vier sind dann mal welt

Weltreise mit Kindern

Seit etwas über einem Monat ist „Frühstück mit Giraffen“ nun in den Läden, es gibt immer wieder neue Rezensionen: http://svenjasbookchallenge.blogspot.de/2016/10/rezension-fruhstuck-mit-giraffen.html, und ich bin noch nicht so richtig dazu gekommen zu spionieren, ob mein Buch vielleicht irgendwo auf einem eigenen kleinen Stapel liegt (ha, bei „Heymann“, da hab ich es tatsächlich auf einem Stapel gesehen…und Freunde an anderen Orten und Beweisfotos gemacht). „Frühstück mit Giraffen“ hat mittlerweile seine ersten Auftritte hinter sich. Nach einer Lesung in Teterow ging es zur Buchmesse nach Frankfurt. Und dort stand es dann. Mein Buch. Unglaublich.

buchmesse-blanvaletIch kam allerdings kaum dazu, den Anblick zu genießen, denn ein Termin folgte auf den nächsten. Fototermine, ein Minifilm wurde gedreht („Bitte erklären Sie uns doch innerhalb einer Minute den Inhalt Ihres Buches!“ und da nicht geschnitten wurde und das Ganze „ein Take“ sein sollte, dachte ich sofort an Loriot und den Lottogewinner Erwin Lindemann und, äh, verhaspelte mich natürlich sofort…), es gab Interviews und Bloggertreffen, gefolgt von Empfängen und Einladungen zum Essen. Es war anstrengend, es war schön, es war ein Rausch.Zum Glück kamen dann noch Frank und die Mädchen, und so konnten wir zwischendurch gemeinsam andere Stände und Hallen besuchen und ein bisschen Familie leben.

Bei all dem Trubel hatte ich zunächst die riesige Anzeigetafel bei Random House komplett übersehen… Und dann kam der nächste Auftritt für das Buch. Eigentlich. Denn leider vergass der Moderator, dieses zu erwähnen, geschweige denn, hochzuhalten. Das Buch fand einfach nicht statt. Dafür ich mit aufgetürmten Haaren…Konkreter: Ich flog nach Mainz ins Studio vom „heute journal“, das tatsächlich die Ausmaße eines Fußballstadions hat, und saß kurz darauf mit eben jener Betonfrisur nervös auf dem Sofa, denn der Talk war live, heißt, gesagt ist gesagt und kann nicht mehr rausgeschnitten werden.

Als aber der Moderator nicht nur meinen Namen, sondern auch den des Kollegen, der den netten, kleinen Einspieler über uns gemacht hatte, erfolgreich zweimal falsch ausgesprochen hatte – wurde ich etwas ruhiger. Soviel bleibt auf jeden Fall festzuhalten: Die Frisur saß. Dank Plätteisen und Haarspray….https://www.zdf.de/nachrichten/zdf-mittagsmagazin/talk-mit-bettina-pohlmann-102.html

Danach wollten wir nur noch eins: Durchlüften. Und wo kann man das besser als auf Sylt? Die Insel gehörte immer – neben Paris und New York – zu meinen Lieblingsorten. (Ok, und der Provence und Neuseeland und…). Neben all den Sehnsuchtsorten gibt es noch Orte, an die man sich wahrscheinlich im Sterben zurück sehnt. Weil man dort so glücklich war, weil man sein halbes Leben oder ganz intensive Momente dort verbracht hat, weil man sentimental wird und plötzlich eine ganz besondere Stimmung aufkommt. Sylt ist so ein Ort. sylt-5Die Insel habe ich seit meiner Jugend mehrmals pro Jahr besucht. Zum Auftanken und Durchlüften. An Ostern und über Silvester und im Sommer, aber noch öfter im Herbst oder Winter. Sei es im Hannomak oder Zelt, oder zusammen mit meiner Freundin, in einem preiswerten Gästezimmer einer kleinen Pension, in denen zum Frühstück Eier in selbst gehäkelten Hasenohren angeboten wurden. Später kochte ich selbst – zusammen mit Freunden im Apartment in List. Oder – noch später – fuhr ich zum Arbeiten hin, für einen Dreh für „mare TV“. Meine Freundin hat dann sogar auf Sylt geheiratet. Und wir uns geschworen, wenn wir ganz alt sind und schrumpelig und trotzdem noch laufen können, gemeinsam auf Sylt am Strand Erinnerungen auszutauschen und vielleicht sogar noch Neues zu entdecken. Doch jetzt, vielleicht weil wir die Datsche an der Ostsee haben, war ich lange nicht mehr dort. – Schon die Anfahrt mit dem Autozug ist ein Erlebnis. Antonia und Helen waren neugierig, warum Frank und ich uns so sehr auf die Insel freuten. Vor allem ich rief immer wieder: „Gleich fahren wir auf den Zug und dann, irgendwann, sieht man links und rechts vom Zug aus das Meer! Ist das nicht toll?“ Ich glaube, unsere Mädchen waren ein ganz klein wenig irritiert von dieser etwas irren Vorfreude. Aber dann, sobald wir uns Sylt näherten, blaute der Himmel plötzlich, die Wolkendecke riss auf, es roch nach Meer und Dünengras, wir sahen aufgetürmte Wellen mit shaumigen Kronen, und der Wind ließ unseren neuen Drachen tanzen. Und die Mädchen – tanzten auch.

