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WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

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Weltreise mit Kindern, Indien

Backwaters Kerala, Indien

  Tschüss Kerala, hallo Agra und Delhi! Als wir im Flieger von Go Indigo sitzen und starten, recken die Mädchen die Arme in die Luft und rufen freudig: „Auf nach Delhi!“ Sie sind voll im Indien Grouve, obwohl Helen vorher das Taxi vollgespuckt hat. In Indien ist man prima auf spuckende Fahrgäste eingestellt, denn die Sitze sind komplett mit Plastikplanen überzogen. Die indische Fahrweise ist für Europäer in der Tat gewöhnungsbedürftig. Als Laie ist schwer auszumachen, ob hier Links-oder Rechtsverkehr herrscht. Ist irgendwie auch egal, man fährt wo gerade Platz ist. Meist rechts, weil hupend überholend, obwohl der Fahrer der Gegenfahrbahn gerade die gleiche Idee hatte. Derjenige, der zuletzt aufgibt, gewinnt. 

Der Abschied von unserem kleinen Ressort und den Männern, die dort arbeiten, von denen wir zum Schluss alle Namen kennen und zum Teil deren Familiengeschichten, war fast traurig. Antonia und Helen wollten gerne noch bleiben und der lustige Koch Taillu nahm im Scherz zuerst Helen, dann Antonia auf den Arm und wollte sie in die Küche entführen und da behalten. Am Ende winkten alle, sogar der Tuk Tuk Fahrer, der uns einmal gefahren hat, und gerade den Hügel runterfuhr, und sie riefen noch einmal Antonias und Helens Namen. Trotz der frühen Stunde bekamen wir schnell noch Kerala Kaffee und für die Mädchen ihre Lieblingspfannkuchen. Wer also einmal nach Varkala kommen sollte, dem empfehlen wir, bei den Mitarbeitern vom „Maathadil Cottages“ vorbei zu schauen. Oder am besten gleich dort in einer der zehn Hütten zu nächtigen. (Die Mädchen und ich haben zu dritt in einem breiten Bett geschlafen, so hatten wir es vorher auch schon gemacht und es ging problemlos). Wir kommen gerne wieder! 

14% der 1,2 Milliarden Menschen in Indien sind muslimischen Glaubens. In Varkala rief mehrmals täglich der Muezzin. Wir werden – anders kann man das wirklich nicht sagen – mit Freundlichkeit überschüttet. Auch hier in Delhi. Das mag an den Mädchen liegen und an der Offenheit der Inder Kindern gegenüber, Fakt ist, es tut gut.  Wenn man dann die schockierenden Nachrichten aus Paris hört, das Attentat auf die Journalisten und von Pegida in Deutschland, ist das alles nicht nur sehr schockierend, sondern schwer vorstellbar. Und aus dieser Perspektive fast unvorstellbar. 

Indien überrascht jeden Tag. Eine Wundertüte, wie die gesamte Reise. Bedient einerseits immer wieder Bilder, die man aus den Medien kennt: Müll, Gestank, Armut. Auch – wenn auch in gemäßigter Form – in Südindien. Aber man begegnet vor allem: offenen, hilfsbereiten Menschen, exotischen Düften, wahlweise Ziegen, Kamelen, Elefanten und Kühen auf der Straße, am Wegesrand, am Strand. Dazu Farben Farben Farben. Alles scheint zu leuchten. Die Frauen in ihren Saris meist so elegant, dass man sich selber wie ein graues Würstchen fühlt. Und dann dieses Strahlen, diese Freundlichkeit. Dagegen wirkt Deutschland doch recht blass.

Wir haben eine kleine Backwater-Tour gemacht. Und sind kurz ins grüne Indien abgetaucht. Herrlich, aber zu kurz. 

 


 

 

 

 

 

 Noch eine Anmerkung zum Essen: Wir mussten immer sehr viiiiiel Zeit mitbringen. Am besten, man bestellt schon mal nach dem Frühstück das Abendessen vor und geht nie, niemals, hungrig in ein Restaurant. Von Südafrika waren wir langes Warten auf das Essen gewohnt, aber Indien toppt das Ganze. Wir haben uns drauf eingestellt und verbringen die meiste Zeit in Cafés und Restaurants mit Spielen, Reden und Speisekarten-Meditation. Und im Gegensatz zum Indienklischee, jede Speise versinke in Soße, isst man im südlichen Indien vieles, gerne in Bananenblättern serviert, aber fast alles ohne Soßen und Chutneys. Anders als Nordindien, wo man gerne scharf isst und bei wärmeren Temperaturen einen Lassie dazu trinkt. Wir haben viele unterschiedliche Gerichte probiert, manche schmeckten fantastisch, andere weniger, niemand von uns ist bisher krank geworden und nicht nur die Erfahrung mit dem Essen zeigt uns: Am besten selber hinfahren und „Indien schmecken“. Denn jeder Geschmack ist anders. 

