vier sind mal welt

WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

Sie sind hoch, sehr hoch. Gewaltig. Beeindruckend. Erhaben und schön. Und wir stehen staunend davor. Klare Sicht, blauer Himmel, und im Hintergrund blitzen die Sieben-und Achttausender. Whow.

Doch fast noch erfreulicher ist das Gefühl, wenn unsere Heizung anspringt. Heute um Punkt 22.30h ist es soweit. Wir liegen mit Wärmflaschen im Bett, gefühlte Zimmertemperatur minus ein Grad, und dann, juhu, piepst es. Ein Juchzen. Denn das kurze Piepsen heißt: jemand aus der Regierung hat den Schalter umgelegt. Der Strom wird wieder angeschaltet. Nepal muss sparen. Wann geheizt wird, bestimmt die Regierung. Wir haben einen handgeschriebenen Zettel mitbekommen, wann wir Strom haben und wann nicht. Leider oft nicht. Morgens von 6h bis 10.30h keinen Strom. Heißt: schnell raus aus den Betten, duschen, in die Klamotten werfen. Denn sobald die Heizung ausgeht, wird es innerhalb von Minuten ar…kalt. Von 10.30h bis 16h dann Strom. Danach bis 22.30h wieder: ar…kalt. 

Und komischerweise jammert niemand von uns. Auch die Mädchen nicht. Sie freuen sich riesig über die Wärmflaschen und treiben ihre Späße damit. Und über die warme Dusche. Und wundern sich, dass alle Einwohner dieses Dorfes ihre Wäsche draußen vor der Tür mit Seife und von Hand waschen. Und sich an offenen Feuern wärmen. Denn hier haben die wenigsten Strom geschweige denn Waschmaschinen. Geschirrspüler. Fernseher. Dafür Hühner und Ziegen  die  durchs Haus laufen. Die Kinder spielen und essen draußen. 

Die meisten der Familien hier in Nagarkot sind Exil-Tibeter, Buddhisten, die ihr Geld durch Reisanbau verdienen oder kleine Handwerksbetriebe haben. Jeder grüßt freundlich, auch wenn man sich als Tourist als totaler  Fremdkörper fühlt. Obwohl hier viele Hotels sind, doch alle weit über den Ort verstreut, so dass man sich nach Kathmandu und vor allem Delhi wie in einer völlig anderen Welt vorkommt. Einer angenehmen. Friedlichen. Das mag täuschen, aber für uns als völlig Außenstehende wirkt es so. Ich kaufe einen selbst gefertigten Ring und durch das Betreten der Hütten bekommt man etwas Kontakt. Aber mehr ist es nicht. Es ist ein Wandeln durch eine fremde Welt. Die so faszinierend ist, so angenehm, dass wir uns sofort wohl fühlen. 

Dazu kommt das fast surreale Bergpanorama. Das so schön ist, dass man nur schweigend und fast ergriffen davor stehen kann. Den Mount Everest können wir von hier aus nicht sehen, aber den Anapurna und andere berühmte Bersteigerberge. (Reinhold Messner, ich weiß, schlecht. Ganz schlecht. Sollte zumindest noch einen drauf haben von diesen Giganten, dreizehn sind es weltweit, acht davon stehen in Nepal und einige dieser acht können wir von der Terrasse aus sehen. Einfach so. Das ist Glück. Ein ganz ganz großes Glück, das kein Foto dieser Welt hergibt. Und dennoch, natürlich haben wir fotografiert und Frank und ich sind um 5.50h heute früh aufs Dach geklettert. Glück. Großes Glück, das alles zu sehen und erleben zu dürfen…).