Ich liebe die Einsamkeit am Ellenbogen, und Antonia nahm die Geräusche des Meeres auf und staunte immer nur, wie breit, wie wunderschön feinsandig der Strand ist und Helen lachte und rannte Reichtung Meer. Wir haben so viele fantastische Orte auf der Welt gesehen – Sylt sehen wir jetzt mit anderen Augen. Mit einer gewissen Bewunderung. Vor so viel Schönheit. Für uns ist Sylt eine echte Ausnahmeerscheinung unter den Inseln und erinnert uns die Hamptons. Und nein, ich schreibe dies nicht für die Tourismusbehörde. :-) Es hat gut getan, auf der Insel zu sein. Und wir wollen jetzt wieder öfter hinfahren, im Herbst und gern auch im Winter, um das Rauschen der Wellen zu hören, das Leuchten des Dünengrases zu sehen und diese fantastische Weite zu spüren. Denn das macht glücklich. Ich wusste es doch. So war es immer und so wird es immer sein.

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lesungDer Herbst, der Herbst, der Herbst ist da, und somit eine gute Zeit, um… zu lesen! „Frühstück mit Giraffen ist auf dem Markt, und ich habe tatsächlich die ersten Buchstapel in den Läden entdeckt. Bevor nächste Woche die erste offizielle Lesung mit „Multimedia-Show“ ansteht (klingt gigantischer als es ist), hatte das Buch fruhstuck_mit_giraffen_20160929__frs8042_kim kleinen Freundeskreis seine Premiere bei einer Privatlesung. Ein schöner Abend dank allen, die dabei waren! Die ganze Familie war im Einsatz:  Antonia trug mit glockenklarer Stimme ihre Textpassagen vor und begeisterte. Frank schenkte Crément und Weine aus und begeisterte auch. Helen reichte beherzt die Gläser weiter oder griff am Tisch selbst zur Flasche – um den anderenoxhoft_lesung_20160926_dscf3784 einzuschenken. Eine Familien-Lesung, sozusagen. Nächste Woche wird’s dann ernst, dann geht’s (ganz alleine ohne Unterstützung der Liebsten) nach Teterow, und ich hoffe, mir versagt vor Aufregung nicht die Stimme. Das Buch ist seit drei Wochen auf dem Markt, und erfreulicherweise haben schon einige Medien darüber berichtet. Ich arbeite daran, auf unerwartete Fragen bei Live-Interviews nicht erschrocken zu schweigen oder zu stammeln oder darüber zu grübeln, was ich dazu denn eigentlich Schlaues sagen könnte. Gar nicht so leicht, vor allem, wenn man gewohnt ist, sonst auf der anderen Seite zu stehen und sein Gegenüber auszufragen. Der Moderator von SWR3 war aber so nett, zwischendurch immer wieder aufmunternd und herzlich zu lachen. Manche Medien druckten Auszüge aus dem Buch, vor allem in Österreich scheint das Thema „Weltreise“ gut anzukommen.

