vier sind mal welt

WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

Wenn man jetzt einmal durch die Erde bohrte, würde man zu Hause am Küchentisch landen. Naja, fast. Vor fünf Tagen sind wir in Neuseeland angekommen. In „Mittelerde“ sozusagen, dem Setting der Hobbitepisoden aus „Herr der Ringe“. Inmitten von satt grünen Hügeln, Meter hohen Farnen, Palmen und Riesenbäumen. Gerade Straßen gibt es kaum, dafür viele Hügel und Berge und hinter jeder Kurve ein neuer Anblick, der einen zum Staunen bringt.

In Australien hatten wir die Kameras nicht mehr oft in Gebrauch. – Easy. Das Wort welches wir  dort am häufigsten hörten und das im merkwürdigen Kontrast stand zu dem, was wir erlebt haben. Die vielen Verbotsschilder zum Beispiel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Cafes auf Parkplätzen aber selten am Meer. Ganz zum Schluss haben wir dann doch noch einen Campingplatz am Meer gefunden. Ohne Plastikplanen unserer Campernachbarn, denn die konnten wir nicht sehen, aber wie immer mit Kampfhunden. Wir waren die einzigen ohne Plastikplanen und haben umsomehr den Ausblick genossen, bis der nächste Platzregen kam…

Am letzten Tag am Flughafen wollen wir uns wie immer einen Trolley holen. Frank kommt jedoch ohne zurück: 4$  stand auf dem Schild am Trolley. Natürlich Easy mit Kreditkarte zahlbar. Also schleppen wir. Wie alle anderen auch. Wir sehen Frauen schwere Taschen und Kinder-Autositze tragen, eine lange Schlange Schleppender bildet sich und wir schleppen mit. Und denken spontan an den Aufkleber, den wir auf australischen Autos gesehen haben: darauf die australische Flagge und der Spruch „love it or leave it!“

 

Am Flughafen in Auckland wird der Neuankömmling mit Maoriklängen begrüßt. Und am Tiny House von unserer Gastgeberin Lucy – ebenfalls in Auckland – hängt ein kleines Metallschild: welcome. Daneben sitzt Kater George und freut sich über neue Gäste, vor allem über die kleinen, mit denen er spielen kann und sie mit ihm. Unsere erste Unterkunft ist ein umgebauter Trailer mit Namen „Cedric“, der im Garten von Lucy steht. 

 

Lucy ist handwerklich ziemlich begabt und baut zusammen mit ausländischen Studenten, die immer mal bei ihr wohnen, aus alten Dingen Neues. Den Trailer hat sie selbst umgebaut. Er ist winzig klein, aber alles ist vorhanden: ein Bad, zwei Doppelbetten unterm Dach, eine MiniKüchenzeile, und vor allem: viele Spiele für die Kinder. Im Garten eine Schaukel, ein Trampolin und vor der Haustür eine Art Regenwald. Riesen Farne, die zum Teil in den Gärten stehen, Palmen und Bäume, deren Wurzeln über Steine wuchern. Hunde gibt es hier viele, jedoch keine Kampfhunde. Die Gartentore stehen offen, die Menschen grüßen freundlich, es wirkt ein bisschen wie im Hobbit-Wunderland. Die Straßen steil und der Blick beim Joggen auf Auckland fantastisch. Ich komme kaum zum laufen, zum einen, weil die Straßen so steil sind, zum anderen, weil ich immer wieder fasziniert glotze auf üppige Gärten, Blüten, Pflanzen.  

Was sofort auffällt: panzerartige Autos sieht man hier nicht, stattdessen Modelle älteren Jahrgangs. Und viele alte, bunt bemalte VW-Busse. So bunt wie die Häuser. Die meisten aus Holz und in zarten Pastellfarben. Mit üppigem Gewächs davor.  Es ist, als sei man auf einen völlig anderen Planeten geschossen worden. In einer Art Wunderwelt.

Bei Pippi Langstrumpf und Rotkäppchen und dem kleinen Hobbit. Hinter jeder Kurve ein neuer, faszinierender Anblick. Hügel, Berge, Blicke auf beeindruckende Küsten mit grün bewachsenen Felsen, die an dieHalong Bay erinnern. Wir halten – ganz anders als in Australien zuvor – ständig an. Machen Fotos, sammeln Muscheln am Strand, schaukeln auf Holzbrettern, die immer wieder an den Stränden in den Bäumen hängen. 

 

 

Auf der Coromandel Halbinsel, auf der wir gerade sind, wohnen wir am Strand in einer wunderschönen Bucht. Wir genießen gerade die Ruhe, als uns eine Neuseeländerin anspricht und aufs Meer zeigt. Aus dem Wasser springen diverse Delfine! Wir  rennen ins Wasser, hören das hohe Quieken der Tiere (sorry, ich weiß nicht, wie die Tierlaute von Delfinen korrekt heißen, aber sie quieken, finde ich. Oder singen? Pfeifen?). Und Frank freut sich: „So kann ich sagen, ich habe mit Delfinen gebadet.“ Und grinst. Die Delfine, es sind ca. zehn an der Zahl, verlassen langsam die Bucht. Am Abend sehen wir sie erneut. Und am nächsten Tag wieder. Ob es  immer die selben sind? 

