vier sind mal welt

WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

FmG Flughafen

„Frühstück mit Giraffen“, März 2018, Flughafen Hamburg

Wiedergeburt eines Buches! Am Flughafen in Hamburg glaubte ich, ein Déja Vu zu erleben, denn dort lag wie schon vor eineinhalb Jahren mein Buch „Frühstück mit Giraffen“ auf einem Stapel! Im Februar war es neu aufgelegt und als Taschenbuch rausgekommen, und es ist wie schon damals ein kindliches Glücksgefühl, das Werk tatsächlich veröffentlicht und präsentiert zu sehen. Nun muss es nur noch weiterhin gekauft werden…Ich werde also noch einmal in jedem Buchladen nachschauen, den ich rein zufällig betrete, ob unserer Weltreise in Neuauflage im Regal steht oder gar auf einem Stapel liegt. Derweil versuche ich mich an den ersten Seiten eines potentiellen neuen Buches und hoffe, dass die Buchstabenflut nicht versiegt. Denn nach dem Buch ist vor dem Buch und nach der Reise vor der nächsten. In diesem Fall, nach der fast einmonatigen Drehreise  nach Neuseeland, war allerdings keine Reise, sondern ein Urlaub geplant. Eine Woche Mallorca in den Frühjahrsferien, ganz entspannt in einer kleinen Finca. Der Urlaub ist jedoch schnell zum Abenteuer geworden und schließlich doch wieder zu einer Reise, denn die Finca im „shabby chic“ erwies sich zwar als „shabby“, aber nicht als chic und der Vermieter als Arschloch. Das alte Haus war nicht zu heizen, der winzige Kamin glimmte fünf Minuten vor sich hin, dann war Asche. Der Vermieter behaupte, man selbst sei zu doof zu heizen. demonstrierte seine Heizkunst an dem Minikamin, doch nach fünf Minuten war der Ofen aus, bzw. der Kamin wieder kalt. In der Küche gab es nur kochend heißes oder gar kein Wasser, keinen normalen Topf, keine Pfanne und eine Glühbirne an der Decke. Dafür ne halbvolle Pulle Whisky von den Vormietern, dessen Inhalt sie wahrscheinlich ein einer Nacht um sich warm zu halten konsumiert hatten. Wir also in Winterklamotten ins Bett. Denn: auch wenn das Thermometer tagsüber auf über 20 Grad steigt, nachts wird es auch auf Mallorca kalt. (war in der ersten Nacht im Geiste immer bei George Sand). Nach dieser Nacht haben wir entschieden: Hier können und wollen wir nicht bleiben. Doch wohin auf Mallorca, das um diese Zeit von gefühlt einer Million Rennradfahrern eingenommen wird? – Man muss praktisch denken. Von der Finca mit Garten ging es den achten Stock eines „Mehrfamilienhauses“. Neudeutsch: Hochhaus. Umgeben von weiteren Mehrfamilienhäusern. Der gigantische Vorteil: Wir können im Schlafanzug ins Bett und  die Winterjacke am Haken lassen, denn das Etablissement kann beheizt werden. Und in der Küche, die hier „Kitchenette“ heißt, gibt es tatsächlich Licht und sogar zwei Töpfe. Purer Luxus also. Wenn man jedoch die Straße zum Strand entlangjoggt, was ich nur einmal gemacht habe, weil ich Angst hatte, mit Depressionen oder Selbstmordgedanken zurückzukommen, läuft man an geschlossenen Fassaden (Vor-Saison…) von Ramsch-Läden vorbei. An so gut wie allem, was der Mensch nicht braucht. All das findet er hier. Und dazu eine Diaspora aus Beton und Konsumschrott. In zwei Wochen (so sagten die Spanier) finden hier dann ganz viele Menschen alles (was sie nicht brauchen). Denn dann öffnen diese diversen Läden à la Slum City ihre Türen. Und Touristen werden  zwar nichts, absolut nichts von Mallorca sehen in diesen