img_8526(Anmerk. Falls jemand aus Österreich mitliest: ich war als Kind immer zum Wandern in den österreichischen Bergen, und ich wäre absolut nicht abgeneigt, für eine Lesung (gern mit Kaiserschmarren oder Germknödeln…) nach Österreich zu kommen. Ich könnte im Gegenzug ein paar Franzbrötchen mitbringen, die ja dank Helen ihren kleinen Auftritt im Buch haben.  Das nur so nebenbei….Nach dem Interview ist vor dem Interview. „BILD-Travelbook“ hat ebenfalls über das Buch und unsere Reise berichtet: http://www.travelbook.de/welt/fruehstueck-mit-giraffen-auf-weltreise-mit-schulkind-801962.html

Auf der Frankfurter Buchmesse werde ich dann sicher Fotos von meinem Buch am Stand von Random House machen und mich wahrscheinlich kurz setzen, wenn ich es dort das erste Mal entdecke. Für die meisten Fachbesucher locken die meisten Neuerscheinungen nur ein müdes Lächeln hervor, ist schließlich eine Buchmesse, sogar die größte weltweit, aber dass da mal mein eigenes Buch stehen oder liegen würde, das fühlt sich immer noch ziemlich unwirklich an. Nach der Buchmesse heißt es dann: Haare föhnen und Rock glatt ziehen und einmal tief durchatmen für das breite Sofa vom ZDF-Mittagsmagazin. Wiederholen is nich, die Sendung ist live. Wie sagt ein Freund immer? Was einmal aus der Zahnpastatube rausgedrückt wurde, kriegt man da nicht mehr rein. Mon dieux. (Nein, den Termin beim ZDF verrate ich nicht…). Und dann habe ich einen Buchblog entdeckt, eine schön gemachte Seite; die Bloggerin hat „Frühstück mit Giraffen“ gelesen und darüber geschrieben: http://anke-liest.blogspot.de/2016/09/reisen-weltreise-unterwegs-in-der-welt.html

Zuletzt noch ein Buchtipp für einen Freund, den ich wiebuch-von-mathias wir halb erschrocken feststellten, seit mehr als 25 Jahren kenne. Der Fotograf Mathias Bothor, der um das gesamte Mittelmeer gereist ist. Vier Jahre lang hat er für einen neuen „mare“-Bildband nicht nur die Länder aus der Vogelperspektive, sondern vor allem die Menschen des Mittelmeeres fotografiert (s.u.). Wir waren alle Vier auf seiner Vernissage und uns packte wieder die Sehnsucht. Mathias und ich haben am Ende gegenseitig unsere Bücher signiert. Verrückte und schöne Welt.

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Und noch eine Info: Der Film Cook Islands- Welcome to paradise!“ für 360° GEO/Arte ist noch neun Tage in der Arte Mediathek zu sehen. Einmal Paradis und wieder zurück sozusagen…http://www.arte.tv/guide/de/064565-013-A/360-geo-reportage?country=DE

Jetzt übe ich erstmal weiter laut und deutlich vorzulesen so wie Antonia und, ach so: FALLS Euch das Buch gefällt, freue ich mich über Kritiken auf den üblichen Plattformen im Netz. Und natürlich auch sonst. – Danke!

 

 

Cassis
Es gibt Orte in der Provence, die sehen aus  wie aus einem Wimmelbuch, wie gemalt, und, im Falle von Cassis, fast schon ein bisschen zu hübsch, ein bisschen zu aufgerüscht, ein kleines bisschen zu Côte d’Azur. Und dennoch: très charmant. Solange wir dort nicht unseren gesamten Urlaub verbringen. Es macht Spaß, bei einem Apéro, die passend zur Kulisse aufgehübschten Menschen zu beobachten, die an einem vorbei flanieren, und es ist faszinierend, in die Calanques zu schippern, vorbei an den gigantischen Felsen.

