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WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

Wir haben tatsächlich angefangen zu reisen und die Heimat ist nach den elf Stunden Flug nicht nur physisch sondern auch mental weit weg. Wie sehr, wird uns klar, als wir morgens in Thabazimbi unterwegs sind,  unserer  kurzzeitigen  Heimat in Limpopo. Wir wollen ein paar Dinge besorgen und umfahren gerade die mittlerweile bekannte Baustelle, bestaunen wie immer die Frauen, die Reisig und allerlei andere Dinge auf dem Kopf transportieren, als Franks Mobiltelefon klingelt. Moin aus Dithmarschen. Ein Kumpel, der nebenbei ein paar Gänse hält und den Termin für die jährliche Weihnachtsgansübergabe klarmachen will. Wir haben 31 Grad, die Klimanlage im Auto läuft auf Hochtouren und Weihnachten ist für uns gerade  so weit entfernt wie der Mars. Doch plötzlich platzt wieder die Heimat mit all ihren Traditionen in unseren neuen südafrikanischen Groove. Verrückte Welt. Ich liebe Weihnachten. Aber dieses Jahr, nein.. Kein „oh Tannenbaum.“ Einmal, ein einziges Mal im gesamten Leben wird das Fest anders und in der Ferne zelebriert. Sogar die Mädchen reden in diesen Tagen kaum von Weihnachten.  Na gut, ich gebe zu: ich habe drei oder vier Pixi-Weihnachtsbücher eingepackt. Und doch – das himmlische Fest steht vor der Tür. Auch hier. Oder gerade hier?

Im südafrikanischen Supermarkt tönen amerikanische Weihnachtsliede aus den Lautsprechern, die Kassiererinnen tragen blinkende Schneeturbane und mein Blick fällt auf Christmaskrackers, die wir sicher kaufen werden für Heiligabend. (Knallbonbons, die hier wie in England auch, an Weihnachten anscheinend gern zum Einsatz kommen). Über Weihnachten sind wir in Kapstadt. Und werden sicher in die Kirche gehen. In einen Gospelgottesdienst. Aber bis dahin ist noch sehr viel Zeit…

Was uns immer wieder verwundert und dabei eine ungeheure Entspanntheit mit sich bringt ist die Tatsache, dass wir nicht wie sonst zwei oder drei Wochen reisen sondern viele viele Wochen, bzw. mehrere Monate. Das ist immer noch ungreifbar.  Dass wir für Monate nicht nach Hause kommen werden. Vieles, was sonst wichtig ist auf den kürzeren Reisen, verliert dadurch an Bedeutung. Das Wetter zum Beispiel. Wir bereisen mehrere Kontinente und Klimazonen, da ist im Grunde jedes Wetter spannend. Und Helen akzeptiert auf dieser Reise sogar, dass sie keine Abendmilch mehr bekommt wie zu Hause. Hurra!

Langsam setzt bei Frank und mir die Gesundung ein. Wir sind noch immer etwas kraftlos und ziemlich vergrippt, aber es wird besser. Denn das Afrika-Virus hat uns gepackt. An der Uni habe ich damals erfahren, dass  wohl jeder seinen zweiten Kontinent hat, für den das Herz schlägt. Bei mir war es immer Afrika. Das südliche Afrika. Marokko und Tunesien sind faszinierend und ich würde jederzeit wieder hinfahren, vor allem nach Marokko und ganz bestimmt noch einmal nach Essaouira, von dem Frank und ich so angetan waren, aber mein Herz schlägt für das südliche Afrika. (Und Neuseeland kenne ich noch nicht. Habe so die Vermutung, dass es das südliche Afrika noch schlagen könnte, aber mal gucken….).

Vielleicht, weil die Landschaft hier so grandios ist. So faszinierend abwechslungsreich wie das Wetter. 2000Meter hohe Berge, Steppe, rote Erde, leuchtendes Grün, satte Farben wohin man sieht. Eher aber, weil die Menschen so freundlich und entgegenkommend sind. Obwohl die meisten von ihnen zu jenen gehören, die in townshipartigen Behausungen leben, in Wellblechhütten, denn eine Mittelschicht gibt es hier nicht. Entweder ganz oben oder ganz unten. Die meisten zählen zu den Letzteren.

