vier sind mal welt

WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

Blog SchnittNeuseeland meets Berlin. Im Schneideraum sind mein Cutter und ich dabei, aus mehr als 20 Stunden Drehmaterial, aus Albatrossen, Pinguinen, Delfinen, aus Drohnenflügen und Begegnungen mit Maoris und Surfweltmeistern,  einen fast einstündigen Film zu schneiden. Da das gesamte Material in 4K und Ultra HD mit 50p aufgenommen wurde, also in sehr sehr hoher Auflösung, dauert jedes Rendern ein ganz klein bisschen länger. (für Technikfreaks:  im üblichen Fernsehformat dreht man bisher in HD und mehr als 25p, Bilder pro Sekunde, werden nicht ausgestrahlt, in unserem Fall sähe man auf einer Kinoleinwand jedes Staubpartikelchen auf einer Wimper, theoretisch…). Praktisch heißt das: unglaubliche Datenmengen zu verarbeiten und die Rechner zum glühen zu bringen. Aber: es klappt erstaunlich gut, es wird tatsächlich ein Film. Tagsüber wühlen wir uns durch das Material, am Abend treffe ich Freunde und zwischendurch  auf Kultur. Zwei Highlights:  „Rückkehr nach Reims“ in der Schaubühne, mit Nina Hoss in der Hauptrolle, die Adaption des gleichnamigen Buches, für das man alle seine Hirnzellen einschalten muss, zumal das Stück in englischer Sprache ist, aber für die schwierigsten Passagen, in denen es um die politischer Linke, die Arbeiterklasse und die Wandlung der Linken zum Konservativismus geht, gibt es dankenswerterweise Kopfhörer mit Übersetzung.

Blog SchaubühneManchmal sagen Bilder jedoch mehr als Worte. Jene von Irving Penn zum Beispiel, die derzeit in einer Ausstellung im C/O zu sehen sind und die einen auffordern, zweimal hinzugucken. Und eine neue Erkenntnis aus jedem Bild mitzunehmen. Hier eines der Portraits, das mich besonders beeindruckt hat: der japanische Modedesigner Issey Miyake, der für seine Kleidung Stoffe (und teilweise Papier) wie Kunstwerke verwendet.

Blog C:OBlog Berlin C:OEs gibt einen anderen Ort, der auf andere Weise faszinierend ist und der praktischerweise neben meinem Hotel liegt: Der „Verbrauchermarkt Ullrich“. Ein Supermarkt unter einer S-Bahn Linie am Bahnhof Zoo, der, nachdem man ihn betreten hat, zu einem anderen Planeten wird, zu einer nicht enden wollenden Halle menschlicher Existenzen. Wie in einem Film von Godard treffen hier Obdachlose, die ihre Pfandflaschen abgeben auf Gehetzte in Anzug und Kostüm, die sich noch schnell Sushi aus der Theke holen, auf Hipster mit Tatoos und Turnschuhen und alte Leute, die in einer dunkeln Ecke in Klatschzeitungen blättern, und einen Kaffee schlürfen. Abbilder der Realität, Collagen der Menschheit. Mittendrin Touristen aus aller Welt, die, mal mit, mal ohne Rollkoffer, Rucksack oder Reisetasche, sich mit dem Nötigsten versorgen genauso wie am Abend die Partygänger, die in allen Sprachen vor den riesigen Regalen mit Alkohol rege Diskussionen führen. Die Welt trifft sich in Berlin – und irgendwie auch hier, in diesem „Verbrauchermarkt“ unter der ratternden S-Bahn.

Blog Supermarkt Ulrich

Vorm Zubettgehen noch einen leichten Imbiss…

Blog Pommes SchrankeDa der Frühling nun endlich auch den Norden Deutschlands gefunden hat, war ich neulich mit den Mädels in meiner Heimat im Sachsenwald und dort nach langer Zeit mal wieder im Schmetterlingsgarten der Familie Bismarck in Friedrichsruh. Der Bismarck Tross ging auf meine Schule, bzw. fuhr im dicken Schlitten vor und besaß ein großes Geschick darin aufzufallen. Schillernd wie die Schmetterlinge in ihrem Garten – und sehr schön. Die Schmetterlinge.