DreiCalanquesMit unseren Hausnachbarn wollten wir zwischenzeitlich in Marseille einer Regatta vom Boot aus beiwohnen, deren Start wegen zu wenig Wind jedoch verschoben wurde. Also haben wir nur den Vorbereitungen auf dem Wasser beobachtet, ohne das eigentliche Rennen. Antonia und Helen nutzten die Zeit für ein kleines Nickerchen, während wir uns angeregt mit Blandine und Gérard (unseren Nachbarn) unterhielten und nebenbei immer wieder die Silhouette von Marseille bewunderten. Alles in allem eine nette Bootstour. Wobei wir von den Nachbarn erfuhren, dass viele Touristen, aber auch Franzosen die Reise nach Südfrankreich dieses Jahr storniert hätten, weil es eine Terrorwahnung für Marseille gab. Am Hafen und in den vielen anderen Vierteln standen an jeder Ecke schwer bewaffnete Polizisten, die aussahen, als befänden sie sich im Krieg. Ein Bild, an das man sich nicht gewöhnen kann.

Marseille Museum

Marseille PanierIm Panier, unserem Lieblingsviertel von Marseille, zerplatzte neben dem Cafe, in dem wir saßen, plötzlich ein Luftballon. Ein junger Mann erschrak  und hüpfte zur Seite, er hob die Hände vors Gesicht, um dann erleichtert auszuatmen. Und sich anschließend noch einmal suchend umzuschauen, ob wirklich alles ok sei. Die Anspannung innerhalb der Stadt ist überall spürbar. Und dennoch fällt uns wieder auf, wie jedesmal, wenn wir in diesem südlichsten Landstrich Frankreichs, der Provence sind, wie gut gelaunt und entspannt die Menschen hier sind. Egal wo wir hinkommen, ob in die Boulangerie, auf einen Markt, oder an die Kasse im Supermarkt, Antonia und Helen bekommen etwas geschenkt oder etwas zum kosten, und wir alle einen netten Spruch und ein Lachen. Egal ob in der Großstadt Marseille oder in einem der kleinen Dörfer. In einem riesigen Supermarkt, dem zweitgrößten Europas (!), suchte ich einen Sancerre Wein. Verlor bei der Anzahl der Regale aber etwas den Überblick (allein das Regal für Champagner war 30 Meter lang). Ein Ehepaar fragte, welchen Wein ich suchen würde und tippte etwas in sein Handy, um die Region für Sancerre ausfindig zu machen. Dann suchten wir alle zusammen. Würden aber nicht fündig. Ich bedankte mich und gab auf. Tanz pis! Pas grave. Als wir später an Kasse 34 von 50 Kassen standen, kam das Ehepaar auf uns zugetankt. Mit einer Flasche rotem Sancerre, den weißen hatten sie nicht gefunden. Eines von vielen Erlebnissen mit Südfranzosen. Blandine, unsere Nachbarin, die selbst aus Rouen kommt und nie wieder zurück will, wie sie sagt, meinte, es läge am Klima und am Licht hier. An den Düften. An der Natur. Eben an allem, was Menschen wohl glücklich und zufrieden macht. Zufrieden macht uns hier nicht nur der tägliche tiefblaue Himmel und das sanfte Licht, sondern auch das Essen und die vielen Märkte. Wie überall in dieser Gegend, ist es jedoch kein Geschrei und Gerufe (die Franzosen sind eher stiller Natur, wie uns aufgefallen ist, egal ob im Restaurant, in der Bucht oder eben auf einem großen Markt, es wird leise gesprochen, viel gestikuliert, aber – leise. Wie laut ist es dagegen bei uns, wie laut sind wir oft selbst als Familie,  das fällt uns hier extrem auf ). In Apt auf dem Markt haben wir uns zum Schutz vor der Sonne erst einmal Hüte gekauft, wir haben uns durch 98 Tarnendes probiert und 24 gekauft (so ungefähr), dazu scharfe Salami, Balsamico aus Waldbeeren, Roséweine, natürlich diverse Käse, die wir – bien sur – allesamt vorher durchprobiert haben, Seifen aus Marseille aus 72 prozentiger Olivenöl, und Olivenöl selbst, das hier eine Spezialität ist und süchtig macht.Genau wie der Honig – wahlweise mit Lavendel oder Rosmarin, aus dem Wald, mit Mandarinen oder Orangen oder eben pur, wir haben uns durchgetestet und dem jungen, sympathischen Bienenzüchter und Honigproduzenten diverse Gläser abgekauft. Die Franzosen lieben gutes Essen, la bonne bouffe, und wir – auch.

