vier sind mal welt

WELTREISE ALS FAMILIE – UND DANACH?

Schon tausend Mal gesehen, und immer wieder hüpft das Herz beim abendlichen Anblick dieses Wahrzeichens. Wir sind diesmal als reines Frauenteam unterwegs und reisen durch la France. Angefangen mit Paris. Antonia war sehr gespannt auf die Stadt, deren Namen sie aus meinem Mund sehr oft ertragen muss, weil ich in schöner Regelmäßigkeit vorschwärme, und wahrscheinlich schon grenzdebil sinniere, wie schön doch die zwei Jahre meines Lebens in Paris waren und den Vortrag dann stets mit einem Seufzer abschließe: „Ach, Paris…“ Lange Zeit  war Paris tatsächlich wie eine zweite Heimat für mich. Allein der Geruch versetzte mich in Euphorie! Dass eine stickige Metro und vollgekotete Straßen einen in Verzückung versetzen können, ist wahrscheinlich schwer nachzuvollziehen. Doch bei mir war es bei unserer jetzigen Ankunft wieder so. Alles war wieder da, es war wie ein kleines Nachhausekommen. Antonia und Helen waren irritiert, zumal Paris uns mit grauem Himmel empfing, und wir unser Gepäck durch die endlosen Metrogänge, Treppauf-Treppab schleppten, bis wir endlich bei unserer Unterkunft ankamen, Metro Oberkampf, direkt neben dem „Bataclan“. Antonia sah die Rosen vor dem Gebäude und fragte, ob da die vielen Leichen gewesen waren. Helen empört und entsetzt: „Wieso wohnen wir neben einem Gebäude, wo Leichen drin liegen??“ – Nein, ich konnte unseren Mädchen bei der Ankunft nicht so richtig vermitteln, dass Paris bezaubernd, mitreißend, inspirierend und cool ist. Und, ok, laut, dreckig, hektisch und auch unendlich grau sein kann. Aber nie, niemals langweilig. Oder banal. Im „Bataclan“ war ich damals oft, in den achtziger und neunziger Jahren, für Konzerte oder zum tanzen. Dass unser Apartment direkt daneben lag, war allerdings Zufall. Ich guckte zwar in der Gegend, weil ich sie sehr mag, aber dieses Apartment hier hatte einen „Edelstein“. Das heißt, es hat unzählige positive, nein, euphorische Bewertungen, und es gilt als besonderes Glück, wofür man sich wahrscheinlich königlich fühlen soll, wenn es mal frei ist, das Apartment. Ich also hatte dieses Glück, denn der Besitzer, ein Musiker, war gerade mal wieder auf Tournee und niemand hatte vor mir gebucht. Thomas, so heißt der Besitzer, wohnt mit seiner Freundin im 6. Stock (natürlich ohne Fahrstuhl, wie sich das für Pariser Altbauten gehört), dafür mit Blick auf den Eiffelturm (siehe Foto).

Es war: gé-nial! Das nette kleine Apartment und die Zettel des Besitzers (Empfehlungen für Boulangerien und Restaurants in der Umgebung- très sympa :-) stimmten die Mädchen dann sehr versöhnlich, und als dann noch der Himmel aufriss, wir über die ersten Brücken schlenderten und in einen unverschämt sündige tarte au chocolat bissen, schaffte Paris es dann doch noch, die Mädchen zu verzaubern.

Paris A&H brücke hinten

Und zwischendurch gab es einen jener Momente, eine kleine surprise, die Paris mal kurz aus dem Ärmel schüttelt. Als ob sie einem sagen wollte: Das Licht, die Brücken, die alten Gebäude, die Plätze, die Fontänen, die Straßencafés, die Treppen und Ausblicke, die Gassen und Gärten, die Attitude der Pariser, die Museen, Rodin, Mona Lisa, ja ja, alles schön, aber…noch laaaange nicht alles, schaut her! Guckt, schaut und staunt! Wacht auf! Hier passiert gerade das Leben. Hier wird es gehuldigt und gefeiert. Man ahnt nichts, und plötzlich passiert es: Eine Frau zum Beispiel fängt mit klarer, engelsgleicher Stimme an zu singen, als wir die Notre Dame betreten, und dann setzt auch noch die Orgel ein, und ein Sonnenstrahl lässt die großen bunten Fensterrosetten aufleuchten. Da wird man plötzlich ganz klein vor so viel Wucht und Schönheit. Merci, Paris!

Mit dem TGV fuhren wir dann in den Süden, die Landschaft wurde immer hügeliger, schließlich sahen wir im Hintergrund die schneebedeckten Alpen, und dann, peng, war man auch schon im Süden. In einer völlig anderen Welt. Auch in Paris war es am letzten Tag sehr warm, doch hier im Süden knallt die Sonne regelrecht vom blauen Himmel. Wir wohnen (ja Antonia, ich weiß, schon wieder ein Seufzer) also, wir wohnen in meinem Lieblingsort. Der wurde hier schonmal erwähnt, fürchte ich, da wir als family oft dort waren und sicher sein werden. Sanary sur mer, heißt der kleine Ort, und jedesmal denke ich: Hach, wie nett! Wie herrlich einfach kann das Leben sein. Meine Freundin aus Prag nebst Familie wohnt einen Ort weiter, das ist nett. Heute war ich mit den Mädchen allerdings alleine  unterwegs, wir haben einen Spaziergang zur Bucht von Portissol gemacht und da war es: das Haus von Thomas Mann. Die Familie Mann hat kurz vor dem zweiten Weltkriegs in Sanary zur mer gelebt – wie viele andere Künstler und Exil-Deutsche bzw. -Österreicher. Ein paar Häuser weiter hatte Alma Mahler-Werfel gelebt, und ich war froh, endlich diese Häuser mit dazugehöriger Bucht entdeckt zu haben.

IMG_8828IMG_8830Doch, kann ich verstehen, dass man hier ganz gut schreiben kann…Gibt schlechtere Orte. Und auf Felsen am Meer und „Spielspinnen“ herumklettern kann man auch, Der Himmel über unserem Haus soll auch die nächsten Tage in diesem tiefen Blau strahlen, so wie es nur die diese Gegend vermag („Mama, Du und Dein Frankreich“, würde Antonia jetzt seufzen – und anschließend grinsen. Denn ein ganz ganz keines bisschen habe ich sie, glaube oder hoffe ich, angesteckt, die Mädchen… :-)

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: