vier sind mal welt

WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

 Kurze Meldung zwischendurch, denn: Wir sind im Paradies gelandet. Nach einem stürmischen Flug an der Küste angekommen. Und nun 130 km im Hinterland, auf einer Farm im Karoo. Ein Blick ins Unendliche, wilde Tiere vor der Haustür und nachts ein Meer aus Sternen. 

Fehlt nur der Plattenspieler. Dann wäre es das. Das berühmte Setting von „Jenseits von Afrika“. Ich (alias Tanja Blixen) sitze also auf der Veranda, Katzen umschleichen meine Beine, eine sitzt auf meinem Schoß (bin kein Katzenfreund, aber hier hocken sie ausgerechnet auf meinen Knien), die wilden Tiere in der Nähe wissend, im Hintergrund Pferdegewieher, weil hier natürlich geritten wird, und dann kommt Robert, äh Frank, mein Held, über die Ebene auf mich zu. Ein Glas kühlen Weißwein in der Hand. Abends essen wir gemeinsam am Kamin. Die Mädchen springen über das Gras.

Ok. Ganz so ist es nicht. Stimmt im Prinzip alles. Sogar der Kamin. Nur dass der Weißwein ein Bier war in diesem Fall. 

Wir sind – neben einer anderen südafrikanischen Familie – die einzigen Gäste. Vielleicht, weil man sich die Lodge hier erst verdienen muss. So einfach kommt man natürlich nicht ins Paradies. 25 km (!) über steinige Schotterpisten mit beängstigend großen Gräben zwischendurch. Mehr als 10km/h sind nicht drin. Eine Offroad Strecke für 4wheel-Fahrzeuge oder Jeeps. Eigentlich. Das haben wir leider erst in der Anfahrtsbeschreibung gelesen, als wir schon eine Stunde Geländepiste hinter uns hatten…

Auf dem Weg von Port Elisabeth hierher wieder vorbei an diversen Barracken. Ansonsten, wenn die Barracke aus Stein gebaut ist und nicht aus Wellblech, wird sie sofort mit NATO-Stacheldraht  geschützt. Plastikmüll überall. Keinrlei Kanalisation. Man überlässt die Menschen in einigen Gegenden einfach sich selbst, so sieht es zumindest für uns aus. Hier gilt die Regel: entweder ganz oben (die wenigsten) oder ganz unten (sehr viele). Manche haben Hungerlohnjobs. In jedem Imbiss, in jeder noch so abgeranzten Bruchbude stehen mindestens 15 Kellner rum  (Frauen und Männer) und warten auf ihren Einsatz. Jeder hat seine Aufgabe: der eine nur und ausschließlich für die Bestellung, die andere für die Getränke, die nächste für das Essen, ein weiterer zum abräumen. Einen Satz erleben wir hier jeden Tag: „Ich bin nicht zuständig.“ Oder: “ Das kann ich nicht entscheiden“. Jeder bemüht sich, alles richtig zu machen, wiederholt mehrfach die Bestellung (Order vom meist weißen Boss), aber weil danach nicht mehr zuständig, entsteht so etwas wie Chaos.

In den meisten einschlägigen Reiseführern steht: Die Straßen von Südafrika sind sehr gut ausgebaut. Das stimmt. In Touristenregionen. Und mag für die Küsten zutreffen, aber sobald man sich im Hinterland bewegt so wie wir gerade, gibt  es  halbfertige Straßen, tiefe Schlaglöcher und kaum Verkehrshinweise. Dafür  hilfreiche Menschen (die wir ständig nach dem Weg fragen, weil die Ausschilderung so schlecht ist oder wir zu blöd), die häufig keine Straßenkarten kennen, weil sie sich nur zu Fuß oder per Bus fortbewegen und ihre Gegend bisher noch nie verlassen haben.

Der nächste Laden von hier ist 70km entfernt, es gibt stattdessen Natur, wilde Tiere, Katzen, Pferde – und  uns. Plus eine sehr toughe Köchin, den Farmpächter und  Banu, eine sehr nette Türkin, die sich nicht nur um die Gäste, sondern gleichfalls um die Tiere kümmert.Hier können wir in Ruhe unterrichten (heute verabreichen wir eine Doppelstunde Deutsch. Und Antonia wird einen Test schreiben). Die Mädchen können toben und spielen und wir etwas runterkommen. Egal aus welchem Fenster, aus welcher Tür unseres Hauses  wir blicken, wir gucken in wunderschöne Lanschaft. Abends stehen wir mit Banu und Rob, dem Pächter, auf dem Rasen und gucken in den überwältigen Sternenhimmel. Das alles nennt man wohl Glück.

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