Apt marchéEs war ein herrlicher, en perfekter Tag, und dann haben wir noch in einer Gasse in einem gerade aufgemachten Restaurant gespeist. Die ganze Familie war im Einsatz, inclusive der Söhne, alle waren aufgeregt, das Essen vorzüglich, es gab die ganze Palette an provencalischen Spezialitäten, und ich habe der Mutter schnell noch drei bunte selbst gebrannte Schalen abgekauft für zu Hause, als Erinnerung an diesen Tag.

Es fällt auf jeden Fall positiv auf, diese gute Laune, und wir werden sie zu Hause sicher ab und zu vermissen. (Vielleicht liegt es auch einfach nur am Rosé. Oder am Pastis. Oder an beidem. Tant pis, was zählt, ist das Ergebnis…). Marseille jedenfalls gefiel uns erneut sehr. Eine lebendige Stadt mit verdammt rauem Charme.

Marseille Panier 2

Marseille Panier 3Helen hat es mittlerweile erfolgreich geschafft, sich bis zum Pool unserer Nachbarn vorzuarbeiten. Indem sie sich, während Blandine ihre Runden im hauseigenen Nass schwamm, eine Plastikwanne geholt hat, ihre Fußspitzen reingehalten und sehnsüchtig rübergeschaut hat. Solange, bis Blandine sie und Antonia bat, rüberzukommen und sich in ihrem Pool abzukühlen. Und nicht nur das: sie kramte auch noch einen riesen Delfin aus dem Schuppen, blies ihn auf und warf anschließend einige Ringe ins Wasser, nach denen die Mädchen tauchen konnten. Das Verhältnis Deutschland-Frankreich ist also enger geworden. Auch ihr Hund und ihre kleine Katze kommen jetzt immer zu uns, zur großen Freude der Mädchen! Man rückt also zusammen, auch bei Tisch. Die Nachbarn luden uns zum Essen ein, genauer: zu einem Apéro-Diner. Bestehend aus einer Begrüßung mit Kir und Geplauder. Anschließend werden Blätterteigteilchen mit Olivenpaste (Tarpenade) gereicht. Man nimmt Platz und dann wurde aufgetischt: rote Beete Mousse mit Ziegenkäse, kalte Gemüsesuppe, Pizza mit Sardellen, Pizza mit Tomaten, ein Brot mit Oliven und Schafskäse gefüllt, Honigmelone, Gemüse, danach eine Käseplatte, danach ein Dessert. Und zu jedem Gang ein neues Getränk. Da der Abend so nett war und der Wein so gut (Blandine: „Das macht doch glücklich, oder? MIt Freunden zusammen zu sitzen und gut zu essen!“) – da haben wir also unseren Nachbarn spontan und gleich beim Abschied eine Gegeneinladung ausgesprochen. Um es kurz zu machen: es war prima. Franzosen sind schließlich auch nur Menschen, sogar in kulinarischer Hinsicht und Neuem gegenüber durchaus aufgeschlossen.  Zudem sind unsere Nachbarn nicht nur nett, sondern auch offen und entspannt. Trotzdem hatte ich einen gewissen Ehrgeiz, der darin bestand, unsere deutsche Kochart halbwegs ehrwürdig zu vertreten. Einige der Speisen kannten unsere Nachbarn also nicht und haben sie trotzdem gegessen. Es war erneut ein sehr netter Abend.

Arles BoucherieArles KulisseDorf 1

Arles GasseDie Franzosen können aber nicht nur Charme und Essen, sie können auch Dörfer! Die gleich zum Dableiben einladen und zum sehnsüchtig auf  Immobilienanzeigen glotzen und kurz den fantastischen Gedanken zu spinGateauxnen: hier ab und zu leben dürfen?  Wann immer man will? – Um dann schnell zur Patisserie zu gehen und erstmal auf neue  Gedanken zu kommen…Frank und ich haben wieder festgestellt, dass under Herz für diese Gegend schlägt. Vor allem allerdings für jene zwischen Marseille und Toulon. Der Vorteil an dieser Gegend bei Aix und westlich von Marseille ist allerdings: an der Côte Bleue mit den Calanques, den kleinen Felsbuchten, in denen wir immer baden, sind wir bisher ausschließlich Franzosen begegnet. Und man erwartet bei der Stimmung dort fast, dass sich neben einem Alain Delon und Brigitte Bardot auf den Felsen sonnen. Eine Atmosphäre wie in einem alten französischen Film. Den „kleinen Nick“ mit seinen Eltern haben wir auch schon beobachtet…

