vier sind mal welt

WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

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Joshua Tree NP

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Keine Zeit, immer anzuhalten…

Es ist der perfekte Moment. Einer jener kleinen Augenblicke, die man wahrscheinlich sein Leben nicht vergisst und für die alleine solch eine Reise sich lohnt. Die Mädchen schlafen in ihrer Koje im Campervan, über uns ein Meer aus Sternen, das Lagerfeuer knistert. Aus der Ferne – vom Campgroundnachbarn ca. Dreißig Meter entfernt – ertönt leise und wie für uns bestellte Musik. Französische Chansons, Jazz und dann spielt jemand leise Mundharmonika. Eine Szene wie aus einem Western. Mitten in der Wüste, umgeben von Felsblöcken, Kakteen und meterhohen Yuccapalmen. Ich könnte stundenlang in den Himmel starren – leider spüre ich meine Füße nicht mehr. Sie sind vor Kälte fast abgestorben, denn ich war zu faul, mir Socken und Schuhe anzuziehen. Zu großartig ist dieser  Moment. Kurz rein in den Campervan, aufwärmen, und wieder raus.

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Berlin meets Hamburg! Mitten in LA…

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Nein, das ist nicht unser Berliner Freund…sondern ein typischer (?) Kalifornier

 

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Berliner Jung und Hamburger Deerns

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Badwater, 89 M unter dem Meeresspiegel

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Death Valley, Zabriskie Point

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Badwater, Deathvalley

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Joshua Tree NP

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Joshua Tree NP

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Unser Campi im Joshua Tree NP

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Wüstenkaktus

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Death Valley

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Schnell raus aus der Hitze!

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Zwei Wüstenmädchen

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Wir haben Zuwachs bekommen und reisen jetzt mit zwei Ukulelen im Gepäck. Einer großen und einer kleinen. Wir haben sie auf dem Wochenmarkt in Rarotonga gekauft. Jede Ukulele ein Unikat, handgefertigt, vom Sohn der Familie. Für die große Ukulele braucht er drei Tage, sagt er.  Nun müssen wir nur noch lernen, darauf zu spielen. Danach haben wir Tänzern zugeschaut und ich fragte mich, wie die Frauen es schaffen, dass die Kokosnuss-BH’s nicht rutschen.

Die Ukulelen haben wir jetzt vorsichtig im Campervan verstaut, so dass sie den Erschütterungen standhalten, denn die Pisten hier sind oft abenteuerlich. Nachts wird es kalt in den Wüsten und tagsüber sehr heiß. Wir befinden uns im Joshua Tree National Park. Ein Park, den Frank und ich schon bei der letzten USA-Reise faszinierend fanden und der so gar nicht auf unserer ursprünglichen Reiseroute liegt. Aber, irgendwann war es  klar: wir müssen nochmal dahin.  Und die Route zur Not ändern. Felsen, wie hingewürfelt, zum Teil geschichtet, zum Teil gespalten und auseinandergefallen wie zulange gekochte Kartoffeln, dazwischen blühende Kakteen und riesige Yuccapalmen. Weil wir nicht alle paar Meter anhalten können, mache ich es wie in Neuseeland – ich knipse ab und zu während der Fahrt. (s.o.). Aber dann halten wir doch wieder an…

Es ist schon spät, dämmert bereits als wir in den Joshua Tree Park fahren. Der erste Campground hat keinen Platz mehr frei. Campground in den USA heißt: viiiiel Platz um sich herum. Außerdem hat hier fast jeder Campground einen Grill und seine eigene Feuerstelle. Sogar in den Wüsten. Nebst Tisch und Bänken. Und das Ganze kostet fast nichts. In Australien hingegen mussten wir pro Übernachtung sehr viel Geld hinblättern, meist fünfzig bis sechzig Dollar, denn  Kinder zählen dort mit (obwohl der Camper dort schon so viel kostet wie ein Viersterne-Hotel…). Hier zahlen sie glücklichweise nichts. Bzw. Wir nichts für die Kinder. Und Campgrounds außerhalb von Städten sind hier so angelegt, dass man den Nachbarn kaum wahrnimmt weil zu weit weg. Doch an diesem Abend scheint alles gegen uns, denn auch der nächste Campground im Joshua Tree Parc ist voll belegt. In den USA ist gerade Springbreak. Frühhjahrferien. Es gibt zwei Zeiten, an denen man die meisten Nationalparks im Westen der USA  meiden sollte: im Sommer (viel zu heiß, Durchschnittstemperaturen von 43 Grad, zu voll, zu teuer) und an Springbreak. Als es stockfinster ist und unsere Mägen grunzen, entdecken wir einen großartigen, wie für uns gemachten Platz. Erleichterung. Wir können bleiben und müssen nicht mehr suchen oder wild campen.

