf dem Felsen. Egal. Tant pis, würde der Franzose sagen. Das Schöne ist: hier im Süden Frankreichs, in der Provence, kann man nicht anders als irgendwie gleichmütig zu werden.     Die Gelassenheit und Freundlichkeit, oder Gleichgültigkeit, der Menschen hier, die pfeifend hinterm Tresen stehen und den Rosé, Pastis oder café rüberreichen, der überträgt sich irgendwann.Provence Boulangerie

Provence Cucuron FassadeHeute kam unsere Nachbarin vor und hat uns für morgen zu einer Bootstour eingeladen. Mit dem Schiff geht es ab Marseille vom alten Hafen aus zu einer großen internationalen Regatta. Sie und ihr Mann kommen auch mit. Und Frank ist ab sofort „Leduc“ und ich „Charlotte“, denn wir spielen heute ihre Kinder nebst Enkeln (Antonia und Helen), weil die eigenen Kinder der Nachbarn die Karten nicht nutzen können. Wir haben keinen blassen Schimmer, was uns erwartet, kommen aber natürlich mit! Ach überhaupt: die Südfranzosen. Eine Gattung für sich. Sie, die aus der Normandie kommt, meinte, erst als sie Peter Mayle und „Mon année en Provence“ gelesen habe, das erste Buch des englischen Bestsellerautors, habe sie verstanden, was es heißt, in Südfrankreich zu leben. Eine andere Welt sei die Provence! Völlig anders als der Norden oder die Mitte Frankreichs! Dass Franzosen erst das Buch eines englischen (!) Autors lesen müssen, um zu begreifen, wie ihre Landsleute so drauf sind, ist erstaunlich. Peter Mayle, besagten Bestsellerautor, haben wir heute ebenfalls verfolgt. Also, fast. Wir waren im Luberon, genauer, in dem bezaubernden Dorf Cucuron, einem meiner Lieblingsorte dieser Gegend, in dem schon viele Filme gedreht wurden und wo der Alltag dennoch gemächlich vonstatten geht, und in Loumarin, einem Bilderbuchort und von anderen Touristen ebenfalls heiß geliebt. (Dort steht allerdings auch Albert Camus Burg und Wohnsitz, vielleicht ist es das….) Und dort wohnte Peter Mayle; der hat Loumarin inzwischen auch wieder verlassen, seine Hütte für schlappe 6 (!) Millionen Euro verkauft – und ist ein Dorf weiter gezogen. Ohne Touristen. Noch.

Sechs Millionen habe ich leider nicht, auch nicht eine Million, um mir mal eben ein Häuschen in der Provence zu kaufen und dennoch träume ich davon, seitdem ich das erste Mal in Frankreich gelebt habe, ein paar Monate im Jahr hier leben zu können. Wenn die Mädchen größer sind. Es ist ein schöner Traum, Frank träumt mit – und wer weiß, irgendwann..

Provence Küste

Berlin Schnitt

Draußen war Sommer und drinnen auch – zumindest auf dem Bildschirm. Es ist fast vollbracht: Die Dokumentationen über die Cook Islands für GEO/Arte sind fast fertig geschnitten. Etwas mehr als zwei Wochen in Berlin im Schneideraum verbracht und abends auf die Dachterrasse von Kameramann René –  ein bisschen Sommer, nein, nicht vorm Balkon, sondern von oben…

Berlin Dachterrrasse 2
Berlin Dachterrasse

Beide Filme laufen am 17. und 18. September auf Arte. Einen Tag später werde ich dann evtl. die Stadt verlassen. Oder mich zurück auf die Cook Islands beamen. Oder auf den Mond. Denn einen Tag später gibt es kein Zurück mehr. Dann ist es in den Läden. Das Manuskript, an dem ich die letzten Monate geschrieben habe, nächtelang reingehackt in die Tasten, umformuliert, von Freunden immer wieder mit viel Geduld gegen gelesen, von der Lektorin bearbeitet und von zwei Korrektoren Buchstabe für Buchstabe gelesen…das Buch über unsere Weltreise. Es ist – fast – fertig! Ok, es muss noch gedruckt werden.

Buch Druckfahnen

Gestern Abend überreichte mir unser Nachbar ein Paket: „Hier ist ein Buch für Dich abgegeben worden.“ Vor lauter Aufregung sagte ich: „Das habe ich geschrieben, dieses Buch!“ Er guckte erstaunt: „Das ist ja n’Ding. Da steht die ganze Zeit dieses Paket und ich hätte der erste Leser sein können?!“ Ich habe mich noch nicht getraut, in die Druckfahnen reinzuschauen. Denn: Was da steht, steht da. Ich kann nur noch Winzigkeiten ändern, alles andere ist – nunja, dann im Buch. Die Buchhändler haben eine vierseitige Vorschau bekommen, und ich werde dafür sorgen, dass, falls ich es in einem Buchladen tatsächlich entdecken sollte, ich werde es dann so platzieren, dass es ALLE sehen können. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser…usw.