Die Camargue noch etwas weiter westlich hingegen fasziniert durch das große Nichts, durch die weißen Pferde, die Flamingos und die fast wüstenartige, morbide Landschaft. Camarque FlamingosZum Leben etwas unwirtlich, aber die Weite tut gut. Die Stadt Arles hat ebenfalls viel von diesem morbiden Charme, und Van Gogh, der ehedem Ungeliebte, hat endlich eine FonArles Gasse mit Fotodation ihm zu Ehren bek
kommen;  wir blieben staunend vor jedem seiner Bilder stehen. Ein Ereignis, allein das. Arles ist aber auch Fotostadt und an vielen Häuserwänden sind Fotografien ausgestellt.

Eine Stadt, für die man Zeit braucht, eigentlich. Wir haben immerhin am Abend noch delicieux gegessen, in einem Restaurant, das uns eine Einheimische, eine Buchhändlerin, empfohlen hatte (bei der ich mir schnell noch ein provencalisches Kochbuch gekauft habe – wieder ein Stück Provence für zu Hause). Zu Hause warteten zum Glück schon die Katzen, deshalb ist es für die Mädchen immer ein großes Hallo, nach einer Tour wieder „nach Hause“, in unsere vorübergehende Unterkunft von Sophie und Olivier bei Marseille zurück zu kommen.

BuchtVon den Katzen müssen sich Antonia und Helen bald verabschieden, denn am Wochenende fahren wir über die Schweiz zurück und freuen uns schon sehr auf die Zeit bei unseren Freunden dort; Dich aber, chère Provence, nehmen wir in Gedanken mit, das Licht, die flirrende Hitze, die Düfte und die süchtig machenden Speisen, la bonne bouffe…

Bucht 1

Provence Bucht CalanquesEs gibt Gegenden in der Welt, die einem einfach keine Ruhe lassen, die einen packen und anfassen, eine Sehnsucht wecken und einen, mich zumindest, regelmäßig aufseufzen lassen, sobald man vor Ort die ersten Gerüche wahrnimmt, die Farben, die Geräusche.

Für mich – und mittlerweile auch für Frank – ist es die Provence.Provence Platz CucuronWir hatten uns recht spontan entschlossen, dem vorzeitigen Herbst Hamburgs zu entfliehen, den Wintermänteln und Regenjacken, und sind vor ein paar Tagen hierher gefahren. Glücklicherweise haben wir vorher per Internet eine französische Familie kennen gelernt, die kurzfristig beschlossen, ihr Heim ebenfalls zu verlassen, um ihrerseits in Urlaub zu fahren. Und so wohnen wir also in dem Haus von Sophie und Olivier nebst Kindern, die uns nicht nur ihr Haus, sondern auch  die Tischtennisplatte, den Grillplatz, die Betten und ihre Katze überlassen haben.

Provence KatzeDie Mädchen freuen  sich vor allem über Letzteres, zumal auch der Nachbarshund ab und zu vorbeikommt und sich streicheln und bespielen lässt, während wir Eltern uns berauschen an den Farben und Gerüchen und unseren Mädchen immer wieder zurufen: „Seht Ihr, wie tiefblau der Himmel hier ist? Und die Zikaden. Hört Ihr die Zikaden?“ Ja, die Mädchen hören und sehen das auch, aber noch mehr lieben sie das Blau und Türkis des Wassers der Calanques, der Felsenbchten, die sich westlich und östlich von Marseille befinden. Und einfach magisch sind.

