vier sind mal welt

WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

 

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Hochalp – oder Horizont?

Juist StrandkörbeSchnee oder Strand? Berg oder Meer? Die Wahl fällt – mir zumindest – oft schwer, vielleicht, weil ich als Kind jahrelang in den Bergen gewandert bin, vielleicht, weil ich, wie viele am liebsten beides hätte: vor der Tür das Meer und im Rücken die Berge. Dieses Mal jedoch stellte sich die Frage gar nicht erst, denn für den ersten Teil eines neuen Films flog ich direkt vor unserem Urlaub auf einer Nordseeinsel zum drehen spontan in die Schweizer Alpen. Gerade saß ich noch in Hamburg bei Regen und Wind, um einen Tag später bei klarer und sehr dünner Luft mitten in den Schweizer Alpen auf Geröll rumzurutschen. Zusammen mit einigen Arbeitern, die eine Skipiste bauten, meinem Kamerateam und unserer Ausrüstung. Was fehlte, war Sauerstoff. Wir drei aus der nordischen Tiefebene japsten und quälten uns, im Wechsel war uns zunächst schwindelig oder wir bekamen keine Luft, während die drahtigen Schweizer Männer wie die Bergziegen vor uns her sprangen. Wieso geht einem schon auf schlappen 3000 Metern die Puste aus? Lags an der Schwere des Stativs? An der Sonne? An den Sinnen? Oder – oh Graus – etwa am Alter? – Was auch immer es war, irgendwann gewöhnten wir uns tatsächlich an die Höhe und die Luft und genossen nebenbei den fantastischen Ausblick, vor allem bei der Runterfahrt mit Sessellift und später Seilbahn…

Natürlich dürfen auch Kühe im Film nicht fehlen, und die Schweizer Kühe schien zu ahnen, dass wir aus dem hohen Norden kommen und keinen blassen Dunst von ihrem Seelenleben haben, deshalb erzählten sie uns erstmal vom Pferd, äh, von der Kuh…Dass auch die Schweizer Skipistenbauer nicht alles per Sessellift und Superkraft transportieren, konnten wir am Abend live miterleben und filmisch festhalten, denn ein Teil des Baumaterials holten sie per Helikopter ab. Die Sonne ging gerade über den Alpen unter, der Schnee glitzerte, und ich beneidete meine Schweizer Protagonisten, dass sie diesen Anblick jeden Tag genießen dürfen, ein ganz kleines bisschen zumindest…

Schweiz Heli Foto 1

Schweiz Heli Foto 2

Vor dem Arte-Dreh waren wir vier noch hier – mit Freunden auf ihrem Boot auf der Ostsee. Antonia und Helen waren happy: endlich wieder segeln dürfen! Hurra! Und am riesigen Ruder stehen, das Boot alleine (!) unter der Fehmarnsundbrücke durchsegeln. Mit 5 Knoten. War das ein Spaß! Und dann erst das Schlafen in der gemütlichen Koje. – Bei Momenten wie diesen stellt sich die Frage nach Meer oder Bergen nicht, für mich zumindest. Die Antwort liegt auf dem Wasser…Danke nochmal für diesen wunderschönen Tag!

 

