vier sind mal welt

WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

Noch zwei Tage zusammen mit der Welt Subway fahren dürfen. Noch zwei Tage  in einer der aufregensten Städte  der Welt Menschen  und deren Bewohner beobachten dürfen. Noch zwei Tage jauchzen und sich freuen über das Glück, mal wieder in New York zu sein. Hier kann es einem passieren, dass Woody Allen neben einem Erdbeeren kauft. Oder George Clooney seinen Kaffee am Nachbartisch trinkt (für jene, die so etwas interessiert: Letzterer dreht gerade hier, seine Frau ist auch in der Stadt und vor zwei Tagen waren die Schwiegereltern zu Besuch und sie waren als  Neu-Familie in „unserem „Viertel speisen, doch dazu später).

Typisches „Wochenendhäuschen“ in East Hampton

New York besteht ja im Grunde aus mehreren New Yorks, Manhattan kennt man, Brooklyn wird sowieso immer bekannter, aber auch Harlem, New Jeresey  und Queens gewinnen an Popularität. Und Long Island nebst Hamptons sind für den Mew Yorker das, was für den Pariser Deauville ist. In Wochenendrefugium, eine kleine, edle Oase zum Aufatmen, Luft holen, Meeresbrise tanken. Wir also, nachdem wir unser Wohlfühlapartment in Brooklyn verlassen hatten, ab nach Long Island. Und dort natürlich stilecht in die Hamptons. Zwei Stunden Autofahrt von Manhattan, bzw. Brooklyn. Wir wohnten in Montauk, einem Örtchen an der Spitze Long Islands, ein ehemaliges Domizil von vielen bekannten Schriftstellern. In einer Art Motel mit Ausklappsofa, aber ein normales Hotel war in der Gegend nicht drin. Dafür lag die Unterkunft am Strand. So konnten wir jeden Morgen an den Villen vorbei joggen, ein kleiner Luxus. Die Strände der Hamptons sind breit, die Häuser stehen in gebührendem Abstand zueinander und Holztreppen führen von der Terrasse an den Strand. Der meist fast menschenleer war, denn die Saison hat noch nicht begonnen. Ab und zu kamen uns sonnenbebrillte, teuer gekleidete Gestalten entgegen. Ich musterte sie verstohlen: Steven Spielberg? Hat der hier auch ein Haus? So wie Robert de Niro. Sarah Jessica Parker? (Ebenfalls). Das Merkwürdige war, egal, wer einem entgegen kam, ob prominent, steinreich oder nicht, jeder, wirklich jeder, grüßte, wünschte einen schönen Tag oder begann ein Gespräch. Und jene, mit denen wir sprachen, wohnten meist in den Hamptons, bzw. hatten dort ein „Wochenendhaus“. Eine Riesenhütte. Manche der Hampton Bewohner sprachen  die Mädchen an, so kamen wir ins Gespräch, andere hatten einen Hund, den die Mädchen streichelten, andere sprachen einfach nur über das Wetter und wünschten uns einen fantastischen Tag. Manchmal redeten wir über unsere Weltreise und das Interesse war jedes Mal riesig. Dass man mit Kindern zusammen die Welt entdeckt und sich einen Traum erfüllt, das scheint bei den Amerikanern, die wir hier kennen lernen, so ein großes Thema, dass wir, wären wir länger geblieben, wahrscheinlich heute noch darüber reden würden.

Auf dem Lande in New York

Egal ob in irre teuren Nobelboutiquen, wo dann der Chef dazu gerufen wurde um mitzuhören oder nach dem Joggen am Strand, ob beim Spielen mit den Kindern, beim Eis holen – wir kamen überall ins Gespräch. Und niemand in den Hamptons, der Champagner schlürfend vor einem Cafe sitzt. Zwar ist die Porsche, Bugatti, Maserati und Lamborgini-Dichte extrem hoch, im Grunde sieht man keine normalen Autos, wir mit unserem Ford Fiesta und der Nepal-Kleidung fielen da etwas aus dem Rahmen, aber alles wirkt – entspannt. Man zieht sich zurück. Und zeigt nicht was man hat.  Wir hätten noch länger bleiben können. Es war nicht nur wunderschön, sondern eben auch sehr nett aufgrund der vielen kleinen Begegnungen. In Manhattan war Sommer, in den Hamptons war es kühl mit nur sechzehn Grad, auch wenn meist die Sonne schien.