Die Mädchen nehmen das alles mit Staunen und Neugier zur Kenntnis. Ganz ohne Wertung. „Guck mal, die Frau trägt ihr Baby auf dem Rücken und eine Tasche auf dem Kopf.“ Oder, wenn wir zum unzähligsten Male Menschen fast reglos unter Bäumen  sitzen sehen oder an der Straße: „Die warten bestimmt auf den Bus. Oder auf den Papa und der kommt gleich und holt sie ab.“

Obwohl in Reiseführern immer wieder gewarnt wird und uns der Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen gebetsmühlenartig wiederholte: „oh oh, die Gegend bei Johannesburg, da ist es gefährlich. Gehen Sie da nicht hin. Oh oh…“ (Er selbst kam aus Indonesien und war noch nie in Südafrika gewesen), fühlen wir uns sehr wohl. Und sicher. Mein zwanzig Jahre alter Stoffbeutel aus Indonesien kommt hier super zum Tragen. Der Daypack blieb bisher zu Hause. Mit Beutel fühle ich mich einfach wohler – und sicherer. Neulich Abend kam eine Kellnerin hinter mir her gerannt und wedelte mit etwas. Ich hatte meine neue Spiegelreflexkamera am Stuhl hängen lassen…

Man könnte den ganzen Tag fotografieren: Zum niederknien beeindruckende Natur. Entspannte Mitmenschen und erstaunlich wenig Touristen, obwohl die Sommerferien hier gerade begonnen haben. Wir sind oft die einzigen Touristen vor Ort und fragen uns, wo die anderen alle sind. Im Süden am Meer vielleicht. Hinzu kommen verrückte Wetterphänomene: Hitze, blauer Himmel, Schäfchenwolken. Plötzlich Wind, dunkle, fast schwarze Wolken, heftiges Gewitter und sintflutartiger Regenschauer, gepaart mit einem Temperatursturz um 15Grad. Das passiert innerhalb von zwei Stunden. Dann wieder alles wie vorher.

Und dann, hola, die Tiere! Der Zoo Hagenbek in Hamburg, toll. Sofern man noch nie in Afrika war.  UndWildtiere in der freien Natur erlebt hat. Affen , die einem das Brot klauen. (Ok. Ätzend. Nervig. Der Kampf gegen Affen und Insekten, lebende Flugobjekte, die hubschrauberartig brummen und fast vogelartige Ausmaße haben….die Insekten sind unangenehm, stören uns aber nicht so sehr, aber die Affen).

 

http://www.sanparks.org/parks/marakele/

Nachts Tiergeräusche, die einen sehr aufmerksam werden lassen. Im fantastischen Marakele National Park (whow! Die Landschaft eine Mischung aus Joshua Tree und Monument Valley, nur grüner), wohnen wir in einem Zelt mit Holzfußboden, Wc und Dusche direkt an einem romantischen See, fehlen nur noch Robert Redford und Meryl Streep und die Flamingos. In diesem Nationalpark laufen uns zunächst Zebras über den Weg und die unvermeidlichen aber auch sehr schönen Impalas. Wir bestaunen die Landschaft und holpern über roterdige Puckelpisten. Sehen Elefanten, Strauße und Hängebauchschweine und dann längere Zeit nichts. Dafür fantastische Lanschaftseindrücke. Wir steigen aus, kommt ja kein Schwein (haha), Frank macht noch ein paar Fotos, als er plötzlich flüstert: „ganz schnell und leise ins Auto zurückziehen. Sofort.“ Wir kichern, doch er wirkt irgendwie sehr entschlossen. Und ernst. Und springt förmlich auf seinen Sitz. Dann sehen wir sie auch. Hinter der Kurve stehen zwei Nashörner.  Gucken uns an. Wir gucken zurück. Als wir uns mit dem Auto ganz langsam nähern, entschwinden die Nashörner im Gebüsch. Genug Zeit dennoch, um sie zu betrachten. Die Mädchen sind beeindruckt von den Stoßzähnen. Kurz darauf kichert Helen: „Ich stell mir grad vor wie das Nashorn pupst.“

 

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