vier sind mal welt

WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

Blog StrandDa war doch was…Nennt man das Sommer? Oder wie heißt das, was in diesem Jahr nur ganz kurz vorbeischaute, um sich gelangweilt wieder zu verziehen. Wie war das noch, damals? Und ein paar paar Mal noch in den letzten Tagen: Die nackten Füße in den weichen Sand stecken, hinterm kleinen Ball beim Beachball herhechten, in Zeitschriften blättern und zwischendurch ins überaus frische Wasser der Ostsee springen. Wenn man einmal drin ist, wird es fast gemütlich…“Das fühlt sich so weich an“, staunte denn auch Antonia, und Helen meinte, es würde weniger salzig schmecken als die Adria. Und ok, über die Temperaturen drinnen und draußen reden wir nicht, aber 38 Grad wie in Italien muss man als Norddeutscher ja auch nicht dauerhaft haben. Ein ganz ganz kleines bisschen wohlgefälliger hätte es natürlich sein können zwischendurch…Der Sommer fiel irgendwie aus wegen is nich, und vielleicht guckt er ja nächstes Jahr mal wieder rein. Unseren Garten hingegen störte das Wetter weniger, im Gegenteil, die Blumenwelt gedeiht nach wie vor prächtig („Man muss ja auch an die Landwirtschaft denken“ – ja ja, Loriot), und so kann man zwischen zwei Schauern prima abschalten, indem man anderen beim arbeiten zusieht und sei es Insekten.

GartenÜberhaupt – die Arbeit: In den Ferien hatte Antonia an einem der sechs Drehtage für den NDR-Dreh von „Wie geht das? Die perfekte Illusion“ beim „König der Löwen“ vorbei geschaut. Sie hat dem bösen „Scar“ die Hand geschüttelt, wäre allerdings beim ersten Anblick fast rückwärts aus dem Raum gerannt, weil der sonst so nette Darsteller, schon komplett maskiert, sich plötzlich aus seinem Sessel erhob und grinsend auf sie zukam. So hat Antonia nicht nur die Darsteller kennen gelehrt und in der Maske gesehen, wie aus ehedem netten Zeitgenossen finstere Hyänen oder stolze Löwen werden, sondern auch von der „Callerin“ Nicola erfahren, dass sie während der Show 600  Anweisungen geben muss und gesehen, mit wie vielen Stelzen die Darsteller  die Giraffen zum Leben erwecken.

Und da sie mittlerweile mit ihren Freundinnen ihre eigenen Filme dreht und schneidet, hat Boris ihr seine Kamera anvertraut – stand ihr sehr gut, die Kamera! Und ich sach ja: Kamerafrauen werden immer gebraucht! (Kein Scherz: Ich drehe tatsächlich immer und ausschließlich mit Männern, und nein, ich habe nichts dagegen, aber Frauen sind in diesem Beruf, genauso wie im Regiebereich, sehr sehr selten! – Antonia, hast Du gehört? :-) Also, da geht noch was…und die Kameramänner, die ich kenne, haben so viel zu tun, dass sie Jobs absagen, und man lernt de Welt kennen, wenn man das denn möchte, und die Kameras werden ja immer leichter, also, Antonia…ich sach ja nur….

 

Blog KdL DrehBlog DReh KdL WWUnd dann haben wir sogar noch echte, nee, nicht Löwen, sondern Pferde und naja, fast echte Indianer gesehen, bloß mit weißer Haut und schwarzen Perücken, die ab und zu verrutschten, aber wir sind ja auch in Norddeutschland…und mit viel Fantasie. Und dann kam er: Winnetou! Mein Helden der Kindheit! Es war nicht leicht für die Mädchen, glaube ich, auf der Hinfahrt, denn ich habe ihnen von Winnetou I, II und II erzählt und geschwärmt, und klatschte frenetisch, als Winnetou alias Klaus irgendwas (hab den Namen des Darstellers vergessen), als der dann tatsächlich in der Arena auf Iltschi reingeritten kam. Peinlich, aber die Mädchen haben sich glücklicherweise nicht weg gesetzt. Und sie waren dann tatsächlich auch vom Spektakel gefesselt, uff. Und ich erinnerte mich wieder, dass ich beim ersten Besuch der Karl May Festspiele als Kind vor Schreck einen Bonbon verschluckt hatte, als ein Schuss fiel. Und geballert wurde auch hier reichlich, die Geschichte war zum Teil haarsträubend, aber die Effekte, die Knallerei, die Explosionen, und die wilde die Reiterei waren lohnenswert.  Aber der Held des Tages war natürlich: Winnetou…