 Nach Brooklyn und den Hamptons dann also endlich: Manhattan! Ich hatte uns ursprünglich ein Apartment in der Lower East Side gebucht, doch das hatte der Besitzer verkauft, teilte er uns mit. Ich buchte also etwas Neues, auch im Süden, nur auf der anderen Seite. Im südlichen Chelsea, in der Nähe der High Line. Das Viertel mag ich sehr, wie überhaupt allgemein den südlichen Teil Manhattans. Wir  fahren also erwartungsfroh zum Apartment .  Ein gewisser Jon  soll uns laut Vermieter der Wohnung in Empfang nehmen und will in der Wohnung auf uns warten. Das tut er auch. Und empfängt uns mit frisch gewaschenen, noch feuchten Haaren, ein paar Plastiktüten mit seinen Sachen und einem vollen Kühlschrank. Bis eben hat er offensichtlich noch in der Bude gewohnt. Nun muss er kurz raus für die Tage die wir dort sind, hat mal schnell durch gefegt und ist wahrscheinlich zum Kumpel gegangen. Der Vermieter kassiert unser Geld, Jon kriegt einen kleinen Teil und fertig ist die Lauge. Leider für uns nicht. Denn wir finden nicht nur einen randvollen Kühlschrank, sondern auch Verhütungsmittel und dreckige Socken unter dem Bett, lauter Privatzeugs in allen Schränken und fingerdicken Dreck in jeder Ecke. Im Bad fallen die Kacheln von der Wand, Zigarttenabdrücke in der Wanne und der Badezimmerteppich ist noch nass von Jon, der noch geduscht hst, bevor wir kamen. Wir haben in Indien auf dem Boden geschlafen und in Nepal bei Minusgraden ohne Heizung, aber das ist zuviel. Zumal für den Preis. Wir fühlen uns verarscht. Auf der ganzen Reise haben wir nur gute Erfahrungen gemacht, in New York bisher auch, und nun, am Ende, diese Enttäuschung. Ich mache erstmal die Pulle Crement auf, die ich von dem netten Weinhändler in Montauk mitgenommen habe. Frank und ich überlegen. Die Mädchen schlafen. Wollen aber am liebsten fort. Wir auch. Doch was tun? Das Apartment ist bereits in voller Höhe bezahlt. Wir beschließen, am nächsten Tag umzuziehen. Wohin wissen wir natürlich nicht. Ich rufe am nächsten Morgen die Agentur an. Draußen klettert das Thermometer auf 28Grad, es wird wieder ein fantastischer Tag in Manhattan und wir – stornieren die Wohnung. Und sitzen ohne Unterkunft in Manhattan. Der Besitzer des Apartments mailt mir, er sei wütend, will Beweise sehen, behauptet, ich würde lügen, ein Reinigungsunternehmen sei kurz zuvor da gewesen. Ha ha, seit Monaten (Jahren?) hat die Bude keinen Wischmopp gesehen. Wir rufen bei der Agentur an, über die wir die Wohnung gebucht haben. Vor lauter Wut und Verzweiflung kann ich kaum noch Englisch reden. Doch die Amerikanerin am anderen Ende der Leitung ist sehr geduldig. Ich soll sofort Fotos schicken, sie würden das Ganze prüfen. Wir machen Beweisfotos. Die Mädchen sind großartig, quengeln nicht, verstehen den Ernst der Lage, sie spielen. Es wird immer heißer in der Bude. Dann bekomme ich eine Mail: die Agentur hat die Fotos überprüft und entschieden. Ich bekomme fast das gesamte Geld zurück, sie haben es bereits auf mein Konto überwiesen. Außerdem einen Gutschein über 500€ für eine nächste Buchung und die erste Hotelübernachtung bezahlt, ich solle die Quittung einreichen.  Unsere Laune steigt wieder, doch trotzdem haben wir noch keine Unterkunft. Wir suchen im Süden Manhattans, doch es gibt nichts. Nichts frei oder absurd teuer. Sehr schweren Herzens ringe ich mich also dazu durch, in den Norden Manhattans zu ziehen, in die Upper West Side. Ich heule fast, als ich das Hotel buche. Das mag verrückt klingen für jene, die New York kennen, denn die Upper West liegt direkt am Central Parc und ist einer der teuersten Wohngegenden Manhattans, aber ich finde: langweilig. Kein Vergleich zum Süden! Wir packen also unsere Sachen. Stellen uns vors Haus und rufen ein Taxi.