Nach dem Arte-Dreh in den Alpen nun Flachland. Genauer: Töwerland. So nennt sich Juist, die längste Sandbank der Nordsee. 17 Kilometer strandlang, 500 Meter schmal. Dazwischen: ein paar Häuser und vor allem: Pferde. Denn Autos gibt es auf Juist nicht. Stattdessen Kutschen und „Pferdebusse“. – Herrlich. Schon die Anfahrt eine kleine Reise, denn wir Damen (Antonia, Helen und ich) fuhren mit dem Zug. Und wer mit dem Zug fährt, weiß, das allein ist Abenteuer pur. Der erste Zug fuhr verspätet, weil….man weiß es nicht. Der zweite Zug fuhr pünktlich und vor unseren Augen weg. Also Aufenthalt vor dem Bahnhof in Bremen mit Gestrandeten, die morgens um 11h darüber diskutierten, ob Wodka leckerer mit Gin schmeckt oder mit Rum. Und eben jenes gleich ausprobierten. Danach ging irgendwann weiter nach Norddeich Mole. Und dann aufs Schiff. Das im Zickzackkurs fuhr und irgendwann gar nicht mehr, weil die Ebbe stärker war als gedacht oder die Flut zu schwach, oder so ähnlich: Kommentar des Kapitäns: „Ich kann Ihnen mitteilen, dass wir soeben die schwierigste Stelle passiert haben. Die nächste Stelle, die jetzt kommt, wird noch schwieriger.“ Irgendwann am Abend kamen wir auf Töwerland, bzw. Juist an, und wie immer seitdem wir hier sind, geht die Sonne als glutroter Ball über dem Meer unter. Schön is dat!

J Anfahrt

Antonia und Helen waren entzückt (ich auch, obwohl ich weder reite noch ein Pferd als Haustier halten möchte), als wir die vielen Kutschen und Warm-und Kaltblüter erblickten. Man merkt sofort, irgendwas ist anders. Denn: Es riecht nach Pferd. Aber auch: Nach Salz, Buschrosen, Sanddorn, Wiesen, frischer Luft – kurz: nach Natur. Und still ist es. Friedlich. Morgens werden wir vom Geklapper der Pferdehufen geweckt. Und gehen kurz auf den Deich am Watt, Weite atmen und Vögel beobachten. Der Strand auf der Meerseite ist so breit, so weit, so weiß und so leer, zum in-die-Luft-Springen….Und dann die Kutschen überall und KEINE Autos und der endlose Strand und unser Haus am Deich und die Sonnenuntergänge jeden Abend, so schön, dass man gleich nochmal in die Luft springen kann (hier ein paar Impressionen):

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In Juist habe ich mich ein bisschen verliebt. In die Ruhe, in die wundersame Natur, die aus endemischen Bäumen, die es hier gibt, in die Deiche, die Dünen und die Wildgänse, aber auch in die knorrigen Landsleute. Heute wollte ich für uns nach Kuchen fragen, es war schon spät, also nach 15h, was für den Juister schon fast Abendbrotzeit ist und stammte ein wenig mit Blick auf die Herren am Tresen und dem Blick auf das Alkoholsortiment im Regal: „Es ist ja schon spät, ich weiß, und deshalb haben Sie sicherlich keinen Kaffee oder Kakao mehr. Und Kuchen, ok, der ist nicht so wichtig, also den brauchen wir auch nicht, aber vielleicht, äh….“ Die kräftige Dame hinterm  Tresen musterte mich intensiv: „Wenn Sie irgendwann fertig sind und ausgesabbelt haben, sag ich Ihnen mal was: Also, wir haben Käsekuchen, Sanddornkuchenkuchen, ….und da liegt die Karte.“

Wir fahren viel Fahrrad, ich jogge morgens auf dem Deich hin in den Ort, um Brötchen zu holen („Schmeckt das denn auch wirklich?“ fragt mich der junge Bäcker, und ich kann nur sagen: „Ja, das sind die besten Brötchen und Croissants, die wir seit Jahren gegessen haben!“ und meine es genauso!), und laufe durch den Naturpfad zurück.    Wenn wir nicht am Strand oder auf dem Deich oder im Dorf sind, sind wir im Meerwasserbad, mit Rutschen und Pi Pa Po, und ich auf dem Dach desselbigen, in der Sauna mit Weitblick übers Meer. Und am letzten Tag wollen wir ins Kino gehen. Dort soll es einen Tischservice geben. Wenn das Lämpchen an ist, kommt ein Kellner und fragt nach Getränkewünschen. Das ist schön. Und das ist Juist, die Insel, in die man sich ganz schnell verlieben kann.

Juist Strand Totale

 

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