Straßenschluchten, dafür aber alles was sie auch zu Hause haben und auch dort nicht brauchen. Nur, dass es hier dann sehr warm sein wird und zu Hause vielleicht noch immer grau und kalt. Das Merkwürdige ist: Wir wohnen in unserem Haus, das so hoch ist, dass man es von der Ferne aus wahrnimmt, mittlerweile gerne. Denn wir wohnen ganz oben. Und können den knallblauen Himmel sehen. Von innen ist es tatsächlich gemütlich, und die Nachbarn sind allesamt Spanier. Sie sind vielleicht gerne hier, wir wissen es nicht, sie stehen auf ihren Balkonen und rauchen, ihre Wäsche aufhängen, quatschen, streiten, hören Radio oder füttern ihren Hund. Wir beobachten das jeden Morgen beim Frühstück (in der Sonne!) jawohl, denn die nicht mehr Finca-Terrasse, sondern der Hochhausbalkon hat einen Südbalkon mit Blick aufs Meer, wer sagt denn – also, wir sehen das und haben festgestellt, das wir uns schon zugehörig fühlen. Wenn wir abends zurückfahren, sprechen die Mädchen bereits von „unserem Zuhause“. Und freuen sich, dass sie nicht in die Finca müssen, weil es so schrecklich dort war. Plötzlich wird eine Hochhaussiedlung zur Oase. Das ist schräg. Und zugleich faszinierend. Wie schnell der Mensch sich an andere Gegebenheiten gewöhnt. Der Strand allerdings ist fantastisch. Morgens sind wir früh sort, beobachten die Rentner und Jogger, und genießen die Weite und Stille. Dann zurück in die Diaspora, bei der ich mich jedesmal frage, warum Menschen sich so etwas antun. Warum alles zubauen, warum es mit hässlichen Gebäuden und Geschäften verschandeln, Natur in uniforme Gegenden verwandeln, völlig austauschbar, lebensverachtend? Wir „wohnen“ im Nordosten, in Alcudia, die Stadt selbst ist sehr schön, der Strand auch, aber, nein, ich werde kein fanatischer Fan des Ostens von Mallorca. In diesem Leben nicht mehr. Wir sind zu einer Wanderung in meine Lieblingsgegend nach Soller gefahren, der das Tramuntara Gebirge, haben eine längere und sehr schöne Wanderung von Deia nach Soller gemacht und waren sofort entzückt. Es ist vielleicht wie mit Nord-und Ostsee oder wie mit Alster und Elbe. Man mag beide, aber nur an einem Ort geht einem das Herz auf. Ich mag die Ostsee sehr, besonders, seitdem wir dort unsere Datsche haben, aber die Nordsee verehre ich. Genauso bei der Elbe. Rauer, ungezähmter, gewaltiger. Wie der Westen Mallorcas.

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Doch auch der Westen kann lieblich. Die Zitronen sprießen und Soller liegt sanft eingebettet in einem saftig, grünen Tal. So friedlich, so schön…

Malle 13

Wie auch immer man sich entscheidet, ob für Osten oder Westen, ob Hochhaus oder Finca (ok, trotz Heizung und Südbalkon, auf dem es schon Vormittags fast zu heiß wird in der Sonne – das nächste Mal wird es wieder eine Finca, ohne „shabby chic“…), die Insel tut gut. Wegen der Fischer, die am frühen Abend zurück in die Bucht fahren mit ihrem Fang und im Anschluss eigenhändig die Netze flicken. Wegen der vielen blühenden Streuwiesen unter alten, knorrigen Olivenbäumen. Wegen der vielen kleinen Dörfer, stillen Buchten mit türkisfarbenem Wasser und in unserem Fall wegen der Erkenntnis, dass auch ein eigentlich unscheinbarer Urlaub zu einem Mini-Abenteuer werden kann und trotz Unwägbarkeiten (oder gerade deswegen?) große Freude macht.

Malle 1

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