Delfine und Strand vor der Nase, eine Wohnbox im Rücken. Wir wohnen derzeit in einem Container, ähnlich wie jene, in denen bei uns in Hamburg Asylbewerber untergebracht werden und wir zahlen natürlich für unsere Unterkunft Geld. Dafür können wir morgens beobachten, wie die Campervanfahrer ihre Klos leeren, denn unser Container steht direkt gegenüber der Dumpingstation. Und der Toiletten. Man muss praktisch denken. Alles andere, auch Hostels, die uns Freunde empfohlen hatten und die gut und günstig sind, waren ausgebucht. Nein, in einem Container müssen wir nicht noch einmal hausen, aber das Komische ist: es ist gerade nicht so wichtig wie wir wohnen. Weil das Draußen so großartig ist. 

 

Neuseeland, Bucht Coromandel

Zusammen mit anderen Reisenden aus aller Welt haben wir uns eine Küche geteilt und ich erinnerte mich fast wehmütig an meine Zeit als Jugendleiterin in Frankreich, als ich einige Sommer lang jeweils drei Wochen vierzig Jugendliche betreut und betütelt hatte. Anders als in Australien geht man hier nicht so früh zu Bett, die Leute wirken sehr entspannt, man trinkt Wein, quatscht und auf dem Campground wird auch noch nach Dunkelheit gegrillt (mit Rost und Feuer, da macht auch Frank das Grillen wieder Spaß!). 

Neuseeland ist bisher wie ein Pop-Up Kinderbuch zum aufklappen. Zum verzückt und verzaubert staunen. Immer wieder. Jeden Tag bisher. 

 Gestern suchten wir einen größeren Supermarkt. Doch, den gäbe es, sagte man uns. Man müsse nur die Personenfähre nehmen und dann zehn Minuten zu Fuß gehen. Wir fahren lieber weiter. Und entdecken ein buntes, selbst gemaltes Schild mit der Aufschrift: cafe and our little store. Wir halten an. 

 Im Garten knallbunte Skulpturen, Holzschnitzereien, Tische und Stühle. Und natürlich Schaukeln. Die gehören hier anscheinend an jeden Baum. (Hatte ich schon erwähnt, dass die Mädchen Neuseeland ziemlich gut finden? Und wir lieben die Schaukeln und Kletterbäume und Spielplätze genauso…vor allem, weil sie sich oft direkt am Strand oder neben Cafes befinden). In dem kleinen Bio-Laden kaufen wir das Nötigste ein, entdecken, dass man dort auch zu Abend essen kann und verabschieden uns mit dem Versprechen, am nächsten Tag zum Abendessen wieder zu kommen. Ich habe vergessen, Salz einzukaufen, kehre schnell zurück, greife den Beutel Meersalz, will zahlen, doch der Chef winkt ab: „it’s ok. See you tomorrow.“  Heute essen wir also dort, inmitten von selbst gebauten Skulpturen, Instrumenten, Spielgeräten im Garten (drei Schaukeln an Bäumen, eine zum dranhängen. Einfach zwei Seile mit Schlaufen, die an einem Baum hängen, der auf einem kleinen Abhang steht. Helen juchzt, als sie es schafft, alleine und mit eigener Kraft zu schwingen. Antonia springt auf dem Trampolin…). Der Boss, wie er hier neckisch liebevoll gennant wird, kommt mit Schürze aus der Küche. Setzt sich mit einer Gitarre auf einen Stuhl und singt. Zunächst ein Lied mit Blick auf Antonia und Helen. Er grunzt und ahmt ein Schwein nach, danach folgen weitere Tierlaute. Seine Hände sind groß und mächtig, sehen nach Arbeit aus, und wie wir erfahren, baut und schnitzt  er alle Skulpturen selbst. Nebenbei betreibt „der Boss“ das Restaurant und den kleinen, edlen Bioladen. Das Ganze direkt am Meer. Bei unserem ersten Besuch haben wir ihn in Badehose auf seinem Balkon gesehen, er sah sehr zufrieden aus. Dieses Land scheint irgendwie glücklich zu machen.

Morgen, beim Joggen am Meer, werde ich wieder nach den Delfinen Ausschau halten.

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4 Gedanken zu “Das große Staunen – Neuseeland

  1. Katja Winter sagt:

    Ihr Lieben, was für ein fröhlicher Bericht, was für ein krasser Gegensatz zu Australien. Die Leichtigkeit, die ich vor 13 (!) Jahren in Neuseeland erlebt habe, habe ich mir also nicht eingeblidet. Ich freue mich riesig auf weitere Berichte. Fantastische Fotos!!! Kiwigruß von Katja

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  2. Thomas Luerweg sagt:

    Golden Bay ist großartig! Macht unbedingt die Tour zum Farewell Spit (geht nur organisiert, aber lohnt sich total). Viel Freude…

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  3. Bea sagt:

    Hach, ich will auch wieder!!! Und bin so gespannt, was ihr aus der Golden Bay berichten werdet…….

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    1. Ja, wir freuen uns auch sehr!! Und sind gespannt auf unser Häuschen am Strand in Takaka an der Golden Bay. Die Südinsel soll ja NOCH schöner sein. Wie ist das nur möglich?!?

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