Buch VerlagsvorschauBuch Vorschau

Im Winter werde ich dann auch u.a. in einem Friseursalon in Schleswig-Holstein aus dem Buch vorlesen – da kann ich mir dann gleich die Haare schön machen lassen, wie praktisch :-) – und falls jemand noch mehr wissen will – der Verlag hat einige Infos auf seine Seite gepackt.

http://www.randomhouse.de/Paperback/Fruehstueck-mit-Giraffen/Bettina-Pohlmann/Blanvalet-Hardcover/e481807.rhd

 

Mr Hopeless …Die letzten Stunden im Paradies. Noch einmal am Strand mit Mr. Hopeless gewesen, dem singenden Busfahrer, noch einmal aus dem Kofferraum heraus Rollerfahrer gefilmt und noch einmal „Somewhere over the rainbow“ auf der Ukulele gehört. Und noch schnell ein Interview für die „Cook Island News“ gegeben über unsere Dreharbeiten, denn am Ende waren wir noch „the filmcrew“. Dass man von soweit herkommt, um die kleinen Inseln zu filmen und ihre Menschen zu filmen, löste Erstaunen aus.

letzter Dreh
Ich suche noch immer einen Übersetzer, der von hier kommt und Cook Maori spricht und in Europa lebt. Danke Tuakeu Puna, für das Angebot, aber Aitutaki ist dann doch zu weit…
Ich hoffe, es wird ein schöner Film. Werde mein Bestes geben. Der letzte Blogeintrag wurde zwar veröffentlicht, aber er ist zehnmal abgestürzt (siehe unten, „Good Karma“…musste das Karma gewesen sein. Rene Helm, siehe letzter Blogeintrag) hatte anscheinend geholfCI Teamen, danach lief alles glatt.Puna

Noch einmal über die Datumsgrenze fliegen, einen Tag zurück, nach Auckland, dann wieder – peng – einen Tag vorspringe Richtung Los Angeles.

CI Flugzeug über AitutakiFlugzeug

50 Stunden Material sichten, viele Interviews, viele Unterwasser-und Dronenaufnahmen. Aber erstmal: die Familie wiedersehen! Das größte Geschenk überhaupt. Thanks, für all das. Es war eine aufregende, anstrengende, unvergessliche Zeit. Und vielleicht – gibt es ja eine Rückkehr…

AbendCI Lagune

CI Kamera Aitutaki
Auf der Suche nach „gutem Karma“… Denn seit wir nach einigen beglückenden Drehtagen in der Lagune von Aitutaki unseren Protagonisten verabschiedet hatten, begann das Unglück: Zuerst fing es an zu schütten und zwar derart, dass wir dachten, die Welt geht jetzt, in diesem Moment vor unseren Augen unter – und wir mit ihr. Am nächsten Tag schien der Spuk vorbei, die Sonne strahlte wieder, doch das war trügerisch, denn irgendwie ging von da an alles schief: Zwei Drehtermine patzten, und ich habe aus Versehen meinen letzten Blogeintrag gelöscht, wie einige vielleicht schon bemerkt haben und die weiteren ebenfalls; wir hatten eine Reifenpanne – doch das Schlimmste: Unsere Notversorgungs-Kaffeestationen hatten alle geschlossen! Daraufhin bastelte René, der Kameramann, einen Strahlenhelm, mit dem er versucht, die positive Energie wieder anzulocken.Renè Helm Wir sind jedenfalls guter Dinge…und sammeln fleißig Karmapunkte, indem wir Einsiedlerkrebse zurück ins Wasser lassen, damit niemand drauf trampelt und Kronenkorken am Strand. Und wie gesagt – dann ist da ja noch der Helm…
Ich bin derweil auf der verzweifelten Suche nach einem Übersetzer, der in der Lage ist, das Cook Island Maori, das sich kolossal vom Neuseeland Maori unterscheidet, ins Englische zu „translaten“ und möglichst, nunja, in Deutschland, zumindest in Europa lebt. Evtl. haben wir einen in Norwegen ausgemacht. Wir gucken auch vor Ort und kontaktieren noch einmal unseren Protagonisten, nach dessen Drehtagen das Unglück seinen Lauf genommen hat. Er gehört zur hier sehr bekannten „Puna-Family“, deren Kernfamilie aus 120 Mitgliedern besteht und die demnächst ein kleines Familientreffen in Sydney absolviert.

