vier sind mal welt

WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

Marlborough Sounds 

Ich trainiere weiter. Jeden Tag. In Australien habe ich versucht  zu chillen. Hat nicht geklappt. Aber, als  kleine  aber doch gewichtige Ausrede, wir erlebten dort auch zu viel, das einen aufregen kann. Mich zumindest. Und Frank. Also kam es nicht zum „chillen.“

In Neuseeland übe ich mich zumindest in Gelassenheit. Nie wieder aufregen müssen. Keine Hektik mehr, keinen Stress und keine schlechte Laune mehr. Auf diese Gedanken kann man hier durchaus kommen. Dass so ein Leben möglich ist. Denn Neuseeland lädt nicht nur zum Staunen ein, sondern vor allem lehrt es einen runterzukommen. Sich nicht mehr aufzuregen. Die Neuseeländer machen es vor, jeden Tag: wenn einer langsamer fährt und man selbst schneller, fährt der Langsamere links ran und lässt einen überholen. Keiner hupt, keiner drängelt. Stattdessen: freundliches Vorlassen.

Auto auf neuseeländisch

Ob auf der Straße oder in einer Warteschlange.  Man ist so extrem tiefenentspant hier, dass ich mich schon frage, welche Droge es hier gibt, eine, die mir noch unbekannt  ist. Wir haben noch nicht einen unfreundlichen, angepannt-nervösen Neuseeländer getroffen. Egal wo man hinkommt, ob in eine Eisdiele, in einen Supermarkt oder in ein Hostel, die Menschen sind offen, freundlich, tiefenentspannt und hilfsbereit. Im Supermarkt habe ich durch die Einkäufe Bonus-Punkte gesammelt, die man an der Tanke einlösen kann. Der freundliche Tankwart war so erfreut über mein gespartes Geld, als hätte er selbst gerade im Lotto gewonnen.

Wir kommen viel zu spät in einem Hostel an. Die Rezeption ist eigentlich längst geschlossen. Doch die Besitzerin nimmt uns fast in den Arm nach der langen Fahrt, sagt, wir sollten erst einmal entspannen, uns etwas zu essen machen, einen Wein trinken und an einem anderen Tag die Formalitäten regeln. Wann immer es uns passt.

Ihr Mann wollte mit uns zwei Tage später zum Muschelfang rausfahren, um seinen Finger ist ein Tuch gewickelt das Blut getränkt ist. Schmerzverzerrt hält er die Hand hoch. Wir fragen besorgt, was denn los  sei, ob er nicht lieber sofort zum Arzt möchte, doch er winkt ab. Wir also raus zum Muschelfang. Nach Einholen und Säubern der Muscheln, wobei die Kinder von ihm angeleitet werden, bittet er die Kinder, sich neben ihn und den vollen Muscheleimer zu stellen: „Take a picture, so that they can be proud of their work.“ Seine Wunde blutet immer stärker. Hinterher erfahren wir, dass er sich die halbe Fingerkuppe abgeschnitten hat.

Unser Strand, Golden Bay

Der Abschied von unserem Haus und „unserem Strand“ in der Golden Bay (siehe oben) fiel nicht leicht. Obwohl es am Tag zuvor heftig gestürmt hatte und das Meer total aufgewühlt war. Als hätten wir plötzlich ein anderes Gewässer vor uns. Aus türkisfarbenem Plantschwasser in dem man herrlich schwimmen kann, ist eine graue, brüllende See gewordendie so aufgewühlt ist,  dass das Wasser fast bis in unseren Garten steigt. Der Sturm rüttelt an den Türen und Fenstern und es schüttet wie aus Eimern. An rausgehen ist an dem Tag kaum zu denken, wir machen  uns außerdem Sorgen um unser Tippie als plötzlich der heftige Sturm eines der Fenster aus den Angeln reißt. Frank kann es glücklicherweise reparieren. So kommen wir endlich dazu, die vielen selbst gebrannten CDs und Filme unserer Hausbesitzer zu inspizieren. Es sind echte Perlen darunter. Nicht nur musikalisch. Auch filmisch haben die beiden einen ausgewählten Geschmack. Zusammen mit den Mädchen gucke ich nach Jahren mal wieder ein für mich filmisch echtes Highlight:  „Das Piano“ (die Mädchen durften nur den Anfang sehen, das Abhacken des Fingers wollte ich ihnen dann doch nicht zumuten und warum jemand nackt ein Klavier säubert, hm, hätten sie evtl. auch nicht auf Anhieb verstanden…). Das tosende Meer, der Regenwald, von dem wir in unserem Haus am Strand umgeben sind, das „Setting“, wie Frank es nennen würde, passt ganz wunderbar zum Ambiente des Films…

Abschied von unserem Haus

Am nächsten Tag ist der Spuk vorbei, der Himmel wieder blau, das Meer türkisfarben und der Strand übersäht mit Strandgut. Und unser Tippie steht noch! Hurra, welch Stolz und Freude! Kelvin macht ein letztes Foto von uns und dem Haus, das nun bald abgerissen und gegen ein moderneres ersetzt wird. Danke Haus, Du hast uns eine sehr glückliche Zeit beschert!