 

Provence BuchtNicht nur, weil sie zum Teil schwer erreichbar sind, ohne eine kleine Wanderung kommt man eben nicht die Felsen runter, sondern weil die Stimmung dort so sommerlich leicht ist wie in einem französischen Film. Frauen stehen im Wasser, quatschen und gestikulieren angeregt. Junge Männer dösen auf Felsen liegend in der Sonne. Andere, mit Strohhut und in weißem Hemd und Espadrilles, sitzen im Schatten und lesen Zeitung. Zwei Typen springen hoch oben, von anderen laut beklatscht, von den Felsen. Und Helen – schwimmt. Ganz alleine vom Ufer bis hin zum Tau eines entfernt geankerten Bootes, um sich daran kurz festzuhalten, von dort dann weiter zu einem Felsen im Meer, auf dem ihre große Schwester wartet. Sie hat es sich quasi diesen Sommer alleine, nur mit Unterstützung von Antonia in der Ostsee beigebracht, jedesmal wenn wir in der Datsche und an unserer Stammbucht waren, auch bei eiskaltem Wasser ist sie eisenhart durch die Priele von „Insel“ zu „Insel“ geschwommen. Und jetzt stolz. auf sich und groß und stark wie Pippi. Und wir sind es auch.

Provence Mädels FelsenProvence auf FelsenA und H in Berlin
Vor diesem Urlaub waren wir ein paar Tage in Berlin bei Freunden und wie immer war et jut in Bärlin! Hat großen Spaß gemacht und der Sommer war voll da. Helen schwamm das erste Mal ganz alleine in einem See. Während Antonia von Schauspielern mit „Hallo Kollegin!“ begrüßt wurde, weil sie für meinen GEO-Film über die Cook Islands den Auftrag hatte, zwei voice over zu sprechen.

Berlin StudioIch habe auch zwei „Rollen“ gesprochen, und es war eine schöne Erinnerung an die Hörfunkzeit als Reporterin und Nachrichtensprecherin bei NDR2. Antonia hat es prima gemacht und war genauso stolz wie Helen nach deren ersten Schwimmzügen im See. (Antonia hören – und den gesamten Film sehen – kann man übrigens am Sonntag, den 18. September um 13.00h auf Arte: 360° GEO „Cook Islands – Welcome to paradise„).  

Das sind Momente, die glücklich machen. An die man sich erinnert später. „Weißt Du noch, als Du  in Berlin das erste Mal ganz alleine im See geschwommen bist und in Südfrankreich im Meer, von Felsen zu Felsen?“ …Die Provence und Frankreich haben mich von Anbeginn fasziniert. Es ist nicht nur das Licht, die Luft, diese Düfte, die einen so satt machen und gleichzeitig gierig, dass man mehr davon haben will, der Lavendel, der Rosmarin, die Aprikosen, der Thymian, es ist vor allem das sündhaft gute Essen.

Provence FischgerichtProvence cafe gourmant

Wir haben hier erneut so gut (und günstig) gegessen, dass wir satt, zufrieden und träge am liebsten unterm Sternenhimmel zusammengesackt wären. (Der café gourmand, wie ihn nur die Franzosen zelebrieren, als Triumph, das Grande Finale eines fantastischen Mahles!). Anstatt aber irgendwo satt liegen zu bleiben, schleppten wir uns einen steilen Berg hoch, denn das Auto stand, wie in den Calanques üblich, oben, ganz oben, auf dem Felsen. Egal. Tant pis, würde der Franzose sagen. Das Schöne ist: hier im Süden Frankreichs, in der Provence, kann man nicht anders als irgendwie gleichmütig zu werden.     Die Gelassenheit und Freundlichkeit, oder Gleichgültigkeit, der Menschen hier, die pfeifend hinterm Tresen stehen und den Rosé, Pastis oder café rüberreichen, der überträgt sich irgendwann.Provence Boulangerie