Nach Dehli und Kathmandu tun die Stille und die Natur gut! Mit Ausrufungszeichen. Denn Delhi hat uns Nerven gekostet. Zuerst die Kälte nach Kerala. Ok, kann man verkraften. Aber dann die fehlenden Farben. Alles grau. Dann die unzäligen Autos. Und noch mehr Autos. Nur Autos. Überall. In den Gassen der Altstadt, die noch so etwas wie Charme besitzt, naja, wenn man nicht so genau auf die Einbeinigen, Halbtoten und spindeldürren, zerrupften und barfuß laufenden Kinder achtet, die im Dreck und in der Pisse spielen, wenn man also versucht, darüber irgendwie hinwegzusehen und das Menschliche zu suchen, findet man es vielleicht in Alt-Delhi. Neu-Delhi ist ein graues Etwas, bestehend aus Straßen und Autos und hässlichen Häusern. Und Alt-Delhi bald nicht mehr existent weil zusammen gefallen. Die Einwohner jedoch lieben ihr Neu-Delhi. Alt-Delhi ist ihnen suspekt, so scheint’s. „Da gehen wir nie hin“, hörten wir des Öfteren. Man sah uns an, als seien wir nicht ganz dicht, dass wir mit zwei Mädchen in die Gassen gehen wollten. Wir haben geschaut, gestaunt, waren geschockt und haben nach all den Eindrücken etwas gegessen. In einem Restaurant, das uns unsere Vermieterin empfohlen hat. Allerdings an der Grenze zu Neu-Delhi, denn auch sie würde nicht tiefer in die Gassen eindringen. Warum, das haben wir dann erfahren, als wir nach Besuch einer Moschee bei einsetzender Dämmerung unterwegs waren. Die Mädchen wurden angeguckt, angegrabtscht und mit Zischlauten versehen. Kaum noch Frauen auf den Straßen. Nicht gut. Wir also zurück in unsere Unterkunft. Was in Delhi locker zwei Stunden dauern kann. Mal eben ein Brot holen und dann zum Sport, is nich. Wir also zurück nach Neu-Delhi. Und erstmal mit unserer netten und aufgeschlosseneren Vermieterin ein Bier getrunken (wir wohnten privat bei einer Mutter mit ihrer Tochter). 

 

Vielleicht haben wir die falschen Ecken gesehen, vielleicht hatten wir Pech, aber Delhi, im Gegensatz zu den anderen Orten in Indien, die wir gesehen haben, nein, muss nich. Muss nicht noch einmal, sorry Delhi, aber Du gefällst uns nicht. Hast uns Deine Schönheit verborgen oder bist eben einfach eine graue, kalte Stadt die einen nicht an sich ranlässt, zu nichts einlädt. Ganz anders als die anderen Indienerlebnisse. Deshalb, Delhi, schockst Du uns auch nicht.

  

 

 

 

 

 

 

 

In Nepal werden wir auf dem kleinen Flughafen von Kathmandu mit Handschlag begrüßt. „Namaste!“ Kathmandu gilt als die dreckigste Stadt der Welt. Überall liegt dicker Staub. Viele tragen einen Atemschutz. Und dennoch – wir sind sofort verzaubert. Allein der Anflug ist unvergesslich, mit dem Himalaya-Gebirge im Hintergrund.Die Stadt, zum Teil fast mittelalterlich. Szenen wie aus einem Kinofilm aus jener Zeit.

Und die Farben sind zurück. War in Delhi noch alles grau, die Häuser und die Menschen, trägt man hier bunt. Auch die kleinen Läden sind bunt gestrichen. Wenn nur die abertausend Motorräder nicht wären! Dieser Gestank nach Abgasen, dieser Lärm. Aber Kathmandu fasziniert dennoch.

 

 

 Wir sind froh, zumindest diese wenigen Tage in Nepal zu haben und genießen jetzt die Natur. Die faszinierenden Berge im wechselnden Licht und die entspannte Freundlichkeit der Menschen. Und vergessen darüber ganz, dass die Heizung ab und zu, also irgendwie immer ausfällt. Bis irgendwann die Finger anfangen weiß zu werden. Nach Nagarkot auf über 2000Meter Höhe geht es dann weiter Richtung Westen ins Tal. Da sind angenehme 21 Grad. Und die Berge noch näher. Und vielleicht in den Dschungel zu den Tigern. Oder doch zu den Schneeleoparden, von denen hier noch einige leben sollen? Wohin auch immer, die Aussicht auf die Berge dürfen wir noch ein bisschen genießen. Namaste! (Was nicht nur guten Tag heißt,  glaube ich, sondern auch so etwas wie von Herzen, im Yoga zumindest, oder?)

 

 

 

 

 

 

 

 

  

(Mehr wie immer in ein paar Tagen in der Galerie – sollte uns ein Schneeleopard oder Tiger beim Lunch zugucken, kommt der allerdings groß raus, versprochen). 

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Ein Gedanke zu “Im Angesicht der Berge

  1. Wirklich, wow! Tolle Bilder, ich glaube ihr müsst eine große Diashow machen, wenn ihr wieder da seid. LIebe Grüße, auch unbekannterweise an Mann und Mädchen:) LIsbeth

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