Manchmal gibt es Drehorte, die einen so packen, dass man immer wieder innehalten muss, um die Natur um sich herum aufzunehmen. Für „Arte Re“ drehten wir den zweiten Teil in den Schweizer Alpen, zum Teil auf 3000 Meter Höhe bei minus zehn Grad, die sich manchmal anfühlten wie minus dreißig (laut Aussage der Bergretter WAREN es minus dreißig Grad). Doch die Temperatur wird unwichtig bei dem Anblick der schneebedeckten Berge – es sei denn, man hat die falschen Schuhe dabei (mein Kameramann hatte sich noch schnell Ersatzschuhe besorgt, weil seine dreizehn Jahre alten Schneeschuhe noch auf dem Flug in zwei Teile auseinander gefallen waren). Wir haben mehrfach die Sonne über den Bergen auf-und untergehen sehen und sind ganz ohne Touristen auf dem tief verschneiten und offiziell gesperrten 3000 Meter hohen Peak Walk im Nebel durch weißen Pulverschnee gestapft, einer Brücke, die zwei Gipfel miteinander verbindet, und dann brach plötzlich die Sonne aus den dichten Wolken und der Mont Blanc und das Matterhorn tauchten auf, bis kurz darauf alle Berggipfel in der Sonne lagen. Da wird man selbst zum Zwerg und lässt kurz die Kamera sinken, weil man bewundernd staunt. 
Es war aber nicht nur die fantastische Natur und eineinhalb Meter Neuschnee, die schneebedeckten Häuser und Tannen im Tal und die Adventslichter (Kerzen!) in den Fenstern, die uns staunen ließen, es waren vor allem die Menschen. Wir haben im Kanton Graubünden ein Paar näher kennen gelernt, intensive und tränenreiche Abende gehabt, weil sie aufgrund eines Murgangs (Bergsturzes) ihr Haus und somit einen Teil ihrer Heimat verloren haben und uns in ihr Leben gelassen haben. Und wurden von ihren Nachbarn der umliegenden Dörfer, die aussehen, als sei die Zeit stehengeblieben, zum „Advents-Fensteröffnen“ mit Kerzen, Krippe und Puntsch eingeladen. Am zweiten Drehort in der Nähe von Gstaad gab es zwar keinen Murgang, aber für andere Herausforderungen, denn der viele Schnee hatte die Lawinengefahr um ein Vielfaches erhöht. Einer unserer Protagonisten, ein französischer „James Bond“ alias Sebastien, Sicherheits-und Pistenchef des Skigebietes, nahm uns mit zur Lawinensprengung per Helikopter (und hielt in der einen Hand netterweise die Go Pro -Kamera, während er mit der anderen die 5-Kilo Bomben abwarf…), außerdem musste er (und somit auch wir!) auf das gläserne Dach des Restaurants in 3000Meter Höhe und durch eineinhalb Meter Schnee stapfen, um den Dachrand von den meterlangen Eiszapfen zu befreien, damit diese nicht auf die Seilbahn krachen (er war immerhin angeseilt, aber mir wurde ganz anders, zumal wir, das Team, eh etwas kurzatmig waren, da oben). Wir haben anfangs noch auf dem Dach, danach dann lieber von innen gefilmt…
Wer mag – hier weitere Bilder vom Dreh und – von den fantastischen Alpen. (Der Film wird voraussichtlich Ende Januar bei ARTE Re: gesendet).
Nach der Rückkehr entdeckten die Mädchen und ich heute unser Buch in unserer Eimsbütteler Bücherhalle – und freuten uns! (Ok, gebe zu, hab die Leute vor Ort ein bisschen bestochen, indem ich immer wieder nach „Frühstück mit Giraffen“ gefragt habe, das wir gerne ausleihen wollen…- ok, stimmt nicht).

Und nun heißt es: Geschenke einpacken, Baum aufstellen und schmücken, Fond für die Gans zubereiten und Weihnachtsoratorium schmettern. Leider ohne die vom Schnee bedeckten Tannen und ohne die Berge vor knallblauem Himmel, aber: Wir sind ja auch nicht in der Schweiz, sondern in Hamburg…Frohe Weihnachten und ein hoffentlich friedliches, freudiges und famoses neues Jahr!


Schnee oder Strand? Berg oder Meer? Die Wahl fällt – mir zumindest – oft schwer, vielleicht, weil ich als Kind jahrelang in den Bergen gewandert bin, vielleicht, weil ich, wie viele am liebsten beides hätte: vor der Tür das Meer und im Rücken die Berge. Dieses Mal jedoch stellte sich die Frage gar nicht erst, denn für den ersten Teil eines neuen Films flog ich direkt vor unserem Urlaub auf einer Nordseeinsel zum drehen spontan in die Schweizer Alpen. Gerade saß ich noch in Hamburg bei Regen und Wind, um einen Tag später bei klarer und sehr dünner Luft mitten in den Schweizer Alpen auf Geröll rumzurutschen. Zusammen mit einigen Arbeitern, die eine Skipiste bauten, meinem Kamerateam und unserer Ausrüstung. Was fehlte, war Sauerstoff. Wir drei aus der nordischen Tiefebene japsten und quälten uns, im Wechsel war uns zunächst schwindelig oder wir bekamen keine Luft, während die drahtigen Schweizer Männer wie die Bergziegen vor uns her sprangen. Wieso geht einem schon auf schlappen 3000 Metern die Puste aus? Lags an der Schwere des Stativs? An der Sonne? An den Sinnen? Oder – oh Graus – etwa am Alter? – Was auch immer es war, irgendwann gewöhnten wir uns tatsächlich an die Höhe und die Luft und genossen nebenbei den fantastischen Ausblick, vor allem bei der Runterfahrt mit Sessellift und später Seilbahn…