In einigen dieser Natonalparks gibt es weder Dusche noch Toilette, dafür ein Plumpsklo. So wie hier auch. Doch Dusche, Bad und WC werden nebensächlich wenn man inmitten von gigantischem Yuccapalmen, bizarren Felsen und blühenden Kakteen nächtigt. Das Frühjahr hat den Vorteil, dass einige der Wüstenpflanzen blühen – quasi als optisches I-Tüpfelchen. (Kleine Anmerkung für jene erfahrenen Campfreaks, die sich jetzt fragen, warum ein sieben Meter langer Camper wie unserer keine Toilette hat: doch, hat er, auch ein Dusche. Beides nutzen wir aber nur im Notfall, da wir nicht überall dumpen können und wollen).

Vom Regen in die Trockenheit. Kalifornien  ist weit entfernt  von der  Aloe Vera Feuchtigkeit  der Cook Islands.  Hier herrscht staubtrockene  Runzelhautregion, wohingegen die Cook Islands in der Südsee ein Fest für die Haut waren! Die extrem trockene Luft Kaliforniens macht sich sofort bermerkbar. Auch bei den Mädchen. Spröde Lippen, schuppige Haut, Juckreiz. Meine Güte, wie handhaben das bloß die Kallifornier, damit ihnen die Haut nicht in Fetzen aus dem Gesicht hängt? Deshalb ist Botox hier wahrscheinlich so normal wie bei uns Nivea.

Über die Kalifornier und ihren Lifestyle haben wir noch sehr viel von unseren Freunden aus Berlin erfahren, die für einige Zeit in Los Angeles leben. Das Treffen in LA war schon vor Monaten geplant. Auf unserem Campground in Malibu haben wir erstmal mit Meerblick ein Käffchen getrunken und dann einen sehr netten Tag verbracht. Eine Anwehe von Heimat auf der Weltreise. Da wir uns seit Geburt der Kinder kennen, regelmäßig in Hamburg, Berlin oder unserer Datsche besuchen und zeitweilig sogar im selben Haus auf der selben Etage Haus gewohnt haben, war die Wiedersehensfreude riesig. Und rührend. Auch dieser Tag so ein Moment, der prägend ist und deutlich macht, was zählt im Leben: echte Freunde. Und ein bisschen Verrücktheit und Risikobereitschaft. Für uns ist es diese Welteise, für unsere Berliner Freunde das zweitweilige Leben in den USA. Und dennoch gibt es auch auf einer Weltreise Rituale: Ostern zum Beispiel. Helen wunderte sich, dass der Osterhase es bis nach Los Angeles schafft, sie hatte nicht damit gerechnet und stammelte immer nur: „Aber woher weiß der denn, dass wir hier sind? Kann der sich denn jetzt ausruhen?“ Da wir Ostersonntag in LA landeten und eine Nacht in einem Hotel am Flughafen verbrachten, war ich froh über den mexikanischen Liquershop um die Ecke. Während Frank die Mädchen ablenkte, griff ich in Windeseile Süßigkeiten und Stifte und für uns ne Pulle Sekt….Der Osterhase hat die Dinge dann im Hotelzimmer versteckt. Im siebten Stock, aber Helen war sicher, dass er den Fahrstuhl genommen hat, um nicht ganz aus der Puste zu kommen. Den Oster-Sonntag verbrachten wir dann am Pool und zusammen mit Obdachlosen bei Burger King. Und niemand hat etwas vermisst, denn wie schon oft zuvor trafen wir Ostern, oder kurz danach in diesem Fall, unsere Berliner Freunde. Die Freude darüber war noch größer als über den Osterhasen.