CI Puna ProtagonistTuakeu Puna also (siehe Foto oben), Protagonist für den Film, hatten wir vor einem Jahr bereits auf unserer Weltreise kennen gelernt und sind mit ihm durch die Lagune von Aitutaki geschippert. Und nun traf ich ihn erneut bei einem Rugbyspiel wieder. An einem anderen Tag haben wir zusammen einen Sonntagsausflug gemacht, gemeinsam mit Tuakeus Bruder und seinem Vater, der wiederum der Bruder des Ministerpräsidenten der Cook Islands ist. Ein Sonntagsausflug gestaltet sich hier so:

CI Punas fanliy

CI Motu

CI TeamWir haben an einem weiteren Drehtag frisch gefangenen Tunfisch nach dessen Zerlegung in den Mund gestopft und roh gegessen, was eine Köstlichkeit ist, besser als Sushi, weil frischer,  und anschließend leckerste Speisen auf Bananenblättern. Nicht, dass wir uns hier ausruhten, im Gegenteil: Das alles ist harte, körperlich-seelisch-geistig herausfordernde Arbeit! Vor allem die Unterwasseraufnahmen, für die ich zum Glück nicht zuständig bin…Waren mit einer Familie beim Speerfischen, bzw. meine Kollegin, die Expertin auf diesem Gebiet ist und während sie die Harpune hält, nicht nur auf kleinere Fische schießt, sondern auch Bilder von den Giant Trevellies….CI Travellie

CI Speerfisher familyCI Parrotfish gegrillt

Den bei diesem Dreh geschossenen Parrotfish haben wir anschließend am Strand auf Palmenblättern gegrillt (siehe Foto), unser Abendbrot sozusagen…..(Ich habe mich allerdings beim Fischen zurück gehalten, bin stattdessen geschnorchelt und habe das Ganze lieber aus der Ferne beobachtet, allerdings fand die Aktion mal nicht in der ruhigen beschaulichen Lagune statt, sondern hinter dem Riff, auf offenenem Meer. Es ging zwanzig Meter tief , das Wasser tief blau statt türkis, unter einem canyons und Höhlen und Fische, viele, viele sehr große Fische…. (Die Familie erzählte mir hinterher, dass gern mal Haie vorbeischauen und man ein bisschen wachsam sein muss…Ha ha, lustig).CI TanzwettbewerbUnd natürlich haben wir viele Tänzer und Tänze gefilmt, so zum Beispiel eine Familie mit drei Söhnen, die alle perfekte Hura-Tänzer sind und am Wettbewerb teil genommen haben. Zwei von ihnen…aber, das kann man dann bei GEO sehen, wenn der Film fertig ist. Vor dem Tanzevent wird gebetet, barfuß, im Wohnzimmer, Vater, Mutter, drei Söhne, Onkel, Nichten und Neffen…alle beten mit. Und wir haben unsere Protagonisten erlebt, die barfuß vorm Haus inmitten von Hühnern dem gestrenge Vater vortanzen, der früher al ein mächtiger Tanzgott derCook Islands war. Auch die Moderatoren tragen hier den typischen Cook Island-Style. ich stelle mir gerade die „Tagesschau“-Sprecher in diesem Outfit vor, sie könnten sich mal was von hier abgucken.
CI Papatua

René hat die Befürchtung geäußert, dass er in Berlin als Erstes vom Bus überfahren wird, weil die Durchschnittsgeschwindigkeit hier 40kmh sind und es verpönt ist, zu überholen. Genauso wie einen Helm zu tragen, denn der könnte ja den Blumenkranz zerstören. Denn der gehört zum guten Look, der Blumenkranz aus frischen Frangipaniblüten. Man trägt ihn auf dem Roller, beim Einkaufen, im Restaurant. Also fast immer. Ich bin schon ganz benebelt von soviel schwerem Blütenduft…Dann doch lieber anständiges Kerosin in Deutschland und Autobahnen und Ampeln (die findet man nicht auf Aitutaki, dafür laufen ständig Ferkel und Hühner übe die Straße. Wer ein Huhn fängt, darf es behalten, so das Gesetz hier. Hier eine typische Straße auf Aitutaki…

CI typischer Arbeitsweg
Ich sichte derweil zwischendurch – und vergesse ab und zu, konstant und konzentriert auf den Bildschirm zu gucken…

CI 2 LaptopCI Blick von Terrasse
„Droni“, unsere kleine Drone hat alle Einsätze bisher glücklicherweise gut überstanden – sie macht Ausflüge zum Riff,  schwebt über die Palmen, die Lagune und den Dschungel. Und kam bisher immer heil wieder zu uns zurück. Liegt vielleicht am Karmahelm…
In fünf Tagen sind wir zurück und ich hoffe, etwas von der Leichtigkeit und Entspanntheit mit nach Hause zu nehmen – und das gute Karma, das wir bis dahin wieder eingefangen haben…

CI Flugzeug über Aitutaki

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