 

 

Wie auf der bisherigen Reise auch (und gerade) hier: jeder Tag neu, jeder anders. In Kerala  früh morgens die  Rufe der Männer, die mit langen Netzen und von Hand fischen. Ein fast archaisches Schauspiel. Alle paar Sekunden werden die Fischer, die das Pech haben, im  Wasser zu stehen , von einer riesigen Welle fast verschluckt. Das Prozedere dauert ca. eine Stunde. Heraus kommen ein paar wenige Fische, mit Glück ist auch ein größerer Tunfisch dabei, um den dann hinterher lautstark gefeilscht und gekämpft wird. 

 

 

 

Am Abend dann Männer, die sich schminken und zu Frauen mutieren. Helen hatte ein Plakat gesehen und ein Video dieser Tanzart, die Karthakali heißt. Und wollte unbedingt dahin. Es war grandios! Wir als einzige Zuschauer beim eineinhalbstündigen Schminkprozedere dabei gewesen. Die Augen der Mädchen wurden immer größer, als sie sahen, wie aus Männern Frauen mit bestimmten Rollen werden. Und auch hier: die Männer stellten Fragen, wir auch und es wurde viel gelacht.

 

 

 

 Mit den Ex-und Möchtegernhippies auf dem Felsen von Varkala, den vielen Shops und Russinnen im String-Tanga  hatten wir in unserem kleinen Paradies nur wenig zu tun. Mit Taschenlampe über Bäche hüpfend (in denen zum Teil Kühe baden) machen wir uns nach einem der seltenen Ausfüge ins touristische Getümmel auf dem Felsen von Varkala abends zurück in unsere kleine Hütte am Meer. An einen der fünf Tische im Sand. In die Ruhe. Kein Musikgedödel, nur Meeresrauschen.  Und Palmen, auf die die Jungs aus dem Ort barfuß klettern, um Kokosnüsse zu ernten. Während wir Nicht-Inder die Palmen profan für Hängematten nutzen, um darin ein wenig zu schaukeln. Antonia und ich machen abends Yoga am Strand, Frank und ich joggen am Morgen. Getrennt. Würde nie gemeinsam joggen, das erinnert mich an Paare, die mit dem gleichen Outfit zur Fitness und mit Handtüchern in derselben Farbe in die Sauna gehen. Jeder joggt zufrieden für sich. Frank von hier bis in die nächsten drei Ortschaften, über Cochin, Mumbay, Udaipur und zurück, ich – trabe ein bisschen barfuß am Strand. Die Mädchen bauen derweil keine Sandburgen mehr, sondern Tempel. Denn wir hören mehrfach am Tag den Muezzin. 

Nach der anregend-aufregenden Zeit in Cochin und dieser Woche sind wir auf jeden Fall tiefenentspannt und grunzend zufrieden. Und haben wieder Lust auf ein bisschen Anstrengung. Auch, weil wir mittlerweile die Memory-Karten aus dem Reisespiel aus dem Kopf nachzeichnen könnten, bei Double Kids nach wie vor verlieren und die Black Stories Teil 1bis 5 fast schon nachträumen. 

Also wieder auf ins Abenteuer. Indien – eine fantastisch aufregende Reise. Wir haben das Glück, noch ein wenig hierbleiben zu dürfen und weiter staunen. Egal ob im Süden oder Norden, auch wenn es im Norden kühler ist, temperturmäßig und vom Verhalten her. Man wahrt mehr Distanz. Aber Kontakt bekommt man immer noch. Auch wir werden viel fotografiert und bestaunt. Vor allem Helen. Sie trägt es mit Fassung und staunt zurück. 