Umzug in Manhattan

Als wir die Gegend verlassen und gen Norden fahren, Richtung Central Park, wieder eine typische New Yorker Reaktion: wo kommt Ihr her, was habt Ihr erlebt, Frank, der vorne sitzt, beginnt mit dem Taxifahrer eine lebhafte Unterhaltung, während ich etwas traurig die Leute betrachte, an denen wir in Chelsea vorbeifahren. Weg aus der tollen Gegend, das ist schmerzhaft, außerdem haben wir während der ganzen Reise bis auf ganz wenige Ausnahmen, kein Hotel gehabt. Unsere Essenssachen schenken wir einem Obdachlosen. Wir denken etwas sehnsüchtig an unser Apartment in Brooklyn zurück. Das Hotel ist teuer, schick und ok. Das Positive: Frank und ich können jeden Morgen im Central Park joggen! Hurra! Und das ist – wie ein Geschenk des Himmels! Und wir halten uns hier in der Gegend nicht lange auf, nur am Morgen, zum Joggen und anschließenden Frühstück, denn es gibt einen sehr netten Grocery Store und ein kleines netes Cafe, ansonsten fahren wir im Central Parc Fahrrad, was großen Spaß macht oder am Hudson, was aufregend ist und mit der Subway meist Richtung Downtown. Schlendern über die Highline, liegen dort im Liegestuhl und Antonia löst Matheaufgaben, bummeln durch schräge Boutiquen im Meat Packing District und East Village, beobachten Hip Hopper am Washington Square, einer meiner Lieblingsgegenden und gehen unauffällig auffällig am Wohnhaus von Sarah Jessica Parker vorbei. Nachdem ich virher unaufällig auffällig am Drehort von Sex and the City virbei gelaufen bin und mit den Mädchen in der Magnolia Bakery war. Musste sein! :)

Am Hudson

 

Scheint genetisch bedingt…

Es gibt immer was zu gucken

Auf dem Rockefeller Center, auf das wir einen Abend fahren, dann ein sehr nettes Erlebnis: jemand ruft meinen Namen. Und dann noch einmal. Ich drehe mich um und sehe zwei ehemalige Kollegen vom ZDF. Herzliche Begrüßung. Wir quatschen, irgendwann geht die Sonne  unter und ich verspreche, bald mal wieder im Studio vorbei zu kommen. Und Antonia zeigt das Foto von ihrem Kuscheltier, das sie von  jenen ZDF-Kollegen zur Geburt geschenkt bekomen hatte und das nun mit auf die Weltreise gekommen ist…Der Abend auf dem Rockefeller Center,  wieder so ein Moment, den man sicher nicht vergisst.