Eigentlich wollten Frank und ich von Los Angeles aus weiter die Küste hoch fahren, zum Highway N1. Faszinierende Straße, ganz klar. Ich kenne jede Kurve, bin die Straße schon oft gefahren. (Ha ha, voll übertrieben, aber auf sechs Mal komme ich, weil ich alleine zweimal wegen meines Jobs dort fahren musste. Ha, schon wieder falsch. Nein, ich musste nicht. Ich durfte diese Straße fahren. Ein großes Glück war das). Frank und ich betrachten die Karte. Und linsen immer wieder gen Osten, Richtung Mojave Wüste und Nationalparks. Und sind uns einig. Die Küste muss warten. Der Joshua Tree Park macht das Rennen. Und nun wo wir in der Wüste sind, haben wir schon wieder die Pläne geändert. Wir lassen erstmal den Highway und die Küstenstraße komplett links liegen und fahren einfach weiter durch Nationalparks und die Wüste. Meer und Küste hatten wir die letzten Wochen und Monate ausreichend und in derart schöner Gestalt, dass wir uns jetzt auf Weite und Dürre freuen. Und auf faszinierende Berge. Jetzt durchfahren wir erneut die Gegend, wo ich schon beim Lesen der Namen auf der Karte vor Vorfreude jedes Mal Herzflattern bekomme: Joshua Tree, Death Valley, Grand Canyon, Arches Park, Bryce Canyon. Die meisten dieser Parks sind im Sommer überfüllt und zu heiß mit mehr als vierzig Grad Tagestemperatur.  Doch jetzt im Frühjahr ist es ideal. Tagsüber um die 30Grad, nachts kühlt es erfreulicherweise ab.

Ich war mit Anfang zwanzig das erste Mal im Westen der USA, schlief damals des öfteren auf den Tischen der Campgrounds (im Schlafsack, immerhin) oder im Auto, um Geld zu sparen. Danach bin ich immer wieder zurück gekehrt. Mit Zelt, mit Mietauto und Übernachtung im Motel und später dann mit Frank und den Mädels mit Campervan. zuletzt vor vier Jahren. Die Landschaften im Westen der USA, die Nationalparks und Wüsten üben eine ganz besondere Faszination aus. Genau wie bestimmte  Filme die in der Wüste bzw. in trockenen Regionen spielen wie  „Paris, Texas“,  „Die Brücken am Fluss“, „From Dusk till Dawn“. Das Tolle an der Landschaft hier: es wird nie langweilig.