Segeberg Karl MayDanach ging es dann recht schnell in die echte Realität. Die Ausstrahlung meines Films „Kamps ums Wasser“ bei Arte re: über den extremen Olivenanbau in Andalusien hatte eine überdurchschnittlich gute Quote, was mich besonders freut, weil sich auf diese Weise vielleicht endlich etwas bewegt. Hier noch einmal der link zum Nachschauen, falls noch jemand den Film gucken will (ansonsten unter Arte re: replay):

https://www.arte.tv/de/videos/073399-024-A/re-kampf-ums-wasser/

Ansonsten habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, vielleicht doch noch einmal in die Ostsee springen zu können in diesem Jahr. Oder war’s das jetzt? Der Herbst, der Herbst ist da…tralala. Na gut. Dann kann ich zumindest häufig in mein neues Büro gehen,  nur einen Huster von zu Hause entfernt, um neue Drehreisen zu planen und Vorträge oder Lesungen von „Frühstück mit Giraffen“, denn die gab’s (siehe Foto) und gibt es erfreulicherweise weiterhin, und ach, ein neues Buch will auch geschrieben aber erstmal hoffentlich werden, denn die Buchmesse steht ja quasi vor der Tür…und überhaupt. Ha, wer braucht da schon Sommer? Und überhaupt: Nach dem Sommer ist vor dem Sommer.

Blog Männer StrandIn Rom waren es die älteren Damen und am Bolsena See die Fischersfrauen, die sich zum Plausch trafen, meist komplett angezogen und mit Hund auf dem Arm – an den Stränden der Marken sind es die durchgebräunten männlichen Italiener, die zeigen, was sie alles haben, und das Höschen, das man hier trägt, muss auf jeden Fall in frischen, bunten Farben sein, gerne geblümt, in modischem Pink oder Kanarienvogelgelb, passend zu den leuchtenden Sonnenschirmen. Verständlich, bei 39 Grad im Schatten stört jedes Stückchen Stoff. Bella Figura heißt die Herausforderung des Tages, und das Präsentieren einer ebensolchen nebst schwarz-gebräuntem Astralkörper gehört irgendwie zur guten Kinderstube der Italiener.

 

Das Wasser schimmert türkis, die Umgebung ist hügelig und die Buchten sind Postkarten-pittoresk, der Himmel blau, die Hänge an den Buchten knallgrün, und der Blick von unserer Terrasse ist vor allem am Abend Ibizamäßig (glutrote Sonne versinkt hinter sanften Hügeln mit Bergen drauf).

Blog Blick Terrasse SiroloUnd dennoch – wir vermissen ein bisschen „unseren“ See, den Bolsena See in Umbrien, und während ich hier am Strand die italienischen Gigolos betrachte, denke ich an die alten Fischer und deren Frauen, an die Ruhe und Beschaulichkeit in Marta. (Wahrscheinlich werde ich selber alt. Das ist der Grund. Aber sogar die Mädchen sprechen oft vom See…siehe unten).

Blog Mädchen am SeeVon unserem Haus in Marta, an besagtem See, welches direkt auf der alten Stadtmauer stand (!), blickten wir  direkt auf das Wasser – und den alten Turm, der uns die erste Nacht durch sein Gebimmel um den Schlaf brachte (siehe Blogeintrag vorher). In den nächsten Tagen hatte ich  Ohrstöpsel und wir ansonsten dieses Bimmeln tatsächlich kaum noch wahrgenommen.

Dieses Haus war es auch, das ich bei der Buchung tatsächlich als Erstes entdeckt hatte, ohne den See groß zu kennen. Nie hätten wir jedoch gedacht, dass diese Unterkunft uns einen Ort bescheren würde, an den man immer wieder gerne zurückkehrt, weil er so beschaulich ist, mit einer herrlichen Aussicht auf den See, mit so netten Nachbarn, die ihren Papageien Küsschen geben, die Katzen haben (zur Freude von Antonia) und uns ihre eigens gezüchtetes Gemüse schenken (zur Freude von Frank und mir) und die sich zum Quatschen vorm Haus treffen (zur Freude und Beobachtung von uns allen), die Pflanzen vor ihre Häusern in den Gassen groß ziehen, und deren Enkel dort regelmäßig Fußball spielen, die Reusen flicken, draußen vorm Haus, dort Gemüse schnippeln und zwischendurch immer ein Schwätzchen halten. Die einfach draußen leben. Die Betonung liegt auf einfach, gleich gesetzt vielleicht mit „zufrieden“ (?).