Unserer Datsche nebst Strand haben wir ebenfalls einen ersten Besuch abgestattet. Es hat sich gelohnt, denn es war leer, es war sonnig, und wir haben wieder festgestellt, dass der Strandkorb die ultimative Erfindung für den Ostseeaufenthalt im Früh-Frühling ist. Und dass es Spaß macht, wenn man noch nicht baden kann, auf den Sandbänken Beachball zu spielen. Das nächste Mal sind dann auch die Algen weg gebaggert und das Wasser ist sicher drei Grad wärmer. Frühling – wir sind bereit!

Blog Boltenhagen Strand

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FmG Flughafen

„Frühstück mit Giraffen“, März 2018, Flughafen Hamburg

Wiedergeburt eines Buches! Am Flughafen in Hamburg glaubte ich, ein Déja Vu zu erleben, denn dort lag wie schon vor eineinhalb Jahren mein Buch „Frühstück mit Giraffen“ auf einem Stapel! Im Februar war es neu aufgelegt und als Taschenbuch rausgekommen, und es ist wie schon damals ein kindliches Glücksgefühl, das Werk tatsächlich veröffentlicht und präsentiert zu sehen. Nun muss es nur noch weiterhin gekauft werden…Ich werde also noch einmal in jedem Buchladen nachschauen, den ich rein zufällig betrete, ob unserer Weltreise in Neuauflage im Regal steht oder gar auf einem Stapel liegt. Derweil versuche ich mich an den ersten Seiten eines potentiellen neuen Buches und hoffe, dass die Buchstabenflut nicht versiegt. Denn nach dem Buch ist vor dem Buch und nach der Reise vor der nächsten. In diesem Fall, nach der fast einmonatigen Drehreise  nach Neuseeland, war allerdings keine Reise, sondern ein Urlaub geplant. Eine Woche Mallorca in den Frühjahrsferien, ganz entspannt in einer kleinen Finca. Der Urlaub ist jedoch schnell zum Abenteuer geworden und schließlich doch wieder zu einer Reise, denn die Finca im „shabby chic“ erwies sich zwar als „shabby“, aber nicht als chic und der Vermieter als Arschloch. Das alte Haus war nicht zu heizen, der winzige Kamin glimmte fünf Minuten vor sich hin, dann war Asche. Der Vermieter behaupte, man selbst sei zu doof zu heizen. demonstrierte seine Heizkunst an dem Minikamin, doch nach fünf Minuten war der Ofen aus, bzw. der Kamin wieder kalt. In der Küche gab es nur kochend heißes oder gar kein Wasser, keinen normalen Topf, keine Pfanne und eine Glühbirne an der Decke. Dafür ne halbvolle Pulle Whisky von den Vormietern, dessen Inhalt sie wahrscheinlich ein einer Nacht um sich warm zu halten konsumiert hatten. Wir also in Winterklamotten ins Bett. Denn: auch wenn das Thermometer tagsüber auf über 20 Grad steigt, nachts wird es auch auf Mallorca kalt. (war in der ersten Nacht im Geiste immer bei George Sand). Nach dieser Nacht haben wir entschieden: Hier können und wollen wir nicht bleiben. Doch wohin auf Mallorca, das um diese Zeit von gefühlt einer Million Rennradfahrern eingenommen wird? – Man muss praktisch denken. Von der Finca mit Garten ging es den achten Stock eines „Mehrfamilienhauses“. Neudeutsch: Hochhaus. Umgeben von weiteren Mehrfamilienhäusern. Der gigantische Vorteil: Wir können im Schlafanzug ins Bett und  die Winterjacke am Haken lassen, denn das Etablissement kann beheizt werden. Und in der Küche, die hier „Kitchenette“ heißt, gibt es tatsächlich Licht und sogar zwei Töpfe. Purer Luxus also. Wenn man jedoch die Straße zum Strand entlangjoggt, was ich nur einmal gemacht habe, weil ich Angst hatte, mit Depressionen oder Selbstmordgedanken zurückzukommen, läuft man an geschlossenen Fassaden (Vor-Saison…) von Ramsch-Läden vorbei. An so gut wie allem, was der Mensch nicht braucht. All das findet er hier. Und dazu eine Diaspora aus Beton und Konsumschrott. In zwei