Provence Cucuron FassadeHeute kam unsere Nachbarin vor und hat uns für morgen zu einer Bootstour eingeladen. Mit dem Schiff geht es ab Marseille vom alten Hafen aus zu einer großen internationalen Regatta. Sie und ihr Mann kommen auch mit. Und Frank ist ab sofort „Leduc“ und ich „Charlotte“, denn wir spielen heute ihre Kinder nebst Enkeln (Antonia und Helen), weil die eigenen Kinder der Nachbarn die Karten nicht nutzen können. Wir haben keinen blassen Schimmer, was uns erwartet, kommen aber natürlich mit! Ach überhaupt: die Südfranzosen. Eine Gattung für sich. Sie, die aus der Normandie kommt, meinte, erst als sie Peter Mayle und „Mon année en Provence“ gelesen habe, das erste Buch des englischen Bestsellerautors, habe sie verstanden, was es heißt, in Südfrankreich zu leben. Eine andere Welt sei die Provence! Völlig anders als der Norden oder die Mitte Frankreichs! Dass Franzosen erst das Buch eines englischen (!) Autors lesen müssen, um zu begreifen, wie ihre Landsleute so drauf sind, ist erstaunlich. Peter Mayle, besagten Bestsellerautor, haben wir heute ebenfalls verfolgt. Also, fast. Wir waren im Luberon, genauer, in dem bezaubernden Dorf Cucuron, einem meiner Lieblingsorte dieser Gegend, in dem schon viele Filme gedreht wurden und wo der Alltag dennoch gemächlich vonstatten geht, und in Loumarin, einem Bilderbuchort und von anderen Touristen ebenfalls heiß geliebt. (Dort steht allerdings auch Albert Camus Burg und Wohnsitz, vielleicht ist es das….) Und dort wohnte Peter Mayle; der hat Loumarin inzwischen auch wieder verlassen, seine Hütte für schlappe 6 (!) Millionen Euro verkauft – und ist ein Dorf weiter gezogen. Ohne Touristen. Noch.

Sechs Millionen habe ich leider nicht, auch nicht eine Million, um mir mal eben ein Häuschen in der Provence zu kaufen und dennoch träume ich davon, seitdem ich das erste Mal in Frankreich gelebt habe, ein paar Monate im Jahr hier leben zu können. Wenn die Mädchen größer sind. Es ist ein schöner Traum, Frank träumt mit – und wer weiß, irgendwann..

Provence Küste

Berlin Schnitt

Draußen war Sommer und drinnen auch – zumindest auf dem Bildschirm. Es ist fast vollbracht: Die Dokumentationen über die Cook Islands für GEO/Arte sind fast fertig geschnitten. Etwas mehr als zwei Wochen in Berlin im Schneideraum verbracht und abends auf die Dachterrasse von Kameramann René –  ein bisschen Sommer, nein, nicht vorm Balkon, sondern von oben…

Berlin Dachterrrasse 2
Berlin Dachterrasse

Beide Filme laufen am 17. und 18. September auf Arte. Einen Tag später werde ich dann evtl. die Stadt verlassen. Oder mich zurück auf die Cook Islands beamen. Oder auf den Mond. Denn einen Tag später gibt es kein Zurück mehr. Dann ist es in den Läden. Das Manuskript, an dem ich die letzten Monate geschrieben habe, nächtelang reingehackt in die Tasten, umformuliert, von Freunden immer wieder mit viel Geduld gegen gelesen, von der Lektorin bearbeitet und von zwei Korrektoren Buchstabe für Buchstabe gelesen…das Buch über unsere Weltreise. Es ist – fast – fertig! Ok, es muss noch gedruckt werden.

Buch Druckfahnen

Gestern Abend überreichte mir unser Nachbar ein Paket: „Hier ist ein Buch für Dich abgegeben worden.“ Vor lauter Aufregung sagte ich: „Das habe ich geschrieben, dieses Buch!“ Er guckte erstaunt: „Das ist ja n’Ding. Da steht die ganze Zeit dieses Paket und ich hätte der erste Leser sein können?!“ Ich habe mich noch nicht getraut, in die Druckfahnen reinzuschauen. Denn: Was da steht, steht da. Ich kann nur noch Winzigkeiten ändern, alles andere ist – nunja, dann im Buch. Die Buchhändler haben eine vierseitige Vorschau bekommen, und ich werde dafür sorgen, dass, falls ich es in einem Buchladen tatsächlich entdecken sollte, ich werde es dann so platzieren, dass es ALLE sehen können. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser…usw.

Buch VerlagsvorschauBuch Vorschau

Im Winter werde ich dann auch u.a. in einem Friseursalon in Schleswig-Holstein aus dem Buch vorlesen – da kann ich mir dann gleich die Haare schön machen lassen, wie praktisch :-) – und falls jemand noch mehr wissen will – der Verlag hat einige Infos auf seine Seite gepackt.

http://www.randomhouse.de/Paperback/Fruehstueck-mit-Giraffen/Bettina-Pohlmann/Blanvalet-Hardcover/e481807.rhd

 

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