 

Die Welt ist klein. Und New York repräsentiert einen ganz  besonderen Teil dieser Welt. Alle Nationen sind hier versammelt. Es gibt wohl kaum eine Stadt, die einen emotional so packt wie New York. Die Sirenen der Feuerwehr heulen schrill und infernalisch, Autos hupen, Menschen hasten, Müll stapelt sich in den Straßen, die Subway rumpelt und quietscht, es mufft. Auf der anderen Seite: extrem zugewandte Menschen, die einen sogar ansprechen und einem helfen, bevor man selber weiß, dass man Hilfe braucht. Menschen in Anzügen, mit Chauffeur, Straßenarbeiter, Verkäufer, egal. Alle, wirklich alle helfen und sind extrem freundlich und neugierig. Interessiert. Dann die ruhigen Viertel, das Kopfsteinpfladter, due Brownstonehöuser mit Eisentreppen, wie man sie aus Filmen kennt, die vielen neuen Fahrradwege, die kleinen grünen Zonen, die sich die New Yorker geschaffen haben, die unzähligen  Roof Top Cafes, die neuen Promenaden am Hudson und East River, der Geruch vom Meer, der Central Park. Ach, wie herrlich ist New York!

Shooting mit Top Model Karlie Kloss

Kultur darf natürlich auch nicht fehlen! Das MoMA macht immer wieder Spaß, vor allem die fantastischen Bilder in all ihren Farben.

Noch zwei Tage, dann geht es zurück in die Heimat. Für uns fühlt es sich an, als seien wir ein Jahr fort gewesen. Zeit vergeht bekanntermaßen sehr viel langsamer, je mehr man erlebt. Für uns war jeder Tag dieser Reise neu und aufregend, ein  Abenteuer, oft  anstrengend, aber niemals langweilig , sondern immer eine Herausforderung. Im Alltag rast die Zeit in jenen Wochen dann wieder, in denen nichts Aufregendes passiert. Daran werden wir uns gewöhnen müssen. Dass man  irgendwann vielleicht feststellt: huch, schon wieder ein Monst rum? Oder fünf Monate? Ging ja schnell. Die Vorstellung ist etwas beängstigend. Wir hoffen aber,  das passiert nicht so schnell. Und wir freuen uns sehr auf unsere Freunde! Erste Dates stehen bereits und Einladungen – vielen Dank dafür! Das macht es auf jeden Fall leichter zurück zu kommen. Und die Arbeit wartet, darauf freuen wir uns auch, Frank und ich. Und die Mädels freuen sich eh auf alles: auf die Freunde, die Kuscheltiere, die Fahrräder, die Roller, die Kita , die Schule, Budni… Und müssen das Ganze wie wir auch erst einmal etwas verarbeiten. Außerdem: auf Dauer die Eltern als Lehrer zu haben, nervt sicher irgendwann. Und wir sind auch froh, dass der Unterricht und die Klassenarbeiten dann wieder in professionelle Hände übergehen.

Hamburg ist nicht New York und schon gar nicht die Welt, auch nicht das Tor dazu, aber seit langer Zeit und bis jetzt unsere Heimat. Und deshalb ein guter Ort. Und New York – wir kehren zurück. Und nehmen erstmal ein großes Stück von Dir mit, in unserem Herzen. Die kleine große weite Welt, wie wir sie erlebt haben, die ist da eh schon drin. Muss jetzt nur noch etwas sortiert werden.

 

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2 Antworten auf „Hach, New York, hach Welt!

  1. Elli sagt:

    Toller Artikel :) Ich freue mich immer wieder über New York zu lesen. Aus verschiedenen Perspektiven über die Stadt zu lesen, eröffnet stets eine neue Erfahrung. Als nächstes will ich nämlich nachhaltig reisen nach in die Stadt, die nie schläft. Das wird sicherlich ebenfalls neue Perspektiven mit sich bringen. Danke euch für das Teilen eurer Reise.

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  2. Silke sagt:

    Geniesst die letzte Zeit und habt eine gute Ankunft zu Hause! Wir denken ganz viel an Euch, nicht nur in diesen „letzten“ Tagen und wir freuen uns schon sehr auf die Stunden, wenn Ihr erzaehlt!

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