Wochen (so sagten die Spanier) finden hier dann ganz viele Menschen alles (was sie nicht brauchen). Denn dann öffnen diese diversen Läden à la Slum City ihre Türen. Und Touristen werden  zwar nichts, absolut nichts von Mallorca sehen in diesen Straßenschluchten, dafür aber alles was sie auch zu Hause haben und auch dort nicht brauchen. Nur, dass es hier dann sehr warm sein wird und zu Hause vielleicht noch immer grau und kalt. Das Merkwürdige ist: Wir wohnen in unserem Haus, das so hoch ist, dass man es von der Ferne aus wahrnimmt, mittlerweile gerne. Denn wir wohnen ganz oben. Und können den knallblauen Himmel sehen. Von innen ist es tatsächlich gemütlich, und die Nachbarn sind allesamt Spanier. Sie sind vielleicht gerne hier, wir wissen es nicht, sie stehen auf ihren Balkonen und rauchen, ihre Wäsche aufhängen, quatschen, streiten, hören Radio oder füttern ihren Hund. Wir beobachten das jeden Morgen beim Frühstück (in der Sonne!) jawohl, denn die nicht mehr Finca-Terrasse, sondern der Hochhausbalkon hat einen Südbalkon mit Blick aufs Meer, wer sagt denn – also, wir sehen das und haben festgestellt, das wir uns schon zugehörig fühlen. Wenn wir abends zurückfahren, sprechen die Mädchen bereits von „unserem Zuhause“. Und freuen sich, dass sie nicht in die Finca müssen, weil es so schrecklich dort war. Plötzlich wird eine Hochhaussiedlung zur Oase. Das ist schräg. Und zugleich faszinierend. Wie schnell der Mensch sich an andere Gegebenheiten gewöhnt. Der Strand allerdings ist fantastisch. Morgens sind wir früh sort, beobachten die Rentner und Jogger, und genießen die Weite und Stille. Dann zurück in die Diaspora, bei der ich mich jedesmal frage, warum Menschen sich so etwas antun. Warum alles zubauen, warum es mit hässlichen Gebäuden und Geschäften verschandeln, Natur in uniforme Gegenden verwandeln, völlig austauschbar, lebensverachtend? Wir „wohnen“ im Nordosten, in Alcudia, die Stadt selbst ist sehr schön, der Strand auch, aber, nein, ich werde kein fanatischer Fan des Ostens von Mallorca. In diesem Leben nicht mehr. Wir sind zu einer Wanderung in meine Lieblingsgegend nach Soller gefahren, der das Tramuntara Gebirge, haben eine längere und sehr schöne Wanderung von Deia nach Soller gemacht und waren sofort entzückt. Es ist vielleicht wie mit Nord-und Ostsee oder wie mit Alster und Elbe. Man mag beide, aber nur an einem Ort geht einem das Herz auf. Ich mag die Ostsee sehr, besonders, seitdem wir dort unsere Datsche haben, aber die Nordsee verehre ich. Genauso bei der Elbe. Rauer, ungezähmter, gewaltiger. Wie der Westen Mallorcas.

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Doch auch der Westen kann lieblich. Die Zitronen sprießen und Soller liegt sanft eingebettet in einem saftig, grünen Tal. So friedlich, so schön…

Malle 13

Wie auch immer man sich entscheidet, ob für Osten oder Westen, ob Hochhaus oder Finca (ok, trotz Heizung und Südbalkon, auf dem es schon Vormittags fast zu heiß wird in der Sonne – das nächste Mal wird es wieder eine Finca, ohne „shabby chic“…), die Insel tut gut. Wegen der Fischer, die am frühen Abend zurück in die Bucht fahren mit ihrem Fang und im Anschluss eigenhändig die Netze flicken. Wegen der vielen blühenden Streuwiesen unter alten, knorrigen Olivenbäumen. Wegen der vielen kleinen Dörfer, stillen Buchten mit türkisfarbenem Wasser und in unserem Fall wegen der Erkenntnis, dass auch ein eigentlich unscheinbarer Urlaub zu einem Mini-Abenteuer werden kann und trotz Unwägbarkeiten (oder gerade deswegen?) große Freude macht.

Malle 1

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