In Agra ein Tempereratursturz von 15Grad. Hier ist Winter und alle sind vermummt. Wir laufen durch die Straßen und staunen. Es gibt so viel zu sehen! Esel, Kamele, Kühe auf der Straße, Friseure auf dem Bürgersteig, genauso wie Schuster. (Mehr dazu in der Galerie).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und dann – das berühmte Taj Mahal, leider im Nebel. Und dennoch großartig! Wie gut, dass wir einem Tipp gefolgt und hierher gefahren sind. Der erste Eindrucks dieses Bauwerks ist vergleichbar mit dem Anblick des Grand Canyon: man vergisst ihn nie. 

Mir gefallen auch die Besucher. Menschen aus aller Welt, die Stimmung ist entspannt. Und jeder möchte Auf die „Diana“-Bank. Und posiert natürlich einmal vor dem Postkartenmotiv…

 Die nächste Station ist Delhi. Leider nur kurz, dann müssen wir weiter. Indien – Du hast unser Herz erobert! Danke!

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7 Gedanken zu “Männer die fischen und Männer als Frauen

  1. Ralph sagt:

    Wir sind ab August auch auf Weltreise mit Kindern, für ca 10 Monate. Tatsächlich sind wir auch im Maathadil. Wie ist es dort zum Essen gehen?
    Kann man zum Felsen von Varkala laufen? Oder woanders hin?
    Danke und viele Grüße

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    1. Hallo Ralph, im Maathadil kann man hervorragend essen, fanden wir. Frischen (vom selben Tag, man kann sogar beobachten, wie der Fisch am Morgen von Hand mit Netzen gefangen wird!), und ganz herrliche Currys, Smoothies und Bananen-Pancakes, die die Mädchen immer zum Frühstück gegessen hatten. Die Küche des Maathadil ist sehr klein und man kann jederzeit einen Blick hineinwerfen. Der Koch und überhaupt alle Angestellten waren sehr nett und haben die Mädchen ab und zu in den Hängematten geschaukelt. Man sitzt dort ganz wunderbar unter Bäumen mit den Füßen im Sand. Zum Felsen von Varkala sind wir immer zu Fuß gegangen, am besten Taschenlampen mitnehmen, da die Strecke zum Teil sehr dunkel ist, es kleine Stufen gibt, die nicht beleuchtet sind und ab und zu im Dunklen Kühe auf dem Weg liegen. Eine schöne Zeit in Indien und überhaupt –
      eine tolle Reise!

      Gefällt 1 Person

      1. Ralph sagt:

        Vielen Dank, das hört sich toll an. Ich nehme an, das Essen ist preislich in Ordnung, oder?
        Leider ist das Budget ja endlich.
        Danke und viele Grüße :-)

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      2. Ja, wir mussten auch aufs Geld gucken, und das Essen im Maathadil ist absolut bezahlbar (in Varkala selbst, das ja sehr touristisch ist, ist es zum Teil nicht so gut gewesen und teurer, wir haben deshalb am liebsten „bei uns“ gegessen… :-) – genauso wie die cottages/Bungalows, die wir preislich auch ok fanden. Es gibt natürlich preiswertere Bungalows in Südindien, aber diese sind sauber, und sie liegen sehr schön in einem Garten direkt hinter dem Strand. Es gibt Hängematten zwischen den Palmen und die Mädchen konnten sich gefahrlos frei bewegen, auch alleine, weil sie sich so wohl gefühlt hatten. Wir sprechen heute noch ab und zu vom Maathadil, den fantastischen Sonnenuntergängen und dem leckeren Essen dort … :-)

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  2. Ute sagt:

    Hallo, ich lese gerade euer tolles Buch. Ich bin grad in dem Varkala-Kapitel. Hat das Hotel (Maathadil C.) einen Pool? Das kann ich nirgends herausfinden. Viele Grüße aus Hannover!

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    1. Nein, das Hotel hat keinen Pool. Es handelt sich um eine Ansammlung von kleineren, einfachen, aber sehr netten Bungalows, die ca. 50 Meter entfernt vom Meer liegen. Im Garten gab es allerdings einen größeren Seerosenteich, aber nicht zum baden. :-)
      Wir haben uns sehr wohl gefühlt in dem kleinen Guesthouse und fanden vor allem das kleine Restaurant mit den Holztischen im Sand sehr schön und das Essen ausgezeichnet! Viel Vergnügen noch bei der weiteren Lektüre!

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  3. Andreas sagt:

    Im Dunst des Nebels sieht es noch großartiger und mystischer aus – fast wie eine Fatamorgana (das ist jetzt aber eher ein Wüsten-Phänomen

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