Tippie nach Sturm

Schild an Pforte, unser Haus in Golden Bay

 

Die Zeit in der Golden Bay hat Spuren hinterlassen. Unbeschwerte. In der Kultkneipe „Mussel Inn“ habe ich die nette Besitzerin Jane kennen gerlernt, die das Bier zusammen mit ihrem Mann selbst braut. Außerdem einen Künstler, der sich Holz und Steine aus der Natur holt und diese zu Skulpturen verarbeitetet. Zudem ist er Musiker und hat eine eigene Radiosendung, in der er internationale Musiker vorstellt. Unprätentiös. Geerdet. Und dennoch – mit diesem gewissen fast britischem Humor, der einem hier immer wieder begegnet.

naked Ride

 

Oder wo würde man sonst nackt und bei stömendem Regen Fahrrad fahren, um auf sich als Fahrradfahrer im Straßenverkehr aufmerksam zu machen und bessere Verkehrswege zu fordern?

Hinweis in Takaka

 

 

 

Wir fahren zu den Marlborough Sounds. Und ich würde am liebsten jede Bucht fotografieren.

(Nochmal ein Hinweis zu den Fotos: die Bilder in diesem Blog sind Privatfotos, nicht besonders hoch aufgelöst und alles meine Schnappschüsse. Franks Fotos zur Weltreise unter: http://www.franksiemers.com).

 

 

Marlborough Sounds 2 

 

Marlborough Sounds 3

Unsere Unterkunft erreichen wir nach dreistündiger Fahrt durch die Sounds über endlose Serpentinen, vorbei an Pferdekoppeln, Schafweiden, vereinzelten Holzhäusern und mit immer wieder großartigen Ausblicken. Wir wohnen in einem sehr netten Hostel in einer Holz-Cabin  mit Blick auf’s Wasser. Kajaks stehen bereit und Frank und ich entdecken eine neue Leidenschaft. Fantastisch, in einem Kajak über das türkis schimmernde Wasser zu gleiten und die Freiheit zu haben, sich jederzeit eines der Boote nehmen zu dürfen.

Kajak fahren Marlborough Sounds

 

Mit Mike, dem Besitzer des Hostels, fahren wir raus zum Muschelfang (siehe oben), wir lernen eine andere deutsche Familie auf Weltreise kennen, die ihre Kinder ebenfalls selbst unterrichten und haben einen netten Abend zusammen. Viel zu früh müssen wir wieder aufbrechen, wir sind ja nicht zum Erholen hier, ha ha, nein, wir wollen entdecken!

 

Eigentlich kann es doch keine Steigerung mehr geben. Denken wir jedesmal bei diesen irritierend schönen und immer wieder neuen Landschaftseindrücken. Und sind dann überrascht, dass da noch was geht. Dass Neuseeland noch mal eine neue Wundertüte aufmacht. Eben noch Regenwälder, schwupps, hier habt Ihr Vulkane. Genug von lieblichen fjordähnlichen Eindrücken? Da habt Ihr sie, die Schroffheit. Denn schroff, ha, kann ich sowieso, hier am Ende der Welt.

Bucht in Kaikoura, Südinsel NZ

Kaikoura, Südinsel NZ

Antonia und Helen klettern über Felsen, sammeln algenartige Gewächse am Strand, die laut knallen wenn man drauf tritt und finden ständig neue Wunderlichkeiten. Jeder Halt auf halber Strecke wird zum Erlebnis, überall gibt es etwas zu entdecken.

A und H bei Pausenstopp

 

Auch in den Hostels, in denen wir hier meist übernachten. Mal ist es das gemeinsame Kochen und Beobachten von jungen Leuten aus aller Welt am Herd oder beim Zähneputzen, mal sind es Muscheltouren oder Kajaks, mal sind es ein warmer Pool und eine Sauna, die man kostenfrei benutzen kann, mal Seehunde direkt vor der Haustür, oft ist es ein Haustier.

Babyseehund in Kaikoura, NZ

 

Hier, in diesem BBH-Hostel in Greymouth im Westen der Südinsel, wo wir inzwischen angekommen sind, ist es Breez.

Ein Golden Retriever, der es den Mädels angetan hat.  Liebe auf den ersten Blick. Kaum sind wir angekommen im Hostel, fragen die Mädchen eher Spaßes halber, ob sie Breez mitnehmen können auf unserem Spaziergang, als der nette Hostelbesitzer uns sofort eine Leine in die Hand drückt nebst zwei Plastiktüten falls Breez unterwegs mal ein großes Geschäft machen muss…und überlässt uns seinen Hund. Und dabei hatten wir gerade  eingecheckt….

Gassi gehen mit Hostelhund

Hostelhund Bez geht mit Helen Gassi

Die Mädchen jedenfalls sind stolz wie Bolle mit dem Hund losgezogen. Total glücklich. Mal wieder. Macht Neuseeland glücklich? – Schwer zu sagen. Aber es entspannt. Und doch, diese für uns fast schon erschreckende, ein wenig verschrobene Entspanntheit der Menschen hier macht einen sehr nachdenklich. Wir haben jedenfalls unsere Reisepläne  über den Haufen geworfen und hier verlängert. Breez – let’s go for a walk…

NZ Südinsel

 

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Ein Gedanke zu “Neuseeländische Gelassenheit

  1. CSjj (aus Hopewell) sagt:

    Hi. Wir hoffen, ihr seid gut auf den Cooks gelandet! Wir sind gespannt auf die weiteren Berichte. Wir genießen gerade die vulkanische Seite von Neuseeland in Turangi und Rotorua. Gruß CSjj

    Gefällt mir

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