Zunächst durchqueren wir die Mojave Wüste. Gigantisch. Eiin großes faszinierendes Nichts. Ab und zu ein abgerocktes Cafe, eine Tanke oder Motel, die aussehen, als seien sie gerade als Filmkulisse aufgebaut worden und bei näherer Betrachtung echt sind. Und wie so oft in den USA (und auch in Neuseeland): fantastische Bergkettten im Hintergrund.Teilweise sogar noch mit Schnee. Wir landen auf einem erneut perfekten Campground. Mitten in der Natur. Machen ein Feuer aus selbst gesammeltem Holz (vertrockneten Yucccapalmen). Antonia und ich tanzen als Indianer und wahlweise Maoris ums Feuer. Es ist still, kein Laut, Kojoten schleichen herum, über uns breitet sich ein gigantischer Sternenhimmel aus. Und wir alle bereuen keine Sekunde, nicht gleich ans Meer gefahren zu sein. Nur die Freundlichkeit, die fehlt. In Neuseeland hat niemand gedrängelt und gehupt, hier herrscht die Macht des Stärkeren. Ohne Auto ist man hier ein Nichts, eine Null, nicht existent, und möglichst spricht man sich nicht an. Man schottet sich ab. Ich hatte zunächst Probleme mit dem Parkautomaten in Los Angeles, mehrere Amerikaner lösten ihre  Tickets am Automaten direkt neben mir, niemand hilft. Das haben wir in Afrika, Asien, Neuseeland und den Cook Islands anders erlebt. Und müssen uns erst wieder umstellen. Es scheint, als seien die Menschen hier irgendwie Angst besetzt. Man spricht sich nicht einfach so an. Ganz anders als in Neuseeland, wo die Türen offen stehen und man Menschen allerorten in ihren Gärten wühlen sieht. Oder beim Plausch auf der Straße. Hier scheint man immer auf der Hut zu sein. Wir sehen – außer Obdachlosen – keine Menschen in den Straßen und Ortschaften, man parkt das Auto vor dem Geschäft und verschwindet. Wer nicht mehr ganz so fit ist, oder unglücklicherweise zu viele Burger nebst Cola konsumiert hat und daher zu unbeweglich, um es in seinen erhöhten Panzerwagen zu schaffen, der benutzt – eine Trittleiter. Menschen, die eine Leiter brauchen, um in ihr Vehikel zu kommen, sind, nunja, praktisch veranlagt. In LA allerdings sind solche Szenarien eher selten. Dort ist der Körper das Kapital. Und dafür zieht man sich auch rote Höschen an und setzt eine Perrücke auf…obwohl…oder lässt sich zumindest eine perfekte Welle legen. Gestern haben wir einen Supermarkt gesucht, aber keinen  einzigen auf  einhundert Meilen  gefunden. Stattdessen diverse Fast Food Läden und  „Guns, here!“-Schilder.  Wir  sind schließlich einen Umweg über Las Vegas gefahren, um vor dem Death Valley irgendwie noch einen Supermarkt zu erreichen. Dann fahren wir wieder durch das große Nichts. Was heißt  „nichts“. Man fährt durch Filmzitate. Bloß, dass die Landschaft in „echt“ noch faszinierender und gewaltiger ist als eine Leinwand dies je hervorbringen kann.

Wir beschließen, weiterhin jenseits der Küste und durch die Natur gen Norden zu fahren. Bis zum Lake Tahoe, um Julia Roberts einen Besuch abzustatten. Danach erst  geht es an die Küste nach San Francisco, zu den Redwoods, den Riesenbäumen und dann durch Oregon und durch weitere Filmlandschaften hoch bis nach Seattle. Und….Doch vorher noch: in die Weite der Wüste!

Derzeit sind wir am wie sie sagen heißesten Ort der Erde und tiefsten Punkt der USA, im Death Valley. Im Sommer ist die Gegend für Mietwagen nur mit besonderer Genehmigung befahrbar, denn hier herrschen Temperaturen bis fünfzig Grad – im Schatten. Wir haben sogar eine kleine Wanderung durch einen Canyon geschafft und sind 85 Meter unterm Meeresspiegel auf einer Fläche von Salzkristallen herum gelaufen. Weiterfahrt Richtung Westen. Großartige Landschaft. Inmitten einer Ebene entdecken wir nach nur einer Stunde Fahrt durchs Death Valley einen Campground. Sogar mit Duschen. Feuerstelle. Und einem guten Rundumblick in die Ferne. Fehlt nur der Grill. Zum Glück gibt es überall große Steine und im Ofen unser Rost. So sind die Steaks gesichert. Umd die Marshmallows am Stock auch. Müssen jetzt am Lagerfeuer nur noch auf unserer Ukulele üben…Danach geht es weiter in den Schnee! Auf 9500 feet, auf etwas über 3000 Meter. Wir hoffen, dass wir über den Tioga Pass in den Yossemitee Park kommen, der bis vor kurzem wegen Schneemassen gesperrt war. Und dann weiter Richtung San Francisco…aber erstmal noch: Wüstenfeeling!

Über diese Berge (siehe oben – alle Bilder sind leider durcheinander, das Programm hat sich verabschiedet…) müssen wir…hm. Wieviel Schnee da wohl liegt? Ok. Schneeketten. Wird schon. Oder einfach immer weiter gen Osten…hm. Wait, drive and see.

 

 

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