In Südfrankreich, in Neuseeland und vielen anderen Ländern haben wir dergleichen  erlebt, und es ist es diese Art des „Seins“,  die ich in Norddeutschland oft vermisse. Hat natürlich (auch) mit dem Wetter zu tun, aber nicht nur, das hat auch andere Gründe, die zu erörtern an dieser Stelle zu weit führen würden.

In den Marken, wo wir  die letzten Tage waren, bevor wir morgen ans Mittelmeer bei Rom aufbrechen, um das Wasser dort zu testen, also hier gibt es diese Szenen sicherlich auch, aber die Gegend ist insgesamt touristischer. Landschaftlich schön, aber die Orte zum Teil recht durchgestylt. Das Unverfälschte, das haben wir zumindest in dieser Gegend bei Sirolo, nicht entdecken können. Zumindest nicht so wie in Marta, diesem kleinen Örtchen, das sich (noch) nichtmaufzuputzen braucht, denn es gibt fast keine Unterkünfte und somit auch kaum Touristen. Der Ort ist einfach da, wie schon Jahrhunderte zuvor. Unverfälscht, ungehübscht und vielleicht gerade deshalb so spannend und entspannend.

Bolsena Blick Fenster

Blog Marta Feuerwwerk (unten)

Ähnlich wie in Travestiere in Rom haben wir in Marta ein zweitägiges religiöses Fest mitbekommen, eine Feier zu Ehren der heiligen Marta – mit Umzügen und Gottesdiensten, mit Tanz und beleuchteten Booten, die am Abend über den See fuhren und mit Feuerwerken an zwei Tagen. Und ungelogen, das sagt die Feuwerksliebhaberin, die Pyromanin herself – das zweite Feinwerk war das schönste, das ich jemals erlebt habe.! Und ich habe schon viiiiiele Feuwerke erlebt! Sogar in Singapur, über dem See, also bitte.  Unsere Nachbarin nebst Mann waren natürlich die ganz Marta auf den Beinen und Stühlen, und so standen wir auf unserer Terrasse oberhalb der Stadtmauer und hatten einen echten Logenplatz. Unsere Nachbarin schlug immer wieder ihre Hände vors Gesicht und sagte laut: „Madre Mia! Que bello! Bellissimo!“, und am nächsten Tag, unserem letzen Morgen in Marta, schenkte sie uns selbst gebackenen Kuchen.

 

In unserem Haus konnte man man tatsächlich von der einen Terrasse (mit Blick auf die Berge) quer durch das Wohnzimmer auf die andere Terrasse (mit Blick auf den See) gucken. So etwas finde ich herrlich und faszinierend zugleich und könnte im Grunde sofort dort einziehen. :-)

Blog Haus Marta(Oben auf dem Bild sieht man die Haustür, die gerade offen stand, mit der einen Terrasse, im Hintergrund  den Durchblick zur Terrasse mit Blick auf die Berge…).

Beim Joggen am Morgen konnte ich beobachten, wie sich am See mehrere Generationen zum Angeln trafen; oft brachte der Großvater dem Enkel die Kunst des Fischfangs bei. Und die Mädchen spielten Schnitzeljagd in den Gassen, die zu unserem Haus führten.

Ok, jetzt aber genug vom Bolsena See und Marta. Und lieber noch zwei Bilder von hier, von den Marken. Wobei wir morgen schon wieder auf die andere Seite Italiens fahren, ans Mittelmeer, aber egal. Die Italiener lieben ja ihre Sonnenschirm-Liegenkonibination, und bitte, immer schön ordentlich. Wir haben es dennoch geschafft, ein Plätzchen für uns zu finden, da das gemeine Volk das Handtuch nicht nicht vor diese Sonnenschirmarmada platzieren darf.Blog Küste SonnenschirmeItalien ist immer eine Reise wert, wenn man die Dörfer und Küsten betrachtet und wenn das fantastische Eis am Gaumen kitzelt, und wenn man auf das türkis farbene Wasser schaut, aber –  ich werde Frankreich Italien immer vorziehen: allein schon wegen der Desserts (die sind hier in dieser Gegend grauenhaft, wirklich ungenießbar! Und der Kuchen erst, oh je,,,,vom Brot, also den ungesalzenen Klumpen im Mund  spreche ich mal nicht, ) und überhaupt das Kulinarische in dieser Gegend, und die Märkte, also, da ist Frankreich doch sehr sehr weit weg, aber vor allem hadere ich mit der Sprache (ok, ich spreche kein Italienisch… ha ha…) und, nunja, mit der Bademode. Ansonsten alles dolce vita! :-)

Blog Küste Sorolo